Remo Largo und die gelungene Schulzeit

Eine sehr schöne Beschreibung darüber, was eine gelungene Schulzeit ausmacht, findet sich im Buch „Jugendjahre“ von Remo Largo und Monika Czernin (S. 284):

„Unabhängig davon ob der junge Erwachsene das Gymnasium, die Realschule oder die Hauptschule besucht hat, konnte er in der Schule alle wesentlichen Fähigkeiten entwickeln, insbesondere seine Stärken, also diejenigen Fähigkeiten, auf die er seine zukünftige Existenz aufbauen wird. Er hat gelernt mit seinen Schwächen umzugehen und diese als ein Teil seines Wesens zu akzeptieren. Er weiß, dass die Schwächen ihn wohl einschränken, er aber sauf seine Stärken vertrauen kann. Er hat sich Fertigkeiten, Wissen und Lernstrategien angeeignet, die zukunftsgerichtet sind. Er verfügt über ausreichend entwickelte soziale Kompetenzen sowie eine Sinn für die Gemeinschaft und ihre ethischen Werte. Schließlich hat er ein gutes Selbstwertgefühl erwerben können. Denn er war sozial von Lehrern und Mitschülern immer akzeptiert, die schulischen Anforderungen waren für ihn meist zu bewältigen sie waren überwiegend mit Erfolg verbunden. Mit einem guten Selbstwertgefühl kann seine Zukunft mit der Überzeugung in Angriff nehmen: Ich werde mich in dieser Gesellschaft behaupten.“

Prozentuell würde ich schätzen, dass ein Hauptteil des Unterrichts an der Berufsschule sich mit „Wissen“ beschäftigt, dazu ein wenig die „Fertigkeiten“ geübt werden und alles andere ein wenig nebenher und nebenbei läuft. Und wir wissen alle, was es heißt, wenn wir so „nebenbei“ eine Aufgabe erledigen sollen, oder?

Largo beschreibt die Schule an sich ist eine Vermittlerin zwischen den Generationen (S. 283). Wissen, Fertigkeiten und Bildungsinhalte, die eine ältere Generation geschaffen und bewahrt  hat, soll an die nächste Generation weitergegeben werden. Demzufolge ist die Schule eine durch und durch konservative Einrichtung, die hauptsächlich auf Vergangenes fokussiert.

Seit fast 20 Jahren ändert sich unsere Gesellschaft durch die Informationstechnologie rasant. Es ist an der Zeit, den Inhalt der Lehrpläne und die Struktur der Schulen in Frage zu stellen. Bildungspolitiker können sicherlich schlüssig beweisen, dass sie durchaus „den Fortschritt“ in den Lehrplänen verankert haben und jede Menge Geld für „fortschrittlichen Unterricht“ ausgeben. Gleichzeitig möchte man aber nicht auf Althergebrachtes verzichten und so haben wir den Effekt, dass die Lehrpläne immer voller und die Freizeit der Jugendlichen immer weniger wird. Wo früher drei Fragen über ein Thema mündlich geprüft wurden, ist heute die x-te Präsentation, am besten mit Prezi, weil Powerpoint nicht genug ist, zu halten. Abzuliefern ist zusätzlich ein pippifeines Tipp-Top-Handout, das ausschließlich Creative-Commons-Bilder verwendet und zwingend einen QR-Code für den Link zu slideshare enthalten muss. Alles termingerecht auf der Lernplattform hochzuladen, versteht sich.

Gleichzeitig tönt es aus den Konferenzzimmern: „Die Schularbeit, die ich vor 15 Jahren gegeben habe, die könnte ich ja heute überhaupt nicht mehr geben. Alle würden sie durchfallen…“. Als ob die Jugendlichen jedes Jahr ein wenig dümmer weniger leistungsfähig werden würden. „Nein“, tönt es, „nicht alle. Die sind heute viel unkonzentrierter und haben so viel anderes im Kopf: Handy, Facebook, SMS, Computerspiele usw.“ Dabei übersehen wir Alten, dass wir es sind, die jedes Jahr ein bisschen mehr in die Köpfe reinpressen wollen.

