Meine 15 Tablet-PC für die Berufsschule #opco12

Ende Mai dürfen wir Lehrer in der Berufsschule Wunschzettel schreiben. Diese Wunschzettel enthalten Neuanschaffungen, die im nächsten Schuljahr (vielleicht, unter Umständen und eventuell, falls es das Budget zulässt und nicht andere dringende oder länger aufgeschobenene Anschaffungen notwendig werden) genehmigt werden könnten. Wer jetzt denkt, wir sind im Paradies, dem sei dasselbe wie den Kindern zu Weihnachten gesagt: „Nicht alles, was Du auf den Wunschzettel schreibst, das bekommst du.“ (Ich brauche im Jahr 2012 nicht zu erwähnen, dass unser Budget nicht gerade üppig ist, oder?)

Aber so als Idee, als einen Wunsch ans Christkind wünsche ich mir 15 Tablet-PCs für eine Gruppe, in einem schönen Koffer, fertig zum Austeilen im Englisch- bzw. Wirtschaftskunde-Unterricht oder auch in Politischer Bildung. Ipads übersteigen unser Budget. Deshalb habe ich beispielsweise mit dem Kindle-Fire kalkuliert. Das gibt es zwar bei uns (noch) nicht, wird aber hoffentlich mit einem ähnlichen Kampfpreis wie in den USA von ungefähr EUR 200,00 pro Stück verkauft werden. Diese Preisklasse ist am ehesten vorstellbar, billiger wird’s vermutlich demnächst nicht gehen.

Spontan würde ich mit den Tablets folgendes machen:

  1. Quizlet nutzen: Auf meiner To-do Liste für nächstes Jahr steht, zusammen mit den Textverarbeitungs-Lehrern die Standard-Vokabel aller Lehrgänge von den Schülern erfassen und von den Lehrerinnen und Lehrern reviewen zu lassen und dann in quizlet einzupflegen. Schülerinnen und Schüler könnten dann mit ihren Smartphones und eben den Tablets die Words lernen.
  2. Wörterbuch: Ich schlage so gut wie nie im Offline-Wörterbuch nach, weil sowohl Geschwindigkeit, Aktualität, Preis und auch der Komfort und Service von Online-Wörterbücher unschlagbar sind.
  3. Kindle-App: Wir haben zwar nur 40-Stunden Englisch im vollgestopften Lehrgangsunterricht, aber ein paar zu lesende Buchseiten könnten wir da und dort schon einbauen. Unter Nutzung der Kindle-App inklusive Wörterbuch inklusive Sprachausgabe lassen sich vielleicht einige Schüler dazu hinreißen, auch außerhalb der Berufsschule zu lesen.
  4. Wikipedia-Recherche: Mit der Wapeida-App könnten in Politischer Bildung und in Wirtschaftskunde akkurate Informationen erarbeitet werden.
  5. Zeitungs-Apps: Das Gleiche gilt für aktuelle Nachrichten.
  6. Umfrage-App: Abstimmungen, Fragen und Feedback von Schülerinnen und Schülern, beispielsweise wie mit ARSnova, hier in frawadis Blog-Beitrag beschrieben.
  7. Lernzielkontrollen-App: Kurze, knackige Stundenwiederholungen mit Hilfe der Tablets inklusive automatischer Punktevergabe, Aufzeichnung der Lernschwächen und Weitergabe dieser (individuellen) Lernschwächen an den Lehrer bzw. der Lehrerin. Eine App dazu ist mir nicht bekannt, vielleicht gibt’s (bald) irgendein mobile-Moodle-Plugin?

Wie gerufen kamen zu diesem Thema die letzten beiden OPCO12-Sessions „Mobile Apps“ und „Tablet Computing„. Danach sah die schöne, neue Tablet-Unterrichtswelt nicht mehr ganz so wundervoll aus. Näher durchdacht, ergeben sich bei der Nutzung von Tablets neben der prekären budgetären Situation auch einige andere „Details“.

