Ein Lernfest mit 100.000 Besuchern

Vor knapp 3 Jahren, im Jänner 2007, wurde dieser Blog mit dem Beitrag „Standard-Tests an österreichischen Schulen?“ gestartet. Mittlerweile gibt es die Zentralmatura, 205 Blog-Postings und 473 Kommentare mehr. Vorgestern Nacht hat der 100.000 Besucher diesen Blog gefunden. Jetzt ist es einmal Zeit dafür

zu sagen: Die freundlichen Kommentare, die stets wachsenden Zugriffszahlen und die vielen Kontakte, die ich mit diesem Blog knüpfen konnte, motivieren mich  regelmäßig für meinen Job als Lehrer und natürlich dann und wann hier zu posten. Dies gehört gehörig gefeiert und dank Youtube-Live gibt’s auch die passende Band samt Song dazu:

Die meistgelesenen Beiträge aus den letzten 3 Jahren sind folgende:

Was ist ein Streber? 4.274
Wenn gute Vorschläge von Affen einfach n 3.493
Über mich / About 3.154
Der kleine Ätt, das Kennenlernspiel zu S 3.112
ABC-Listen zur Wiederholung im Unterrich 2.937
Zeitaufwand für Ausbildung zum Berufssch 2.417
Lernmotivation: Berufsschüler motivieren 1.908
Ernährung und Lernen – Brainfood 1.869
Unterrichtsmethoden 1.738
Der, der alles weiß 1.657
Der ultimative Lerntypentest 1.627
Urbane Trance oder „Warum funktioniert d 1.484
Klippert sagt: „Hyperaktive Lehrer … 1.437
Schulgezeter: Das kleine Schul-Schimpfwo 1.247
Das Periodensystem – diesmal spannend 1.182
Ein neues Lernparadigma: Der Konnektivis 1.162
Neues von der Lernfront – Vera F. Birken 1.134
Der Unsinn mit den Noten in der Schule 1.069
Kreative Flipchartgestaltung 1.036
Das Wesentliche einer Unterrichtsstunde, 1.029

Einige Zeit habe ich mich gewundert, warum „Was ist ein Streber“ das All-Time-High erreichte. Als ich das Wort in Goolge eingeben habe, war es klar: der Blog-Beitrag war Platz 1 in Google beim Suchwort Streber. Mittlerweile hat Google diesen Fehler korrigiert 😉

Der 14 .September 2009 war mit dem Beitrag „Der kleine Ätt, das Kennenlernspiel zu Schulbeginn“ der Tag mit den häufigsten Zugriffen, diese beiden Suchbegriffe „Kennenlernspiel“ und „Schulbeginn“ dürften dafür ausschlaggebend sein.

Im Jänner 2007 zeigt der Statistik-Zähler 166 Visits, im Jänner 2008 waren es bereits 2994 Visits, Jänner 2009 – 3773 Visits und im Oktober 2009 5355 Visits, das beste Monat bisher. 9051 Spam-Kommentare wurden vom WordPress-Akismet abgefangen (thx!!).

Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass die Visits irgendwann zurückgehen würden, da ja mittlerweile unzählige qualitativ sehr gute Lehrer-Blogs wöchentlich starten. Aber offensichtlich werden auch die Blog-Leser immer mehr.

Nun denn: Ich freue mich auf die nächsten drei Jahre mit euch!

eLSA-Innovationscamp: Die Schule ist ein seltsamer Ort

eLSA heißt e-Learning im Schul-Alltag und ist ein Projekt des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst, das erprobt, wie e-Learning in der Schule eingesetzt werden kann. Am eLSA-Projekt, das aus vielen kleineren und größeren Projekten besteht, sind laut Homepage 85 Schulen beteiligt.

Stift St. Georgen am Längsee

Einmal im Jahr trifft sich das eLSA-Kernteam zu einem Innovationscamp um Strategien für Zukunft zu entwickeln. Es freute mich riesig, als mich das eLSA-Team nach St. Georgen am Längsee / Kärnten einlud, um dort (als Außenstehender) ein Impulsreferat zum Thema „Auflösung von Grenzen durch das Internet“ zu halten und zwei Tage lang an den kreativen Ideen mitzuarbeiten.

Als externer Ideenbringer war auch Andy Schär von der FH Nordwestschweiz bzw. PH Aargau eingeladen, der von tollen Projekten an den Schweizer Schulen berichtete. Beispielsweise www.mymoment.ch, bei denen Kinder Geschichten schreiben, die andere lesen, weiterschreiben oder bewerten können. In nächster Zeit werden die Geschichten auch von der deutschen GPS-Stimme computergeneriert vorgelesen. Mehr über die Arbeit von Andy Schär gibt es bei „Bildung Schweiz„. Weitere Projekte sind iconomix.ch oder das Youtube für Schüler minipodium.ch.