Largo meint, die Schule hat auch ein biologisches Problem: Jugendlichen sind ihre Kompetenzen in der Pubertät egal: Das Zusammensein und das gemeinsame Erleben ist wichtiger als die eigenen Begabungen. Selbstverwirklichung hat in diesen Jahren keine Priorität. Viele Aktivitäten werden nur aus sozialem Engagement heraus unternommen, um Anerkennung zu ernten und sozialen Status zu erlangen. Leidenschaft und innerer Antrieb sind keine Gründe mehr für Leistung.

Im Kapitel „Gesellschaft“ (S. 342) meint Largo:

„Wir dürfen uns auch nicht von der Illusion verführen lassen, wir würden es mit irgendwelchen Lernprogrammen schaffen, dass es keine schwächer begabten Kinder und Erwachsene mehr geben wird. Wir sollten vielmehr die Vielfalt an Begabungen möglichst optimal nutzen. Für die Schule heißt das, die Talente der Kinder in der ganzen Breite zu fördern, und für die Gesellschaft bedeutet es, jedem Menschen mit entsprechenden Rahmenbedingungen zu einem existentiellen Auskommen und sozialer Integration zu verhelfen.“

Früher hat es Jugendliche gegeben, die ihre Schulpflicht in der 3. Hauptschule erfüllt haben und Hilfsarbeiter wurden. Oder denen später „der Knopf aufgegangen ist“ und die Versäumtes nachgeholt haben. Jetzt gibt es eine Ausbildungsgarantie. Für uns Lehrer heißt das: Ausbildungspflicht. Das heißt, dass die Zusammensetzung von leistungsfähigen bzw. weniger leistungsfähigen Jugendlichen im Klassenzimmer noch mehr als bisher auseinanderdriftet. Der Satz von Wolf Müller-Limmroth (Weltwoche 1988) über die Aufgabe des Lehrers war damals schon treffend und trifft’s heute noch mehr:

„Die Aufgabe des Lehrers ähnelt daher der eines Menschen, der eine Wandergruppe mit Spitzensportlern und Behinderten bei Nebel durch unwegsames Gelände in nordsüdlicher Richtung zu führen habe, und zwar so, dass alle bei bester Laune bleiben und möglichst gleichzeitig an drei verschiedenen Zielorten ankommen.“

Es liegt an uns Lehrern, den Irrsinn mit den überladenen Lehrplänen zu stoppen und jedes Jahr ein wenig mehr in die Hirne reinstopfen zu wollen, die allein aus biologischen Gründen (Pubertät, Veranlagung) nicht wollen (oder können). Nur weil wir selbst so manche Sachen in unserer Schulzeit erlernt (gepaukt und wieder vergessen) haben, so müssen wir das unserer Jugend nicht auch antun. Aber seien wir ehrlich: Es ist leichter und pfleglicher für den Job, aus schön aufbereiteten Lehrbüchern lehrplangemäß zu unterrichten, als den Mut zu haben, sich auf Neues einzulassen. Doch was spricht dagegen? Die Karriere kann’s wohl nicht sein? Direktor will selten noch wer werden und eine Karriereleiter, die wir uns verbauen könnten, gibt’s für uns Lehrer ja sowieso nicht. Was hindert uns daran, den Jugendlichen „Wissen, Fertigkeiten und Lernstrategien“ zu vermitteln, Schülerinnen und Schülern soziale Kompetenzen und ethische Werte zu vermitteln und dafür auf Unsinnigkeiten im Lehrplan zu verzichten?

Jugendjahre„Jugendjahre“ von Remo Largo und Monika Czernin ist empfehlenswert für Eltern und Lehrerinnen, die mit Jugendliche im Alter von 9 – 20 klar kommen möchten. Nach der Lektüre wird der Alltag etwas problemloser. Versprochen!!

Obige Zitate sind aus dem kurzen Kapitel Schule entnommen. Auf den anderen 300 Seiten geht es um die Entwicklung von Jugendlichen  in Bezug auf Körper, Sexual- und Sozialverhalten, Sprache, Denken, Motorik, Schlaf, Clique, Selbstverwirklichung, Gefahren und um ihr Umfeld punkto Eltern und Gesellschaft.

Remo H. Largo, Monika Czernin: Jugendjahre. Kinder durch die Pubertät begleiten. Piper Verlag, München und Zürich, 2013.

Was brauchen wir für eine Bildung im 21. Jahrhundert?