  1. Tablets sind „personal devices“. Das heißt: Normalerweise sind sie für genau einen User eingerichter, der von dort seine Mails abholt, Facebook-Status-Updates macht und twittert. Kann sein, dass ich mich irre, aber ein User-Wechsel in Android geht über „Konto entfernen“ und wieder neu anmelden. Was mit Bezahlt-Apps dabei passiert, habe ich nicht ausprobiert. Ich frage mich, ob die danach noch verfügbar sind? Alternativ könnte für ein Tablet ein Standard-Google-Account eingerichtet werden, also Tablet01 bis Tablet15.
  2. Dazu hätten wir ein noch ein ganz anderes, triviales Problem: Wenn wir kostenpflichtige Apps benötigen würden, dann bräuchten wir eine Kreditkarte. Ich glaube nicht, dass die Verwendung eines so modernen Zahlungsverfahrens in der Schulorganisation ohne Hürden möglich wäre 😉
  3. Kommen wir zur Wartung der Tablets: 15 Stück würden ja noch machbar sein. Aber ich frage mich, welche Hard- und Software benötigt wird, wenn bei einigen hundert Tablets der Akku zu laden ist oder Apps zu installieren sind. Bei 15 Stück ist das ja noch einigermaßen überschaubar, aber trotzdem aufwändig. Wie verhält sich ein PC-Netzteil, wenn wir mittels einiger USB-Hubs alle anhängen? Mein ipad@home lädt ja nicht mal, wenn ich es am leistungsstarken Home-PC anschließe…
  4. WLAN: Wir haben in der Schule ganze zwei WLAN-Router. Einer für die Lehrer, der deckt das Konferenzzimmer und 3-4 Klassenzimmer ab und einen für unsere Notebook-Klasse. Riecken hat neulich beschrieben, dass ein ordentliches WLAN doch etwas aufwändiger aufzubauen ist und einiges an Anschaffungskosten verursacht. Die Tablets sollten ja in allen Klassen einsetzbar sein, ansonsten könnten wir ja gleich einen unserer 5 EDV-Räume (bei insgesamt 9 – 11 anwesenden Klassen) belegen, das wäre dann einfacher.

Was wir also für einen Tablet Einsatz in der Schule brauchen, ist folgendes: (Hinweise mit Link, dass es das alles schon gibt, nehme ich dankend entgegen und werden mit mindestens vier lobenden Erwähnungen geahndet)

  • Eine Netzwerk-App, mit der x-Tablets installiert, verwaltet, überwacht und gesperrt werden können. (Sowas wie Air-Dropper, nur eben für Geräte-Gruppen).
  • Eine Image-Installation, wenn ein Tablet mal absäuft.
  • Die Möglichkeit, Apps zu kaufen und auf eine Geräte-Gruppe zu verteilen. Bitte mit Mengen- und Bildungsinstitutionen-Rabatt.
  • Einen Auflade-Kasten, so ähnlich wie es den für Notebooks gibt: Tablets rein in den Kasten und die laden dann bis zum nächsten Einsatz auf. Aber bitte mit intelligenter Aufladefunktion.

Für uns als Schule wäre es daher einfacher, zu einer BYOD-Politik überzugehen. Keine Tablets kaufen, sich nicht um die Wartung kümmern. Ja, nicht einmal WLAN wäre notwendig, weil meist ausreichend Datenvolumen in den Mobile-Verträgen inkludiert ist. Meist…

Die Abwälzung der Kosten auf die Schülerin bzw. den Schüler wäre bequem. Aber auch dieses Vorgehensweise bringt einige Nachteile, die Charlie Osborn schön zusammengefasst hat.

Was tun? Gehen wir zum Ausgangspunkt zurück: Die ersten Ideen, die ich mit den Tablets realisieren wollte, aus der Sicht meiner analogen Kolleginnen:

  1. Quizlet nutzen: „Du sollst sowieso nicht Vokabeln lernen lassen. Verkaufsgespräche, Texte, Phrasen. Aber keine Vokabeln!“
  2. Wörterbuch: „Ich lasse sowieso keine Wörterbücher in meinem Unterricht verwenden. Die sollen mich fragen“ oder „Die Schüler sollen ruhig mal nachschlagen. Das ABC üben. Die können das nämlich nicht mehr.“
  3. Kindle-App: „Bücher lesen? Im Unterricht in der Berufsschule? Wir kommen ja so kaum mit dem Stoff durch! Spinnst Du? Und außerdem: Was ist Kindle?“
  4. Wikipedia-Recherche: „Wikipedia stimmt nicht. Da kann jeder alles reinschreiben. Und dann haben wir diese Wikipedia-Referate, wo die Schüler das, was sie sagen nicht mal selber verstehen.“
  5. Zeitungs-Apps: „Es gibt ZIS (Zeitung in der Schule). Die kannst Du bestellen. Da haben sie was in der Hand und können was ausschneiden und aufkleben. Das ist dann was für die haptischen Lerntypen.“
  6. Umfragen-App: „Du könntest die Schüler auch die Hände heben lassen. Oder fragen. Die sitzen ja direkt vor dir.“
  7. Lernzielkontrollen-App: „Die Schüler können sowieso nicht mehr schreiben, da sollen sie wenigstens bei der Lernzielkontrolle schreiben.“ oder „Ich möchte aber mündlich prüfen, weil ich will nachfragen.“

Ja. Hm. Was nun?

