Schei#!e, O!da!

[Update 22.10.11: Oh Mann, die Überschrift war ja ein Spam-Magnet. Überschrift und Text wurden deshalb verfremdet]

Wenn die ARD-Mediathek den „unflätigen Umgang unter Parteifreunden“ thematisiert und im Beitrag berichtet, dass ein (deutscher, aber egal) Politiker einem anderen ins Gesicht sagt, „er solle ihn mit so einer Schei#!e in Ruhe lassen“, dann darf ich auch von meiner nagelneuen, nicht repräsentativen Statistik erzählen:

  • Zeit: Freitagnachmittag, ca. 1,5 Stunden vor dem Wochenende
  • Ort: ein sonniges Klassenzimmer
  • Anwesende: Verkäufer, durchgehend 16-17jährig
  • Fach: Wirtschaft
  • Beobachtungs- bzw. Aufzeichnungszeitraum: 15:15 – 15:50

Was ist anders als sonst? Ich habe an meinen Schreibtisch ein Post-it mit zwei Spalten geklebt: „Schei#!e“ und „O!da“.

Aufgabe: Klammheimlich jedesmal wenn ich als Lehrer „Schei#!e“ oder „O!da“ höre ein Stricherl da bzw. eines dort. Sollte der Begriff unbekannt sein: hier ist eine Wiki-Eintrag dazu.

Ergebnis: In 35 Minuten 12 mal „Schei#!e“ und 9 mal „O!da“ gehört. Also alle 2,9 Minuten „Schei#!e“ und alle 3,8 Minuten „O!da“ gehört. Oder anders gesagt: Alle 1,5 Minuten höre ich entweder „Schei#!e“ oder „O!da“. Ich lasse mal die Wochen-Highlights wie „Brunzkopf“ oder „fette Sau“ weg, die in anderen Einheiten gefallen sind.

Mich stört das. ich arbeite nicht gern in einer Umgebung, in der ich dauernd an dieses Bild (siehe Bild) denken muss. Der Klassiker ist ja „Denke jetzt mal nicht an einen blauen Elefanten mit rosa Streifen“. Und wenn ich Schei#!e höre, dann drängt sich (mir zumindest) dieses bestimmte Bild rechts oben auf.

Es ist unangenehm und eklig. Genauso wie Füße auf dem Tisch. Oder Mundgeruch. Oder Abgabe zerissener oder verschmierter Hausübungen. Vielleicht stört es auch manche Kunden, die (unfreiweillig) so manche Gespräche des Verkaufspersonal mithören. Welche Überstunden / Urlaub / Zeitausgleichsansuchen nicht genehmigt worden sind. Wer was wann zu wem angeblich gesagt hat und dass das eine Frechheit ist. Dicht gefolgt entweder von S oder O.

Ich habe den Eindruck, dass vielen diese Wörter nicht bewusst sind. Dass sie genauso verwendet werden, wie manche Menschen „ähm“ oder „ahh“ oder „Na gut“ (=beliebter Lehrersatz zum Unterrichtseinsteig) sagen. Mit der Statistik oder der anschließenden Ergebnisveröffentlichung wolle ich ein Bewusstsein schaffen, dass diese Worte eben nicht selbstverständlich sind und eben nicht andauernd im Klassenzimmer oder in Verkaufsräumen fallen müssen. Sozusagen ein Plädoyer für mehr Achtsamkeit im täglichen Sprachgebrauch.

Ganz besonders hat es mich gefreut, dass die eifrigsten „Sche#!e O!da“-User Besserung gelobten und heute schon eine Wirkung zu hören war. Vielleicht sollte ich das auch mal im Konferenzzimmer thematisieren, nachdem ich heute Morgen innerhalb von 30 Sekunden zweimal „Schei#!e“ gehört habe. Das schlägt – statistisch gesehen – sogar die Schüler. Gut, dass das eine Ausnahme war.

Wen hast du denn heute in der Schule unterrichtet?

furman„Ich schaffs!“ von Ben Furman beschreibt eine Methode, mit der Kinder Fähigkeiten erlernen können, die wir normalerweise mit dem Wort „Problem“ bezeichnen würden. Beispielsweise „schön spielen“ (=beim Spielen nicht so wütend zu werden, dass Raufereien entstehen), die „Kitty-Fähigkeit“ (=so gut zuhören können wie die Katze Kitty) oder „braves Reden“ (=keine Schimpfwörter verwenden).