Gestern im Club2 (ORF). Ein Satz von Marlies Krainz-Dürr, Rektorin der Pädagogische Hochschule Kärnten:

Was brauchen wir für eine Bildung für das 21. Jahrhundert, für eine multikulturelle Gesellschaft? Was heißt denn überhaupt „Bildung für Europa“?

Es ist wichtig, dass wir heute Menschen – und zwar alle Menschen – befähigen, nicht damit sie im Arbeitsprozess gut funktionieren, sondern dass sie ein gutes und sinnerfülltes Leben führen können, dass sie weltoffen sind und dass sie mit Unterschieden, mit Differenzen und mit Widersprüchen gut umgehen können  in einer friedlichen Weise. Dann können sagen, das lernt man ganz sicher nicht in einem System, das sehr früh abgrenzt, das auf Homogenität setzt und auf Selektion. Sondern das lernt man dann, indem man miteinander lebt und die Vielfalt lebt und und gemeinsam lernt. Die Schule ist dafür ein idealer Ort das zu lernen. Da brauch ich’s nicht vermitteln, dann ist das kein Unterrichtsgegenstand, sondern das ist die Form, die das Lernen in der Vielfalt, mit den Differenzen, […] mit dem Respekt vor dem Anderen, mit [..] Neugier und mit […] Offenheit ermöglicht.

Gefällt mir.

Occupy bookshelf – die Revolte im Buchregal

Haben sich Ihre Lesegewohnheiten verändert, und wenn ja, wie?“ fragt WissensWert, die Mitmachzeitschrift über Enterprise 2.0, Knowledge Management und E-Learning und ruft zum Blog-Carnival auf.

Nein, haben sie nicht. Zumindest nicht durch den Amazon-Kindle, den ich mir noch im Mai 2010 um stolze EUR 274,84 aus den USA schicken ließ. Nach anfänglichen Missverständnissen (meine Finger wollten immer per Swish am vermeintlichen Touch-Screen umblättern) wurde das Gerät zur fixen Einrichtung am Nachtkästchen. Heute, 39 gelesene ebooks später gibt es den Kindle-Reader um annehmbare EUR 99,00 (Amazon). Ärgere ich mich deshalb? Sag ich nicht. Vermutlich gibt es den Reader nächste Jahr kostenlos zu irgendeinem Zeitschriften- oder Zeitungsabo, sobald die Verlage auch mal Wind davon bekommen, dass es so ein Gerät gibt.

Seit ich Taschengeld bekomme bin ich leidenschaftlicher Büchersammler. Meine Regale platzen aus allen Nähten. Meine Frau teilt diese Leidenschaft. Ich muss Bücher besitzen, ich muss sie ins Regal stellen können, sozusagen als Trophäe, was ich alles in den letzten 34 Jahren gelesen habe. Allerdings wächst der SLB (=Stapel zu lesender Bücher) jedes Jahr in nahezu beängstigender Weise an. Mittlerweile müsste ich jede Woche knapp 1,5 Bücher lesen, um bis zu meinem statistisch vorgesehenen Ableben den Stapel abgearbeitet zu haben. Es ist wie die Schuldenkrise – Schulden ziehen Schulden an. Meine Bücher entwickeln ebenfalls eine erstaunliche Sogwirkung, die durch das Internet noch verstärkt wurde. Es wurde Zeit für die Aktion „Occupy book shelf – nehmt den Büchern ihre Macht im Regal!“.

Was war der Auslöser?

Schuld war George R. R. Martin. 1996 startete er „The Song of Ice and Fire„, von mir relativ spät im Jahr 2007 entdeckt. Ich wühlte mich durch die bislang vier erschienen Paperback-Bände und war hocherfreut auf seinem Blog zu lesen, dass Band fünf 2008 erscheint und bestellte bei Amazon vor: Lieferdatum Juni 2008. Anschließend gab es halbjährlich bis jährliche vertröstende Blog-Updates, bis letztendlich der fünfte Band „A dance with dragons“ am 27. Juni 2011 mit 3 Jahren Verzögerung ausgeliefert wurde.

(Was ich nicht wusste: Durch meine Vorbestellung war ich weltweit unter den ersten 180, die das Buch erhielten, weil Amazon versehentlich noch vor dem offiziellen Erscheinungsdatum auslieferte. Der Autor schäumte. Ich habe es nicht bemerkt, ich schrieb an einer Hausarbeit für das Studium).

