Was brauchen wir für eine Bildung im 21. Jahrhundert?

Gestern im Club2 (ORF). Ein Satz von Marlies Krainz-Dürr, Rektorin der Pädagogische Hochschule Kärnten:

Was brauchen wir für eine Bildung für das 21. Jahrhundert, für eine multikulturelle Gesellschaft? Was heißt denn überhaupt „Bildung für Europa“?

Es ist wichtig, dass wir heute Menschen – und zwar alle Menschen – befähigen, nicht damit sie im Arbeitsprozess gut funktionieren, sondern dass sie ein gutes und sinnerfülltes Leben führen können, dass sie weltoffen sind und dass sie mit Unterschieden, mit Differenzen und mit Widersprüchen gut umgehen können  in einer friedlichen Weise. Dann können sagen, das lernt man ganz sicher nicht in einem System, das sehr früh abgrenzt, das auf Homogenität setzt und auf Selektion. Sondern das lernt man dann, indem man miteinander lebt und die Vielfalt lebt und und gemeinsam lernt. Die Schule ist dafür ein idealer Ort das zu lernen. Da brauch ich’s nicht vermitteln, dann ist das kein Unterrichtsgegenstand, sondern das ist die Form, die das Lernen in der Vielfalt, mit den Differenzen, […] mit dem Respekt vor dem Anderen, mit [..] Neugier und mit […] Offenheit ermöglicht.

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Schygulla – Filmprojekt einer Hauptschule

Frau_He hat den Beitrag „Hautpschüler als Schauspieler“ zwar schon im Juli gepostet, ich bin aber (trotzdem) erst jetzt darauf gestoßen. Ein sensationelles Filmprojekt mit Schülern der Schule am Botanischen Garten, Hann Münden. Insbesondere die Szene mit dem Bewerbungsgespräch lässt sich prima für Unterrichtszwecke einsetzen, ebenso ist das Film ein tolles Beispiel zum Thema „Arbeiten im Team“.

Viel Vergnügen!

Tipp für gemütliche Winterabende: Bildungsvideos

In den letzen zwei Jahren ist meine youtube Playlist für Bildungs-Videos auf über 50 Einträge gewachsen und stellt mittlerweile ein abenfüllendes, inspirierendes und unterhaltsames Abendprogramm dar.

Wer es kürzer haben möchte, der schaut bei der  „Siemens Selbstlerner Community“ vorbei: Hier wird das Bildungsvideo des Tages gepostet.

Die Stars der deutschen Bloggerszene haben ebenfalls ein amitioniertes Projekt gestartet: Die Bildungsreporter mit dem gelungenen Auftakt „Ist der Bildungszug schon abgefahren?“

Unterrichtsmaterialien für finanzielle Allgemeinbildung

Die EAEA (European Association for Education of Adults, http://www.eaea.org) entwickelt seit einiger Zeit für alle EU-Länder Unterrichtsmaterialien für die „finanzielle Allgemeinbildung“. Das Projekt heißt DOLCETA (www.dolceta.eu) und bietet Lernmodule für VerbraucherInnenbildung in den Altersgruppen Volksschule, Hauptschule und Oberstufe an.dolceta

Neben Online-Informationen, ausdruckbaren Merkblättern und Online-Quizzes werden auch sehr konkrete Unterrichtsskizzen mit abwechslungsreichen, innovativen Methoden zur Verfügung gestellt. Derzeit sind die vier Module „Verbraucherrechte“, „Finanzdienstleistungen“, „Produktsicherheit“ und „Impulse zur Verbraucherbildung“ freigeschaltet. Wir durften das Modul 7 über „Sparen“ testen, das im Frühjahr nächsten Jahres kommen wird.

Mich nervt schon seit einigen Jahren, dass in jedem Land, in jeder Schule jeder Lehrer seine Unterrichtsstunde z. B. über „Sparen“ oder „Kredite“ vorbereitet. Wie „man“ hört, findet an manchen Schulen nicht einmal ein Austausch der erstellten Materialien statt – ein volkswirtschaftlicher Unsinn. Per Mausklick auf vorgefertigte, juristisch geprüfte, abwechslungsreiche und aktuelle Materialien für den Unterricht zugreifen zu können ist leider noch immer eine Seltenheit. DOLCETA ist ein Weg in die richtige Richtung.

Selbstverständlich sollte jedem Lehrer offen bleiben können, wie er seine Stunde über „Sparen“ oder „Kredit“ gestaltet und welche Infos er vermitteln möchte. Das ist das Schöne an dem Job: Jeder kann, wenn er will, seine Kreativität voll ausleben. Es schadet aber überhaupt nicht, sich mal anzusehen, wie andere diese Stunde planen würden und sich daraus Anregungen zu holen – auch für andere Unterrichtseinheiten.

Fundstück für das Deutschstunde

Dr. Dieter Böhm von twinevents.de hat mich gestern auf diesen Song aufmerksam gemacht:

Die gesamte CD „Frei“ von den Wise Guys gibt es zB bei Amazon zu kaufen.