Die Methode besteht aus 15 einfachen Schritten,  in denen die zu erlernde Fähigkeit definiert und benannt wird, eine „Kraftfigur“ als imaginärer Helfer und reale Helfer ausgesucht und eingeweiht werden, das Vorhaben veröffentlicht, geübt und eine Vorgehensweise für Rückschläge gefunden wird. Zuletzt wird gefeiert.

Verglichen mit der Schule wäre jetzt Schulschluss. Aber Furman setzt noch zwei Schritte drauf: Im Schritt 14 sollte das Kind die Fähigkeit an andere weitergeben (=Lernen  duch Lehren) und im Schritt 15 zur nächsten Fähigkeit übergeben (=Lebenslanges Lernen).

Aus lernpsychologischer Sicht ist Schritt 14 wichtig:

  1. das Erlernte wird nochmals wiederholt und damit gefestigt
  2. das Erlernte wird mit eigenen Worten wiedergeben
  3. das Selbstwertgefühl wird durch die Weitergabe an Andere (=Peers) gesteigert
  4. die Peers lernen von ihresgleichen leichter und schneller

Eltern, Erzieher, Lehrer werden durch den Schritt 14 entlastet und das Erlernen der Fähigkeit wird ein Selbstläufer.

Furman berichtet, dass in traditionellen Kulturen Lernen als Kreislauf angesehen wird. Die Phase der Ignoranz wird durch eine Lernphase abgelöst. Der Kreislauf wird geschlossen, wenn die Person das Gelernte im Stamm verbreitet hat. Etwas alleine zu wissen, reicht nicht aus. Man muss auch in der Lage sein, es anderen beizubringen.

Deshalb plädiert Furman für eine Durchmischung von älteren mit jüngeren Kindern in der Schule. Ältere sollten Jüngere unterrichten, so wie das bis vor Einführung der Industriezeitalter-Schule schon immer geschehen ist. Das ist unsere Natur, das erleichtet das Lernen.

„Kinder haben ein angeborenes Bedürfnis zu lernen, sie haben aber auch ein angeborenes Bedürfnis zu lehren. Wenn ein Kind ein anderes unterrichtet, fühlt es sich nützlich und wichtig. Wenn wir möchten, dass unsere Kinder etwas lernen, sollten wir ihnen die Gelegenheit dazu geben, das Erlernte auch anderen Kindern zu vermitteln.“

Statt zu fragen „Was hast du denn heute in der Schule gelernt?“ sollten wir unsere Kinder fragen (können) „Wen hast du den heute in der Schule unterrichtet?“

Die Methode gibt es auch adaptiert für junge Erwachsene Jugendliche im Buch „Ich schaffs! Cool ans Ziel“:

Der gute Vorsatz, der böse Schweinehund und die hässliche Wahrheit

The good, the Bad and the Ugly
The good, the Bad and the Ugly

Wie gehen wir es an, das neue Jahr?

Zuerst mal, wie Jochen English aus „Thriving on Less“ zitiert:

Sich auf 4 – 5 wesentliche Punkte im Leben konzentrieren (Liste schreiben). Die wären beispielsweise: Familie, Job,  Schreiben, Lesen und Laufen. Diese Liste bei jeder noch so interessant erscheinenden, lieb gewonnenen oder „wichtigen“ Tätigkeit durchgehen. Versuchen, Nicht-Listen-Tätigkeiten zu eleminieren oder zumindest zu limitieren. (Typische Zeitfresser: TV, sinnlose Blogs lesen …haha, erwischt…, usw.) Tut vermutlich weh.

Stephan List hat bei Scott H. Young gefunden, die vielzitierte Work-Life-Balance nicht so ernst zu nehmen, wie oft gepredigt wird. Mal im Job reinhauen, dass die Bäume krachen, mal 10 Wochen intensiv für den Marathon trainieren oder mal alles stehen und liegen lassen und sich 100%ig um die Family kümmern. Alles andere wäre fad und führt zu Stillstand. Recht hat er. Langfristig sollte die Work-Life-Balance aber stimmen.