Einige Gedanken, im Zeitraffer:

  • Schule ist ein seltsamer Ort. Überall haben sich durch die Neuen Medien Grenzen aufgelöst, nur die Schule bleibt (fast) immer dieselbe. Seltsam.
  • Die Schere zwischen den IT-Technik-Intensiv-Nutzern unter den Lehrern und den anderen Lehrern wächst.
  • EDV-Kustos will kaum jemand in der Schule werden. Warum? Undankbarer Job, in der Privatwirtschaft viel besser bezahlt, ständig am Feuerlöschen, immer schuld.
  • „Mit welchem Tier lässt sich ein e-Learning-Lehrer vergleichen?“ fragte Anton Knierzinger vom education Highway und führte in seinem Vortrag auf humorvolle und treffende Weise aus: e-Learning Lehrer müssen wie Kamele sein. Denn sie müssen
    – zwei Höcker haben, nämlich die Kompetenzen(Technik und Pädagogik
    – genügsam sein, wenig Zeit und Geld
    – störrisch sein, was Eigeninitiative, Veränderungswilligkeit und Engagement betrifft
    – belastbar sein.
    Und eins noch: Mit einem guten Kamel kann man neue Horizonte erschließen.
  • „Weniger Aufwand als ein unvorbereiteter Frontalunterricht geht nicht.“ Könnte ein Grund sein, e-Learning nicht einzusetzen.
  • Die MUSTS für eine e-Learning freundliche Schule sind: Zeit und Motivation, Support und Training, Dokumentation und Reflexion, der Abbau von Grenzen.
  • Das Wichtigste für die heutige Schule ist: Gemeinsam zu lernen und neue Herausforderungen zu meistern. (Dazu fällt mir das wunderbare Gedicht bei Drape’s Takes ein: The Time Will Be Now)
  • Es haben sich drei Stufen bei der Einführung von IKT bei Lehrern bewährt:
    1) dasselbe wie bisher machen, nur eben mit dem PC
    2) dasselbe wie bisher machen, nur eben etwas schneller und besser
    3) dann erst etwas gänzlich Neues anfangen (wie z. B. Wikis, Weblogs oder Podcasts)
  • Die Schulentwicklung kann gewaltig verbessert werden: Schulintern ist Teamentwicklung enorm wichtig, schulextern ist eine Vernetzung der begeisterten Lehrer genauso wichtig.
  • In der Schweiz besteht ein Teil der Schulaufsicht aus Leuten aus der Wirtschaft (!!)
  • „Die Kinder produzieren Medien, und dann stuft man das als nicht-jugendfrei ein?“ Bei der Diskussion über Jugendliche und Medien-Plattformen fiel von Sigrid Jones (Institut für Medienpädagogik der Uni Wien, Blog medienabc.wordpress.com bzw. medienabc.at) dieser bemerkenswerte Satz. Das gab mir zu denken. Im Englisch-Unterricht habe ich auch schon so manchen von Schülern erstellten Podcast als „nicht-jugendfrei“ tituliert (und zensiert).
  • Das wunderbare Wort „Medieninkompetenzkompensationskompetenz“ beschreibt die Fähigkeit, … naja, was soll ich schon schreiben. Das Wort sagt doch alles.
  • Thomas Schranz (hier im Interview) meinte in seinem Vortrag über e-identity und deren Gefahren: „Kinder müssen derzeit auf eigene Faust herausfinden, was im Internet möglich ist. Wer klärt sie auf? Die Eltern, der Lehrer, sie sich selbst? Wer ist dafür verantwortlich?“ Dazu auch der Blog Beitrag von neulich: „Ist das Web für zukünftige Friseurinnen relevant?“ bzw. der Vortrag von Dick Hardt bei youtube.

Während der gesamten gesamten Diskussion war man sich einig, dass die didaktischen und pädagogischen Konzepte sich der Technik unterordnen müssen. Schule muss Wissen vermitteln. Es geht nicht darum, neue Technologien einzusetzen, nur weil es diese Technologien gibt. Lehrer, die Angst davor haben, müssen durch vertrauensbildende und sinnstiftende Maßnahmen auf ihrem jeweiligen IT-Level abgeholt werden. e-Learning bringt keine Erleichterung oder Reduzierung der Unterrichtsarbeit. e-Learning ist aber notwendig, um Kompetenzen zu vermitteln, mit der restlichen Welt gleichauf zu bleiben.