Vielleicht ein paar best-practices Beispiel sammeln, beispielse hier bei Andreas Hofer.

Hurra, was für ein schöner Fehler! – Episode 2

Drüben bei „Learning Waves“ beschreibt Prof. Dr. Andrea Back im Artikel „Hurra, was für ein schöner Fehler!“ eine Möglichkeit, wie mit Fehlern umgegangen werden könnte. Sie werden markiert, der Schönste bekommt einen Aufkleber oder eine ähnlich nette Markierung. Ziel sollte sein, Fehler nicht als was Schlimmes, Böses oder Furchtbares, sondern als Chance zur eigenen Weiterentwicklung zu sehen. Da macht Schule oft aber nicht – oder noch zu selten.

Eine weitere Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen, wäre die „Stolperstein-Mitbringsel-Lernkartei“. Die funktioniert so:

  1. Von (fast) jedem Ausflug (=Test, Klassenarbeit) nehmen wir einige Mitbringsel (=Fehler) mit, die in die Kartei eingetragen werden.
  2. Unterstrichen wird jener Teil, der fehlerhaft war – aber in der Kartei wird alles, wirklich alles, richtig geschrieben.
  3. Einmal pro Woche wird der Stolper-Parkour durchlaufen, das heißt: Mit der Kartei gearbeitet. Entweder wird sie diktiert oder mündlich abgefragt oder per quizlet durchgeklickt.
  4. Wenn der Stolperstein-Parkour ohne zu stolpern absolviert wurde, dann gibt’s auf einer gut sichtbar aufgehängten Liste (z. B. am Kühlschrank) einen Smiley. Oder einen Eintrag, wieviele Karten positiv erledigt wurden. Bitte nicht, wie viele Fehler gemacht wurden!! Und bitte kein Geld!

Zum Umgang mit Fehlern gibt es von Carol Dweck ein sehr zu empfehlendes Buch: „Selbstbild: Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt“ (Amazon). Sie teilt darin Menschen in zwei Gruppen ein. Diejenigen, die ein statisches Selbstbild von sich haben analysieren ihre Fehler kaum und fühlen sich auch nur intelligent, wenn sie keine Fehler machen. Sie erleben Fehler als ersten Schritt zur Strafe oder zum Urteil. Diejenigen mit dynamischen Selbstbild sind überzeugt davon, dass Fehler zu Vorschlägen und neuem Wissen führen. Darum sehen sie sich ihre Fehler so lange an, bis sie die Ursache des Irrtums verstanden haben. Sie sehen sich Arbeiten von anderen Menschen an, die besser als die eigenen sind. Wohingegen die mit statischem Selbstbild grundsätzlich Arbeiten ansehen, die schlechter als die eigenen benotet wurden. Das Konzept habe ich hier schon mal beschrieben.

Wenn Fehler nicht analysiert werden, dann krallt sich das statische Ego die nächste, logische Erklärung: Ich bin eben dumm. Der Lehrer ist eben dumm. Die Schule ist dumm. Dweck zitiert dazu den Basketballtrainer John Wooden: „Man ist erst dann ein Versager, wenn man nach Schuldigen sucht.“ Daher: ran an die Fehler. Denn nichts ist leichter, als aus Fehlern zu lernen. Das sollte den Lernstoff ganz gehörig eingrenzen, oder nicht?

Schulinternes Best-of-Methoden Seminar

Ich könnte vieles von meinen Kolleginnen und Kollegen lernen, wenn ich, statt zu unterrichten, ihren Unterricht besuchen würde. Leider ist das erstens an unserer Schule sehr unüblich, zweitens würde meine ohnehin (duch das „Nebenbei“-Studium in Hagen) knapp bemessene Freizeit noch weiter reduziert werden (jaja, lacht nur)  und drittens steckt in dieser Vorgehensweise doch eine gewisse Ineffizienz. Jeder, der schon Unterrichtsbesuche gemacht hat weiß, wie öde das sein kann, wenn die Schülerinnen und Schüler angestrengt und intensiv arbeiten und man selbst beobachtenderweise nichts zu tun hat und auf das Ergebnis wartet.