Für jene Dinge auf der Liste, die erfahrungsgemäß zu kurz kommen, gibt es in der Gehirn und Geist 1-2/2009 einen Artikel „Den inneren Schweinehund überwinden“. Bezogen ist dieser auf Sport, er lässt sich aber vermutlich auch für andere „Schweinehund“-Tätigkeiten anwenden. Da der Schweinehund aber derzeit immer zusammen mit mir auf die Waage hüpft, kommt das Rezept aus der Gehirn und Geist jetzt in aller Kürze:

  1. Setze Dir ein Ziel, das erstrebenswerte Konsequenzen hat (z. B.: „Laufen, um gesund zu bleiben, weniger Kilo zu haben, widerstandsfähiger zu sein, etc.)
  2. Kannst Du das Ziel überhaupt erreichen? Bist Du überzeugt davon, dass es für Dich machbar ist? (Nein? Dann zu Punkt 1 retour).
  3. Will es Dein Umfeld (=extrinsische Motivation) oder willst Du es selber (=intrinsische Motivation). Intrinsisch ist besser. Viel besser.
  4. SOS-Plan erstellen – Soll ich, oder soll ich nicht? Dieser (am besten schriftlich fixierte) Wenn-Dann Plan überlistet den inneren Schweinehund. Beispiel: Wenn es morgen stürmt und schneit, dann radle ich am Heimtrainer 1,5 Stunden anstatt eine Stunde zu laufen. Wenn Tante Anna morgen nachmittag kommt, dann gehe ich eben abends laufe. (Die dazu notwendige Stirnlampe liegt mit neuen Batterien schon beim Laufzeug).

Als Fazit: Gute Vorsätze installieren, Rezept gegen den bösen Schweinehund stricken und die hässliche Wahrheit kann kommen.

Endlich arbeiten! Oder „The Age of Interruption“

Im Zeitalter der Unterbrechungen (siehe Thomas Friedman: The Age of Interruption) hat sich bei mir ein Arbeits- und Lebensstil eingeschlichen, den es zu überdenken gab. Konzentriertes Arbeiten wurde durch ständige Unterbrechungen und Ablenkungen unmöglich. Soweit ist es zwar noch nicht, dass ich kein Buch mehr vernünftig lesen kann, wie Nicholas Carr in „Is Google making us stupid?“ beschreibt, aber trotzdem ist mein PC seit Web 2.0 vom Arbeitsgerät zum Allround-Entertainer mutiert. Die Push-Technologie sollte eigentlich Punch-Technologie heißen, denn die Produktivität nähert sich dem k. o.

(c) www.pixelio.de / pepsprog
(c) http://www.pixelio.de / pepsprog

Und immer lockt das Web

Was rege ich mich auf, wenn meine Kinder ständig ins Arbeitszimmer platzen? Was rege ich mich auf, wenn in Zeitungen nichts Wesentliches mehr steht? Wie wesentlich sind die Informations-Häppchen, die ich mir Tag und Nacht so runterhole anzeige und abspeichere? Information-Junkie? Süchtig nach Info-Happen? Belangloses? Gossip? Trends und Meinungen? Süchtig nach Unterbrechungen? Machen wir sie dingfest, die, die mich nicht arbeiten lassen:

And the most famous Interruptors are…

  • RSS-Feeds, besonders in Verbindung mit Google-Reader und Dutzenden von abonnierten Blogs (Verdammt, warum sind im Juli trotzdem so wenig Blog-Einträge da? Schreibt denn keiner im Urlaub mehr? Wenigstens Urlaubsgrüße? Es gibt doch Internet-Cafes überall!)
  • Blog-Beiträge, die ich unbedingt lesen und vielleicht auch kommentieren muss
  • Blog Kommentare kommentieren
  • E-Mail-Programm (bei mir Outlook, aber Thunderbird ist genauso böse)
  • i-tunes mit Dutzenden abonnierten Podcasts (zuletzt hinzugefügt – 25 Podcasts); die liefen immer während der Arbeit, mit einem halben Ohr hörte ich zu
  • wenn ich die neuesten Podcasts gehört hatte, dann gibt es ja noch einige Gigabytes gespeicherte auf der Festplatte, also: weiterhören.
  • http://www.orf.at, http://www.derstandard.at, http://www.diepresse.at, http://www.wirtschaftswoche.at, http://www.wallstreet-online.de
  • Meine lernenheute.wordpress.com – Statistikanzeigen (danke liebe Leser, wir nähern uns der 40.000er Marke)
  • Comments auf meinem Blog
  • Internetbanking: Meinen Kontostand bekomme ich bei Änderungen per SMS geschickt. Aber: Im Internet-Banking mal kurz nachsehen kann nicht schaden. Vielleicht hat wer mein Konto geplündert, man weiß ja nie. Oder versehentlich eine Mille überwiesen. Da muss man schnell sein…
  • Das Fernsehprogramm auf Tvinfo.de
  • Xing-Nachrichten lesen
  • meistgesehene youtube-Videos ansehen
  • Neue Downloads auf zdnet.de, chip.de
  • Ach ja: Mein Smartphone kann dank WLAN auch E-Mails abrufen, wenn der PC nicht eingeschaltet ist. Super wichtig beim Grillen, damit nichts anbrennt.