Da lag es nun, das gute Stück: Knapp mehr als 1000 Seiten, fast 1469 Gramm schwer. Nun gut. Die Hausarbeit war drei Wochen später abgeschlossen, auch der Rest der Welt hatte das Buch mittlerweile erhalten und „A dance with dragons“ wanderte mit auf die Couch, ins Bett, auf die Gartenliege. Nur irgendwie… nach all den ebooks … es war einfach … ungemütlich und lästig, ein so dickes, schweres Buch herumzuschleppen. Außerdem war es nach fast vier Jahren relativ schwierig, wieder in die Story hineinzufinden. Wer war nochmal Shakaz Shavepate? Wast hatte Victarion Greyjoy nochmal vor?

Nach 178 Seiten hatte ich die Nase voll und kaufte ich mir kurzerhand „A dance with dragons“ ein zweites Mal – als ebook. Statt 1469 Gramm hielt ich ab sofort nur noch 290 Gramm in Händen.

Statt 55 mm ehemaligen Baum nur noch 12 mm Gadget. Statt im Internet in diversen Wikis zu recherchieren kaufte ich mir um günstige $ 17,57 die vorherigen Bände im Kindle-Format als Bundle und konnte so bequem via Volltextsuche in der gesamten Serie schmökern und nachlesen und fand so nach und nach wieder den Lesefaden. Sehr bequem für englischsprachige Literatur ist auch das eingebaute Wörterbuch, das ich nicht mehr hergeben möchte.

Fertig gelesene Bücher landen also ab jetzt kaum mehr im Bücherregal als Trophäe. Wenn mein Ego irgendwann deswegen rebelliert, dann hoffe ich doch, dass die Buchindustrie das passende Geschäftsmodell dazu entwickelt 😉 Eine ebook-Edition mit passendem Buchkarton für das Bücherregal. In der „killed-tree“-Luxus Edition gibt es dann echtes, bedrucktes Papier zwischen den Buchdeckeln. Und das Hörbuch gibt es zum geringen Aufpreis als Download dazu. Weil die Kindle-Vorlesestimme, die ist das einzige, was ich am ebook-Reader misslungen finde.

Aber hat sich mein Leseverhalten dadurch geändert? Was Romane betrifft: absolut nicht. Ich lese nicht weniger, ich lese aber auch nicht mehr als früher. Sachbücher lese ich nicht am Kindle. Mit Sachbüchern muss ich arbeiten, also markieren, Anmerkungen reinschreiben, schnell von Seite x zu Seite y springen. Das kann der Kindle zwar auch, aber ungleich unbequemer, als es ein richtiges Buch kann. Für das Studium arbeite ich allerdings sehr gerne parallel: Die Studienbriefe der Fernuni Hagen bearbeite ich am Papier, für Hausarbeiten nutze ich aber intensiv PDF’s, weil bei Zitaten das lästige Tippen erspart bleibt und das Sammeln, Sichten und Auswerten von Literatur mit geeigneter Software das Leben und das Erstellen von Hausarbeiten gewaltig erleichtert. Das ist aber ein Thema für eine andere Geschichte.

Fernstudium: Für Hausarbeiten recherchieren

Beim Master für Bildung und Medien an der Fernuni Hagen habe ich die erste Hausarbeit zum Thema „Weblogs als neues Kommunikationsmedium in der Bildungswissenschaft“ im vorigen Semester ganz gut über die Bühne gebracht. Heute bin ich in der Endphase des zweiten (von sieben) Modulen. Das Thema dieser Hausarbeit ist: „Bildungs- und kommunikationswissenschaftliche Voraussetzungen für den Einsatz von neuen Lehr- und Lernformen“. In der Arbeit behandle ich schwerpunktmäßig den Einsatz von Neuen Medien inklusive sozialen Netzwerken in der Berufsschule, bespreche die Voraussetzungen auf die Lernenden, Lehrenden und die Bildungsträger. Behandelt werden dabei etwa die Gesichtspunkte Medienkompetenz, Ausbildung der Lehrenden und die Eigenheiten der computervermittelten Kommunikation. Im Ausblick male ich ein Zukunftsmodell für die Berufsschule.