Also wurde eine andere Variante kreiert, um voneinander zu lernen: Das schulinterne „Best-of-Methoden Seminar“. Und das habe ich mir so vorgestellt:

Das Ziel dieses kooperativen, fächerübergreifenden SCHILF-Seminars ist, bewährte Unterrichtsmethoden aus einem beliebigen Fach den Teilnehmern vorzustellen. Dabei schlüpfen die Lehrerinnen und Lehrer in die Schülerrolle und probieren die Methode unter Anleitung selbst aus. Erwünscht sind alle Methoden, die Schülerinnen und Schüler das Lernen erleichtern. Im optimalsten Fall kann die Methode auch für andere Fächer (in adaptierter Form) verwendet werden. Eine kurze Reflexions- bzw. Feedbackphase über mögliche Veränderungen der Methode im eigenen Unterricht beendet die jeweilige Methodenvorstellung. Der Zeitrahmen pro Methodenvorstellung sollte 15 Minuten nicht überschreiten – im realen Unterricht kann die jeweilige Methode länger dauern. Wünschenswert wäre, dass jede Teilnehmerin bzw. jeder Teilnehmer eine Methode vorstellt – dies ist allerdings kein Muss, Zuhörer sind auch willkommen.

Wichtig ist, dass die jeweilige Methode nicht nur beschrieben, sondern auch live ausprobiert wird. Das hat folgende Gründe:

  1. Die tatsächliche Durchführung steigert den Lerneffekt und die Methode kann später vielleicht auch ohne jeweilige (schriftliche) Methodenbeschreibung „spontan“ im Unterricht eingesetzt werden.
  2. Erst bei konkreter Durchführung der Methode bekommt der Teilnehmer ein „Bauchgefühl“, ob diese für ihn selbst geeignet ist.
  3. Die Reflektion und Adaption für das eigene Fach nimmt weniger abstrakte Formen an.
  4. Es sollte ein vertrauensvolles Klima von gegenseitigem Geben und Nehmen entstehen und
  5. es ist lustiger als die Methode nur vorzulesen.
In der Vorbereitungsphase wird nach Anmeldung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam eine Liste mit möglichen Methoden erstellt. Dies erfolgt in einem ietherpad. Eventuell erfolgt eine Abstimmung bzw. Koordination, welche Methoden vorgestellt werden sollten (via Google-Text und Tabellen Formular), dies ist aber nur notwendig, wenn sehr viele Teilnehmer sehr kreativ sind.

Die jeweiligen „Methoden-Inhaber“ bereiten vor dem Seminar gemäß eines Templates eine A4-Kurzbeschreibung der Methode vor (Name, Ablauf, Dauer, mögliche Teilnehmeranzahl). Diese Kurzbeschreibung sollte so ausführlich sein, dass sie als Anleitung zur Vorbereitung und Durchführung des Unterrichts dienen kann. Die einzelnen Kurzbeschreibungen werden zu einem Skript sowohl in Papierform als auch online (unter einer Common-Creative-License – frei kopierbar unter Namensnennung) als Produkt unserer Schule zur Verfügung gestellt.

Den Methoden-Super-Guru, den sparen wir uns. Ebenso Reisekosten, Vorbereitung für Vertretungsstunden, Vertretungsstunden, Nachbereitung für Vertretungsstunden und gut gemeinte 5minütige Zusammenfassungen von 6stündigen Seminaren auch. Aber wenn wir am Ende unserer Methodenweisheit sind, ja dann wird einer von uns ein Methodenseminar außerhalb der Schule besuchen. Aber ich vermute, dass wir noch lange nicht am Ende sind.

Dieses SCHILF-Seminar ist ein erster Schritt. Der Pädagogischen Hochschule habe ich vorgeschlagen, die Grundidee dieses Seminar (in einer angepassten Variante) schulübergreifend zu initiieren. Ich bin gespannt, was aus dem Vorschlag wird.

Harry Potter und die Luftkammer des Schreckens

2. Klasse Volksschule  – Sachunterricht – Das Ei.

Meine Tochter hat  nächste Woche darüber einen Test. Wie lernt man das „Ei“? 10x durchlesen und dann auswendig können? Das machen viele – bis zur Uni. Aber es ginge auch anders:

1) Zuerst zeichnet sie das Ei neu. Mit verschiedenen Farben. Von innen nach außen.

2) Dann zählt sie die Begriffe. 8 Begriffe sind zu lernen.