Dass ich ein harmloses Exemplar dieser „Google-Generation“ bin, merkt man daran, dass ich weder Twitter noch ICQ noch Skype in Betrieb habe. Stoooopid … why the Google generation isn’t as smart as it thinks“ (Habe ich eben gegoogelt, sorry, schreibe jetzt weiter). Hat was? Habe ich vergessen. Dumm, nicht?

Hey Alter, was soll das?

John Medina schreibt in „Brain rules„:

„Studies show that a person who is interrupted takes 50 percent longer to accomplish a task. Not only that, he or she makes up to 50 percent more errors.“

Durch Unterbrechungen brauchen wir länger, wir machen auch mehr Fehler. Die Prozentangabe wird davon abhängen, welche Tätigkeit gerade unterbrochen wird. Ist es beim Überlegen einer genialen Satzformulierung die durch einen Telefonanruf gestört wird? Oder hüpft ein Kind auf die Straße, während wir autofahrenderweise mit dem Handy telefonieren und unser Reaktionsweg sich dadurch um 50 % verlängert?

Esst mehr Brokkoli

… passt zwar nicht hierher, gefällt mir aber als Grundaussage. Was mache ich, um konzentrierter arbeiten zu können?

  1. Handy ausschalten (Ausschalten, nein, nicht lautlos, ausschalten)
  2. Google-Reader zumachen, gegebenenfalls von der Startseite entfernen
  3. E-Mail-Client beenden, bei mir Outlook. Das #*####gggr Ding meldet aber trotzdem, wenn eine Mail kommt. Hier das Video, diese ##***!!## zu umgehen: How To Turn Off Outlook’s E-Mail Notification Settings
  4. i-Tunes beenden
  5. Twitter, ICQ und wie sie alle heißen: beenden
  6. No-News.  Die aktuellen Nachrichten sind jetzt nicht wichtig. Auch nicht mal kurz schauen! Sollte ein Atomkraftwerk explodieren, dann gibt es bei uns Sirenen.
  7. No-bay. Das aktuelle Gebot auf ebay ist jetzt nicht wichtig. Die schicken Mails, wenn es wichtig wird. Notfalls gibt es biet-o-matic.
  8. No Blogging. Nein, dieses heiße Thema musst du jetzt nicht bloggen. Auch nicht vormerken, es zu bloggen.
  9. No Money. Nö, der Kontostand im Internet-Banking hat sich seit heute Morgen nicht verändert. Und wenn, dann ist es jetzt auch wurscht egal.
  10. PC-Lautsprecher abschalten – um nicht in Versuchung zu kommen.
  11. Router? Optimalerweise könnte der Router abgeschaltet werden, wenn kein Internet zum Arbeiten benötigt wird. Mache ich aber nie, Internet brauche ich immer (lechz).
  12. Ganz kurz geht nicht. „Ich schaue nur kurz, nur schnell, nur mal eben“ … gibt es nicht.

Na, wie lange halten wir das durch, bevor wir nur mal kurz Mails lesen? Und die dann nur mal kurz beantworten?

Idee: Einen „Work“-Button, der Beenden und Starten von Kommunikations-Software für mich auf Knopfdruck erledigt. Dann kann ich mir auf Knopfdruck auch wieder die volle Dröhnung geben und alles auf einmal starten. Herrlich 😉

Aufmerksamkeit im Klassenzimmer

Seth Godin fragt: „You were going to spend how much to distract me from what I was doing?“

Wieviel ist der Lehrer im Klassenzimmer und zuhause bereit auszugeben, damit die Schüler seine Aufmerksamkeit haben? Was genau in einer Unterrichtsstunde ist es wert, diese Aufmerksamkeit mit Zeit und Energie zu „kaufen“?