Quelle: http://www.flickr.com/photos/thedepartment/137413905/
Quelle: flickr

Die Module im Masterstudium sind so aufgebaut, dass zuerst die Studenbriefe per Post zugestellt werden. Via Moodle gilt es dann, kleinere Aufgaben zu lösen, die einen Umfang von 4 – 8 Seiten haben. Gegen Ende des Moduls wird der Titel der Hausarbeit bekanntgegeben. Im Modul 2 wurde die Aufgabenstellung per Post am 15. Juli zugestellt, am 23. September spätestens ist die Arbeit an das Prüfungsamt ausgedruckt und gebunden zu schicken. Begleitend gibt es eine exzellente Online-Betreuung, die meist innerhalb weniger Stunden auf Fragen antwortet.

Die Art des Studiums, vor allem die Vielzahl von Recherchemöglichkeiten waren vor 10 Jahren noch nicht möglich gewesen. Heute gibt es jede Menge Online-Werkzeuge, die ein vernünftiges Arbeiten von zuhause aus ermöglichen. Derzeit verwende ich folgende Tools:

Suche

  • Google: Suche nach einem Begriff (zum Beispiel „Medienpädagogik“) mit dem Zusatz „filetype:pdf“. Wenn das Dokument ein Literaturverzeichnis hat, dann taugt es auch meist für die Hausarbeit. Die Einträge im Literaturverzeichnis sind wiederum gute Schlagworte für die weitere Suche. Auch Einträge, die nicht „Online“ gekennzeichnet sind, sind häufig im Netz zu finden. Zumindest bei meinem internet-lastigen Studium.
  • scholar.google.de: Die wissenschaftliche Suchmaschine von google. Hier lade ich die mit „pdf“ gekennzeichneten Einträge herunter.
  • books.google.com: Mit der „Advanced Book Search“ suche ich nach geeigneten Büchern bzw. Zeitschriften. Die Option „Full View Only“ grenzt zwar stark ein, dafür hat man dann aber auch das ganze Buch zur Verfügung. Meist genügt aber auch die „limited preview“, weil ja oft nur einzelne Kapitel benötigt werden und es ein blöder Zufall wäre, wenn Google ausgerechnet das gesuchte Kapitel nicht frei schaltet. Und wenn – dann gibt es auch andere Bücher. Wer (so wie ich) gerne mit Ausdrucken arbeitet, der könnte im Firefox „Greasemonkey“ mit dem „Google Book Downloader“ und „Flash Got“ verwenden. Die drei Tools laden beliebige Seiten herunter, danach kann immer noch entschieden werden, wo und wie man sich das Buch ausleiht (oder kauft).
  • Weitere wissenschaftliche Suchmaschinen habe ich unter: http://delicious.com/pruwer/science+suchmaschine gesammelt, weitere sind unter http://www.llek.de/ zu finden.
  • Empfohlen wurde mir paperc.de. Nach einer kostenlosen Registrierung können Bücher online gelesen werden und gegen geringe Gebühr seitenweise heruntergeladen werden.
  • Für heruntergeladene ebooks (von denen immer mehr frei verfügbar sind, siehe www.delicious.com/pruwer/ebooks), drucke ich mir das Inhaltsverzeichnis aus und lege es in einem Inhaltsverzeichnis-Ordner zur weiteren Kennzeichnung für lesenswerte Kapitel ab.
  • Die Universitätsbibliothek der Fernuni-Hagen bietet via VPN bzw. Proxy Zugriff auf Volltextdatenbanken und Vollzugriff auf elektronische Zeitschriften. Immer wieder laufen begrenzte Tests, zum Beispiel aktuell „Oxford Scholarship“ und „Education Research Complete“.

Verwaltung

  • Firefox-Plugin Zotero: Zotero sammelt, verwaltet und sortiert Dokumente, erstellt Zitate und Einträge für das Literaturverzeichnis. PDF-Sammlungen sind mittels „pdftotext“ und „pdfinfo“ durchsuchbar. Jedes interessant erscheinende Online-Dokument trage ich hier ein, Zotero lädt es herunter und speichert es lokal ab. Per Rechtsklick wird (sehr oft) ein Literaturverzeichniseintrag erstellt. Auch Bücher können per Titel oder ISBN hinzugefügt werden. Ein Sync mit dem Zotero-Server wäre möglich, nutze ich aber nicht.
  • Delicious: Mit Delicious verwalte ich meine Fundstücke. Für gängige Browser gibt es Bookmark-Addons. Übrignes findet sich die Materialsammlung für die oben beschreibene Hausarbeit unter www.delicious.com/pruwer/modul2.
  • Citavi: Wärmstens empfohlen wurde mir Citavi, eine Literatur- und Zitateverwaltung. Die Gratis-Version werde ich im Herbst ausprobieren.
  • Ebenfalls ausprobieren möchte ich citeulike, mit dem Online-Publikationen verwaltet werden können, das aber um eine Empfehlungskomponente erweitert wurde