3) Sie schreibt (mit denselben Farben) die Begriffe zur Zeichnung dazu. In der Reihenfolge von außen nach innen. Wir sprechen über die Begriffe: Was ist Kalk? Hart oder weich? Ist Eiweiß weiß? Wieviele Häute hat das Ei (Dotterhaut und Schalenhaut). Es gibt die KalkSCHALE und die  SCHALENhaut. Was heißt keimen? Pflanzen können keimen, Keime in Wunden sind zu vermeiden usw. Aus der Keimscheibe wächst ein Küken. Wir suchen Merkwürdigkeiten, Gemeinsamkeiten, Erfahrungen zu den einzelnen Begriffen.

4) Dann nummerieren wir die Begriffe von außen nach innen, von 1 bis 8.

(1) Kalkschale
(2) Lufkammer
(3) Schalenhaut
(4) Hagelschnur
(5)Eiweiß
(6) Dotterhaut
(7) Dotter
(8) Keimscheibe

5) Zuletzt erfinden wir eine Geschichte:

Wir reisen mit einem Raumschiff durch das All. Wir sind auf der Suche nach dem Geheimnis des Lebens. Plötzlich empfangen wir ein Funksignal. „SOS“ – save our souls – rette unser Seelen. Wir rasen darauf zu und prallen plötzlich von einer riesigen (1) Kalkschale ab. Beim zweiten Versuch setzen wir unseren Raumschiff-Bohrer ein und bohren uns durch die Kalkschale durch und kommen in die (2) Luftkammer. Dort sitzt ein Junge. „Who are you – wer bist Du“ fragen wir. „I’m Harry Potter – Ich bin Harry Potter“ sagt der. Voldemort hat ihn in der Luftkammer des Schreckens eingesperrt und er sendete das SOS. „Please rescue me – bitte rettet mich“ sagt Harry  Potter. Aber zuvor müsst ihr noch das Geheimnis des Lebens in diesem Ei entdecken. Ihr lässt Harry Potter einsteigen und ihr bohrt euch mit dem Raumschiff durch die (3) Schalenhaut und kommt in einen langen Tunnel, die (4) Hagelschnur. Wenn ihr links und rechts aus dem Fenster guckt, sehr ihr nur milchiges (5) Eiweiß. Am Ende des Tunnels schießt ihr durch die (6) Dotterhaut und landet im (7) Dotter. Alles gelb, nichts zu sehen. Aber nach einigen Minuten könnt ihr mit Hilfe von Harry Potter das Geheimnis des Lebens finden: Die (8) Keimscheibe, aus der später neues Leben entsteht. Ihr verladet sie ins Raumschiff und reist zurück: Durch den (7) Dotter, die (6) Dotterhaut, das (5) Eiweiß, das ihr durch die (4) Hagelschnur bereist. Ihr durchbohrt abermals die (3) Schalenhaut, kommt durch die (2) Luftkammer des Schreckens, wo ihr Harry Potter gerettet habt und durch das Loch in der (1) Kalkschale zurück ins All, wo ihr auf eurem Heimatplaneten als Helden empfangen werdet.

6) Die Geschichte immer wieder erzählen. Allerdings geschieht das dann in Kurzform: Raumschiff durchbohrt Kalkschale, kommt in Luftkammer, durchbohrt Schalenhaut, Hagelschnur – Blick nach draußen: nur Eiweiß usw. Besonders effektiv: Vor dem Einschlafen wiederholen. Am besten: davon träumen.

Häufigstes Gegenargument dieser Technik (bei meinen Berufsschülern): „Da brauche ich ja viel länger zum Lernen, weil ich ja eine Geschichte erfinden und zeichnen muss.“ Das kann sein, allerdings bringt diese Technik auch einigeVorteile:

  • Durch den strukturierten Aufbau wird kaum ein Element vergessen.
  • Das Erfinden einer eigenen Geschichte ist ein Erfolgserlebnis und weckt positive Emotionen.
  • Diese Emotionen (Dopamin) verstärken den Lerneffekt.
  • Das Erzählen der Geschichte einer anderen Person verstärkt den Lerneffekt nochmal.
  • Geschichtenerfinden übt die kreative Problemelösung.  („Was mache ich nun, wie geht’s weiter“)

Letztendlich ist diese Variante die menschlichere Art, etwas zu lernen. 10x, 20x durchlesen ist pauken, roboterhaftes, stupides Wiederholen. Das können Haustiere auch. Unsere Kinder brauchen nur den Mut, sich menschlichere Lernformen anzueignen. Die TAZ zitiert drei finnische Lehrerinnen: „Gutes Lernen ist wie Sex. Entweder leidenschaftlich – oder mechanisch und ohne Gefühl.“ Dem ist nichts hinzuzufügen 😉

(Dieser Beitrag ist Vera F. Birkenbihl gewidmet, die derzeit im Krankenhaus liegt. Gute Genesung! Die Lernenden brauchen Sie, Fr. Birkenbihl.)