Und umgekehrt: Wieviel Aufmerksamkeit wird Zielen gewidmet, die unwesentlich oder völlig irre sind? Dazu folgende Beobachtung von heute morgen:

Für mich hat vor einigen Tagen die Laufsaison wieder begonnen. Ich laufe viel auf Straßen, regelmäßig auf einer wenig befahrenen (weil umfahrenen) Hauptstraße. Dabei passiert es aber doch dann und wann, dass ein Auto vor und eines hinter mir fährt. Ein Fahrzeug (Auto Nr. 1) kommt mir entgegen, eines (Auto Nr. 2) will mich überholen. Auto Nr. 1 versucht zwei Dinge: Mich nicht zu rammen (nett!!) und mich auch nicht zu streifen (auch nett!!). Auto Nr. 2 weiß, dass Auto Nr. 1 ein wenig Richtung Mittellinie schlenkert, damit es mir ausweichen kann. Beide konzentrieren sich darauf, dass wir drei uns nicht unbedingt auf gleicher Höhe treffen, also Läufer, Auto1 und Auto2 nebeneinander. Dann wäre es eng und nicht so gemütlich auf der Straße. Lustigerweise treffen wir uns in 9 von 10 solchen Begegnungen grundsätzlich immer nebeneinander. Die Aufmerksamkeit von Auto1 und Auto2 liegt auf mir, beide drosseln ihre Geschwindigkeit immer so, dass wir für einen kurzen Moment zu dritt nebeneinander die Hauptstraße benutzen. Durch Aufmerksamkeit auf das, was nicht eintreffen sollte, trifft gerade das ein.

Andere Geschichte: Englisch, question tags. Ich erzähle den Schülern, wie die Bildung von Question Tags funktioniert. Zum Beispiel „Susan is tired, isn’t she?“ Das „is“ wird also einfach verneint. Funktioniert oft, aber nicht immer. Zum Beispiel bei „I am tired“ funktioniert „am’t I“ ja nicht, es muss heißen: „I am tired, aren’t I“ oder „… am I not?“

Ergebnis: Beim Abfragen der Schüler eine Woche später, wussten viele, dass „am’t I“ nicht funktioniert, hatten aber keine Ahnung, wie es richtig lauten sollte. Die Aufmerksamkeit auf das, wie es nicht funktioniert, hindert uns am Weiterkommen.

Die Aufmerksamkeit, die wir gegenüber anderen Menschen haben, beeinflusst unser Verhalten. Marshall Rosenberg erzählt im Buch „Gewaltfreie Kommunikation“ im Kapitel „Ärger vollständig ausdrücken“ folgende Begebenheit:

In einem Heim für schwer erziehbare Kinder schlichtete er eine Rauferei und bekam mit dem Ellbogen unabsichtlich eine Schlag auf die Nase. Der Verursacher war ein Kind, das er in Gedanken als „verzogenenes Gör“ bezeichnet hatte. Er wurde so wütend, dass der Mühe hatte, nicht zurückzuschlagen. Tags darauf eine ähnliche Rauferei. Diesmal bekam er von einem Kind, das er als „bedauernswertes Wesen“ betrachtete ebenso unabsichtlich einen Schlag auf dieselbe Nase und empfand dabei überhaupt keinen Ärger. Die Aufmerksamkeit auf unsere Vorurteile hindert uns daran, fair zu sein.

Versuchen wir also unsere Aufmerksamkeit im Klassenzimmer auf die wesentlichen und die positiven Elemente  zu legen, damit Lernen stattfinden kann:

    1. Wertschätzung von Menschen
    2. Weckung von Neugier

      Noch was? Nö, ich glaube nicht.

      „Nirgendwo scheint die Lehrerarbeit wirklich gesund zu sein“

      387148_illness.jpgsagte (der nunmehr pensionierte) Professor Uwe Schaarschmidt, der über 20000 Pädagogen zu ihrem Job in der „Potsdamer Lehrerstudie“ befragt hat. Sein interessanter Artikel „Beneidenswerte Halbtagsjobber?„, sein Interview „Die Ausgebrannten“ in der „Zeit“ und seine Bücher (zB „Gerüstet für den Schulalltag„) könnten für so manche Lehrer ein Wegweiser zu einem besseren Leben sein.