Wozu Schule?

seth-godin1

fragt Seth Godin in einem Blog-Beitrag und gibt gleich 27 Antworten:

  1. Become an informed citizen
  2. Be able to read for pleasure
  3. Be trained in the rudimentary skills necessary for employment
  4. Do well on standardized tests
  5. Homogenize society, at least a bit
  6. Pasteurize out the dangerous ideas
  7. Give kids something to do while parents work
  8. Teach future citizens how to conform
  9. Teach future consumers how to desire
  10. Build a social fabric
  11. Create leaders who help us compete on a world stage
  12. Generate future scientists who will advance medicine and technology
  13. Learn for the sake of learning
  14. Help people become interesting and productive
  15. Defang the proletariat
  16. Establish a floor below which a typical person is unlikely to fall
  17. Find and celebrate prodigies, geniuses and the gifted
  18. Make sure kids learn to exercise, eat right and avoid common health problems
  19. Teach future citizens to obey authority
  20. Teach future employees to do the same
  21. Increase appreciation for art and culture
  22. Teach creativity and problem solving
  23. Minimize public spelling mistakes
  24. Increase emotional intelligence
  25. Decrease crime by teaching civics and ethics
  26. Increase understanding of a life well lived
  27. Make sure the sports teams have enough player

Meine Zustimmung zum Istzustand. (Naja, bis auf das Sports-Team, das haben wir nicht.) Interessant wäre eine Liste, wozu Schule gut sein sollte. Knifflig. Ich werde mal die fragen, die es wirklich betrifft, nämlich die Schülerinnen und Schüler.

Tausche Geld gegen (guten) Unterricht

leonardoUnter diesem Motto könnten einige Infos stehen, die diese Woche durch mein Ohr und mein E-Mail Postfach reingeflattert kamen:

Erstens:

Interessant erschien mir die Realisierung einer beruflichen Ausbildungs-Partnerschaft im Rahmen des EU-Projektes „Leonardo“, vorgestellt durch Agenten das Team der Nationalagentur Österreich (… welch ein Name).

Das würde so aussehen:

  1. Man suche sich zwei europäische Partner im Ausland (egal ob Schule, Unternehmen oder Institution). Reine Schulpartnerschaften sind nicht erlaubt.
  2. Jeder Partner beantragt dasselbe Projekt bei der jeweiligen Nationalagentur (… langsam gewöhne ich mich an den Namen… nein, doch nicht).
  3. Man führe ein Projekt durch und hat am Ende irgendein vorweisbares Ergebnis (Video, DVD, Bericht, Ausbildungskonzept, Produkt, …)
  4. Zur pauschalen Abdeckung der Kosten erhält man je nach Anzahl der dazu benötigten Reisen (… die nennen das „Mobilitäten“) zwischen EUR 8.000 und EUR 24.000.

Nähere Infos unter lebenslanges-lernen.at und laufende und abgeschlossene Projekte finden wir in der Adam-Datenbank. Nähere Infos und Beratung bei der Nationalagentur in Ihrer Nation.

Zweitens:

Fördern lassen können sich „Fachleute der beruflichen Aus- und Weiterbildung“ 1 bis 6 Wochen im Ausland. Dieser Aufenthalt sollte dem Erfahrungsaustausch und dem Wissenstransfer dienen, dem spezifischen Berufsfeld angeglichen sein, der Qualität der Ausbildung dienen und daheim dann wieder verbreitet werden. Auch ganz nett.

Drittens merken Bildungsverantwortliche langsam aber sicher, dass eContent für eLearning irgendwie notwendig ist. Und ich vermute, dass die vermuten, dass haufenweise eContent auf Lehrer-Notebooks herumschwirrt und der so super-gut ist, dass andere den auch unbedingt einsetzen wollen. Beispiele gibt es hier und hier (… know what I mean??). Und da kam prompt eine email reingeflattert, in der das bmukk (für meine deutschen und schwiezer-Leser: die nationale Bildungsbehörde) ganz schüchtern und leise eine nicht näher genannte Abgeltung für die freiwillige und uneigennützige Überlassung von Content auf 5 Jahre in Aussicht stellt. Wieviel, das sagt der Antrag nicht. Aber zumindest kann jeder mal einreichen.

Einreichbedingungen runterladen. Viele, viele Infos, was die wie und wo genau wollen: Hier bei der virtuellen Schule.

Viertens findet diese Woche eine OBIS-Pflichtveranstaltung statt. (Ich habe voriges Jahr über dieses oberösterreichische Berufsschullehrer-Informationssystem noch wohlwollend berichtet). Jede oberösterreichische Berufsschule ist per Erlass verpflichtet, einen Vertreter zu dieser Veranstaltung zu schicken. Dieser Vertreter hat zwei Unterrichtsvorbereitungen mitzubringen. Bei dieser Pflichtveranstaltung wird uns dann beigebracht, wie Unterrichtsvorbereitungen in das System einzupflegen sind.

Viel spannender finde ich allerdings, inwieweit das System gegenüber dem Vorjahr verbessert worden ist und was sich die Betreiber ausgedacht haben, um einen regelmäßigen Content-Zufluss zu gewährleisten. (Die können ja nicht alle paar Wochen eine Pflichtveranstaltung abhalten. Oder doch?)