Neues Podcast-Projekt gestartet: Österreichisch für Englischsprachige

Im Englisch-Unterricht startete ich mit drei Klassen gegen Ende des vorigen 10-Wochen-Lehrgang eine neue Podcast-Serie, in der einige oberösterreichische Dialektwörter auf Englisch erklärt und geübt werden. Die Serie nennt sich „Austrian-German as a second language podcast“, kurz AGSL, und ist auf agsl.posterous.com und bald im itunes-Store abonnierbar.

Warum dieses Thema?

  1. Als Tourist liebe ich es, einige Brocken der örtlichen Landessprache zu beherrschen. Der AGSL-Podcast ist gut dazu geeignet, einige sehr, sehr typische Wörter aus Oberösterreich zu lernen. Das möglicherweise meist verwendete Wort für diesen Zweck in Oberösterreich könnte „Oachkatzlschwoaf“ (=Eichhörnchenschweif) sein. Kaum ein hochdeutsch- oder andersprachiger Tourist, der beim Kontakt mit Einheimischen nicht irgendwann gezwungen wird, dieses Wort auszusprechen.
  2. Im Unterricht wird bei dieser Übung die Kreativität, Schreib-, Lese- und Sprachkompetenz in Zweier-Gruppen trainiert. Und natürlich: Der Fun-Faktor ist in diesem Fall nicht vernachlässigbar!
  3. Nachem der Wirtschaftskunde-Podcast ganz gut lief, wollte ich eine etwas internationalere Serie starten, um auszuprobieren, wie viele Zugriffe diese im Vergleich zu einem rein deutschsprachigen Angebot hat. Für die beteiligten Schülerinnen und Schüler und für mich wird es interessant werden, in welchen Ländern die Podcasts gehört werden. Auf posterous wird dies mittels Google-Analytics und Feedburner auf einfachste Weise möglich gemacht.

Die Idee, einen englischsprachigen Podcast zu erstellen hatte ich schon länger. Was fehlte, war ein knackiges Thema. Es sollte ein Thema sein, dass

  1. kurze Podcasts von maximal 1 – 2 Minuten Dauer,
  2. eine einfache Sprache erlaubt, was sowohl Satzbau als auch Aussprache betrifft,
  3. den Schülern größtmögliche Gestaltungsfreiheit lässt und
  4. trotz alledem dem Zuhörer einen gewissen Unterhaltungswert oder sogar Nutzen bringt.

Die größten Bedenken hatte ich bezüglich Aussprache und Grammatik, weil meine Schülerinnen und Schüler sehr unterschiedliche Sprachniveaus aufweisen. Letztendlich habe ich aber dann beschlossen, das alles nicht so eng zu sehen, Fehler zuzulassen und den Focus auf eine rasche und einfache Produktionsweise (quick & dirty) zu legen.

Ein Mindestmaß an Qualitätssicherung halten wir allerdings trotzdem bei der Vorgehensweise ein:

a) Schülerinnen und Schüler überlegen sich ein Dialektwort (möglichst aus ihrem Heimatort) und klären das mit mir ab. Ich habe eine Liste mit den bisher verwendeten Worten bzw. bremse ein, wenn das Wort zu wüst gewählt ist.

b) In Zweier- bzw. maximal Dreiergruppen erstellen Schülerinnen und Schüler einen Text und tippen diesen in ein neu angelegtes Titanpad (www.titanpad.com). Als Syntax hat sich http://www.titanpad.com/Klassenname + Katalognummer bewährt. Die Schülerinnen und Schüler sollten Online-Wörterbücher wie www.dict.cc und www.linguee.de verenden. Zusätzlich erhalten sie einen ausgedruckten Muster-Podcast, in dem die zu verwendenden Intro-Sätze enthalten sind und der eine gewisse Leitlinie ist, was den Aufbau des Podcasts betrifft.