      Er teilt Lehrer in 4 Grundtypen ein, die zeitlebens „erstaunlich stabil“ bleiben. Ideal wäre es, ein „G-Typ“ (G wie „gesund“) zu sein. Dieser Lehrer ist engagiert, jedoch nicht zu engagiert, ist ehrgeizig, die Arbeit ist ihm wichtig, er resigniert aber selten und kann sich distanzieren, strotzt vor innerer Ruhe und Ausgeglichenheit und ist … einfach zufrieden.

      Der „S-Typ“ (S wie „schonen“) schöpft seine Kraft von außerhalb des Lehrberufes und dort investiert er sie auch. Trotzdem (oder gerade deswegen) ist er ganz zufrieden. Von schulischen Problemen distanziert er sich am besten von allen, er hat wenig beruflichen Ehrgeiz und verausgabt sich sicher nicht. Der S-Typ wird gemacht: Durch mangelnde Karrieremöglichkeiten und/oder schlechte Arbeitsbedingungen. Schonung steht auch für Schutz.

      Bleiben noch die zwei Risikotypen „A“ und „B“, der laut seiner Studie in allen Schultypen mehr als die Hälfte aller Lehrer angehören. Kaum wer entwickelt sich von einem Risikotyp zu einem „G“ oder „S“ Typ, das Gegenteil ist meistens der Fall.

      Der „A“-Typ rackert sich ab: Er zeigt überhöhtes Engagement, kann kaum Abstand von Problemen im Beruf nehmen, entspannt nicht, findet seine innere Ruhe nur schwer und ist somit wenig zufrieden. Eine Gefahr für ihn ist die „Gratifikationskrise“ – großer Arbeitseinsatz ist verbunden mit ausbleibendem Erleben von Anerkennung. Die Infarktgefahr bei ihm ist durchaus gegeben.

      Der „B“-Typ hat viel gemeinsam mit dem Muster S. Jedoch kann er sich nicht distanzieren, sondern resigniert, ist wenig motiviert und versucht, mit der ihm verbliebenen Kraft „irgendwie“ über die Runden zu kommen. Der Burn-Out naht.

      Die befragten Lehrer geben an, dass sie destruktives Verhalten von schwierigen Schülern verbunden mit großen Klassen und hoher Stundenanzahl als die Top3 der Belastungsfaktoren empfinden. Dabei wiegt eine schwierige Klasse, verbunden mit hoher Stundenanzahl viel schwerer als dieselbe Klasse bei insgesamt weniger Stunden.

      Schaarschmidt empfiehlt, die Rahmenbedingungen für den Lehrerjob zu ändern:

      1. Entlastung der Lehrer von nicht bewältigbaren erzieherischen Aufgaben, sie dürfen mit diesen Problemen nicht allein gelassen werden. Helfen könnten: Politik, Eltern, Lehrerschaft, Sozialarbeiter, Psychologen, …
      2. Voraussetzungen schaffen, damit Lehrer mehr eigenverantwortlich Handeln können. Weg mit den Reglementierungen von außen, die jede pädagogische Arbeit nur unnötig erschweren. Mehr Muße und Kontinuität für schulische Aufgaben statt ständiger Kampagnen. Schaffung von beruflichen Alternativen bei Erreichen der persönlichen Belastungsgrenze.

      Der Führungsstil der Schule sollte zudem kooperativ-unterstützend sein, im Kollegium sollte ein Klima der Offenheit und Unterstützung vorherrschen. Der Erholungswert von Pausen sollte gesteigert werden.

      Einem guten Viertel aller Lehrer mangelt es lt. Studie an sozial-kommunikativen Kompetenzen und am Selbstvertrauen. Wer sich ständig die Frage stellt, ob er ein guter Lehrer ist, der schwächt sich selbst. Hier muss bereits beim Aufnahmeverfahren für den Lehrerjob selektiert werden.

      Was sollte der Lehrer dazu beitragen? Lebenslange Weiterbildung zur Kompetenzentwicklung, lernen aus Rückmeldungen und nicht zuletzt: körperlich fit bleiben.

      Auf der Homepage des Verbandes für Bildung und Erziehung kann sich das ganze Lehrer-Kollegium (anonym) im Arbeits-Bewertungs-Check testen lassen. Welche Typen sind vertreten, wo stehen wir? Interessant, finde ich. Wie bringe ich nur die Kollegen dazu, hier mitzumachen?