Die Regeln für die Erstellung sind ganz einfach:

  • einer/eine pro Gruppe tippt
  • Dialektwort bzw. Dialektsatz tippen
  • Introtext einfügen (lt. Muster-Podcast)
  • hauptsächlich Present tense verwenden
  • Teil einbauen, wo der Hörer das Vorgesprochene nachsprechen muss (“Repeat after me”)
  • E-Mail + Klasse ins titanpad reintippen
  • Vermerk, ob der Podcast anonym, mit Namen oder mit Nickname erscheinen soll

c) Danach wird der Podcast einer anderen Gruppe vorgesprochen. Feedback bzw. Verbesserungsvorschlägen fallen hier meist ziemlich dürftig aus.

d) Mittels Etherpad überprüfe ich bis zur nächsten Woche den Text und bessere ggf. das Gröbste aus, lasse aber (und das ist wichtig!!) ansonsten den Text unverändert. Schließlich sollte das Ganze ein Werk der Schülerinnen und Schüler bleiben!!

e) Eine Woche später wird der Podcast aufgenommen. Für jeden Sprecher und für mich habe ich einen Ausdruck vorbereitet. Während des Aufsprechens markiere ich mit Leuchtstift eventuelle Aussprachefehler oder Unsicherheiten und lasse diese im Anschluss gleich nochmal verbessert sprechen. Diese Leuchtstift-Unterlage hilft später beim Schneiden, da ersichtlich ist, welche Passagen öfter verbessert gesprochen wurden.

Die produzierten Podcasts werden aus organisatorischen Gründen von mir geschnitten. Das liegt einerseits daran, dass Audio-Bearbeitung in unserer Berufsschule in kein Unterrichtsfach passt und es so gut wie nicht vorkommt, dass sich ein Schüler bereit erklärt, die Podcasts in seiner Freizeit zu schneiden. Mittlerweile finde ich mich damit ab und benötige für einen Podcast-Schnitt (wenn Intro und Drumherum festgelegt sind) knappe fünf bis zehn Minuten. Das macht dann insgesamt einen Zeitaufwand von zwei Unterrichtseinheiten plus die benötigte Zeit für’s Schneiden. Mehr ist auch oft nicht drinnen in unserem strikten Lehrplan, wo das Stoffgebiet für jede einzelne der 40 Unterrichtseinheiten (abzüglich 10 % möglicher Entfall) festgegelegt ist.

Die Serie wird ab sofort, sofern keine wichtigen dienstlichen Gründe („Das kannst Du im Englisch-Unterricht nicht machen!!“) im wöchentlichen Abstand erscheinen. Material ist genug vorhanden, das reicht locker bis Mitte September und die Dialektworte … die gehen uns auch nicht aus.

Englisch-Unterricht: How do you feel today?

Im Englisch Unterricht war letzte Woche die Einheit „How do you feel today?“ an der Reihe. Dazu gäbe es jede Menge Wörter, Vokabellisten usw. Mit meiner Gruppe von 13 Schülerinnen und einem Schüler haben wir ein kurzes Video produziert. So sind wir vorgegangen:

  1. Ich zeigte das Video 40 expressions her.
  2. Danach fragte ich, ob die Schüler Lust hätten, auch so was zu produzieren. Das Ziel war allen bekannt: Das Video sollte auf youtube stehen und somit auch über Facebook etc verbreitet werden. Ich betonte ganz klar, dass ich niemand zwinge, da mitzumachen. Alle waren einverstanden, beim Dreh stellte sich dann heraus, dass Einzelne doch nicht gefilmt werden wollten, was natürlich okay war.
  3. Die Schüler teilten sich in Dreier-Gruppen auf und erhielten dieses Arbeitsblatt.How do you feel today. Jeder Gruppe wurden zwei Zeilen zugewiesen, von denen sie sich jeder drei Gemütszustände aussuchen konnte.
  4. A4-Blätter mit den ausgesuchten Wörtern wurden vorbereitet. Es empfiehlt sich, die Blätter auf evt. Schreibfehler zu untersuchen. Blätter aufheben, die können später zur Wiederholung verwendet werden.
  5. Eine Woche später filmten wir in knapp 35 Minuten die Sequenzen.
  6. Zuhause schnitt ich das Video, die Hintergrundmusik holten wir von www.jamendo.com. Nachdem ich einige Szenen rausgeschnitten habe, sind es nicht ganz „40 expressions“ geworden, sondern nur „almost 40 expressions“.

Das Video kann für andere (künftige) Schüler wie folgt verwendet werden:

  1. Video ansehen oder
  2. Sammeln von Wörtern, die gemerkt wurden oder
  3. Anstreichen für Wörtern auf dem Arbeitsblatt, die gesehen wurden oder
  4. Wörter im Wörterbuch nachschlagen oder
  5. einen Satz bzw. eine Situation mit diesem Wort bilden (vorlesen oder vorführen) oder
  6. eine kurze Geschichte mit x Wörtern schreiben oder
  7. ein Schüler sitzt mit dem Rücken zur Leinwand, ein anderer liest das Vokabel vor, Wort wird übersetzt oder
  8. eigenes Video drehen

Hier das Ergebnis:

(So ähnlich bin ich auch voriges Jahr bei den „40 expressions“ vorgegangen).

Antiatom-Schulwettbewerb: Unser Beitrag

Der „Don’t vote“-Clip zur Präsidentenwahl 2008 habe ich neulich in Politischer Bildung (4 Wochenstunden, 10 Wochen Lehrgang) zum Thema „Wahlrecht“ verwendet. Der Clip ist so aufgebaut, dass berühmte Schauspieler gemäß Drehbuch den Zusehern sagen sollen, dass es keinen Sinn hat, wählen zu gehen. Obwohl der Regisseur ihnen erklärt, dass diese Aussage sarkastisch gemeint ist, weigern sie sich, dieses Statement abzugeben. Im Mittelteil lässt der Regisseur den Schauspielern das sagen, was sie wirklich glauben und daraufhin hagelt es Argumente, warum die Zuseher wählen gehen sollen.

Diese Story haben wir für einen Beitrag zum Anti-Atom Schulwettbewerb von antiatomszene.info zum Vorbild genommen. Die SuS wurden vor Weihnachten zwei Unterrichtseinheiten lang mit einem ARTE-Film über Atommüll, ergänzt mit einigen Zeitungsartikeln, vorbereitet. Jede Woche erwähnte ich im Unterricht den Wettbewerb, um die Schüler auf das Thema neugierig zu machen, ohne aber die Idee zu verraten. Augen und Ohren sollten automatisch groß werden, wenn sie irgendwo das Thema aufschnappten.

Einige Wochen später führte ich im Unterricht beim Thema „Wahlrecht“ den „Geh nicht wählen„-Clip vor. Kurz vor dem Pausenklingeln bat ich die Schüler, darüber nachzudenken, ob sie sich vorstellen könnten, diesen Clip auf das Thema „Atommüll“ umlegen zu können. Nach weiteren zwei Wochen „Sicker-Phase“ starteten wir los:

  1. Jeder Schüler bekam drei Streifen Papier: Am ersten Streifen sollte ein Argument für Atomkraft, am zweiten eine Idee für ein besonderes Element im Clip und am dritten Streifen zwei Argumente gegen Atommüll gesammelt werden. Nachdem kaum wer auf Kommando kreativ sein kann, war die Idee, die Streifen immer bei sich zu haben und Einfälle zu notieren. Geklappt hat dies nicht so richtig.
  2. Die Schüler hatten in dieser Unterrichtseinheit noch 25 Minuten Zeit, sich selbst zu organisieren: Vorgehensweise, Rollen, Kamera, Drehort, usw.
  3. Die Folgewoche war vollgestopft mit zwei externen Vortragenden und einer Leistungskontrolle. Ich vertraute darauf, dass einige engagierte Schülerinnen und Schüler sich Gedanken über das Vorhaben machten. Das wiederum hat gut geklappt.
  4. In der letzten Lehrgangswochen nahmen wir uns dann drei Unterrichtseinheiten für das Drehen des Clips Zeit. Drei bis vier besonders engagierte SuS übernahmen Kamera, Regie und Assistenz und manchmal habe ich selbst das Geschehen leicht in die eine oder andere Richtung gelenkt. Die SuS wussten, dass das Video auf Youtube erscheinen wird. Niemand wurde gezwungen, vor die Kamera zu treten. Wer nicht wollte, kam in die Gruppe, die Slogans für die Schauspieler kreierte.
  5. Mangels Schnittprogramm in der Schule habe ich das Video an einem stürmischen Winterabend von 20 Minuten Rohmaterial auf knapp 4 Minuten zusammengeschnitten. Quick and dirty. Vielleicht hat einer der SuS bis zum Einsendetermin im April Lust, das Video noch selbst neu zu schneiden.

Und hier ist das Ergebnis:

Ach ja: Danke an die Schülerinnen und Schüler für die tolle Arbeit!