Beim Schreiben der Hausarbeit habe ich die Firefox-Extension LeechBlock in Betrieb. Seiten, mit denen ich wertvolle Zeit vertrödele, wie zum Beispiel Nachrichten, Blog-Reader, Facebook, ebay und amazon können damit prima minutengenau limitiert oder für Stunden unerreichbar geschaltet werden.

Zur Erstellung von Haus- oder Seminararbeiten bis hin zu Dissertationen sind folgende zwei Bücher empfehlenswert:

Tipp für gemütliche Winterabende: Bildungsvideos

In den letzen zwei Jahren ist meine youtube Playlist für Bildungs-Videos auf über 50 Einträge gewachsen und stellt mittlerweile ein abenfüllendes, inspirierendes und unterhaltsames Abendprogramm dar.

Wer es kürzer haben möchte, der schaut bei der  „Siemens Selbstlerner Community“ vorbei: Hier wird das Bildungsvideo des Tages gepostet.

Die Stars der deutschen Bloggerszene haben ebenfalls ein amitioniertes Projekt gestartet: Die Bildungsreporter mit dem gelungenen Auftakt „Ist der Bildungszug schon abgefahren?“

e-Learning: Angst fressen Weiterbildung auf?

In der Zeit Online war neulich dieser Artikel „Das Elend mit dem E-Lernenzu lesen. Eine neue Studie hat wieder mal bewiesen, was wir seit den späten 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts wissen: E-Learning ist teuer, die Mitarbeiter setzen sich nur widerwillig vor das e-Learning Programm, die meisten Firmen wollen mehr Output für weniger Input (Zeit und Kosten sind gemeint) und in Summe werden sie durch e-Learning weder produktiver noch erfolgreicher. (Hier ein wirklich typisches Beispiel, so wie es e-Lerner seit fast 20 Jahren ertragen müssen). Bestenfalls  kann e-Learning als Blended-Learning eingesetzt werden, das heißt: Ein Lehrer ist dabei und hilft weiter, wenn wieder mal das Passwort vergessen wurde oder der große „Weiter“-Button rechts unten völlig unauffindbar ist, Frage- und Antwortmöglichkeiten praxisfern sind oder der Lernende sich im Klick-Tunnel verirrt hat.

Tim Schlotfeldt hat den Artikel schon wunderbar und treffend kommentiert und ich wollte mich schon zu zu meinem jährlichen, entrüsteten Blog-Posting zum Thema e-Learning aufraffen, in dem folgendes zu lesen gewesen wäre:

  1. E-Learning funktioniert nur (richtig gut), wenn es in ein konstruktivistisches Lernsetting eingebettet ist. Das heißt: Kein kleinschrittiges Nachhampeln von Vorgehampelten, sondern je nach individueller Interessenslage kreatives und praxisnahes Problemlösen.
  2. Noch besser funktioniert es, wenn es in einen soziokulturellen Kontext eingebettet wird: Gemeinsames Lernen, derzeit über Wikis, Blogs, ein simples Moodle-Forum oder ähnliches. Austausch von Fakten, Zusammenfassungen, Fragen, Unklarheiten, Erfahrungen, Geschichten, Gelernten und Erkenntnissen.
  3. Intrinsische Motivation entsteht durch die Öffentlichkeit im Netz, durch Kooperation und durch Wettbewerb und letztendlich durch den Lerntransfer, das heißt: die konkrete Anwendung in der Berufspraxis.

So ungefähr hätte ich es geschrieben, wenn ich in den letzten Wochen nicht regelmäßig erlebt hätte, dass viele Leute Angst vor Internet und PC haben.

Sie fürchten sich vor Facebook, Twitter und davor, im Netz mit Kreditkarte zu zahlen. Sie haben Angst, ihre E-Mail Adresse weiterzugeben, weil sie sonst mit Spam zugemüllt werden. Sie  wollen ihre Zeit nicht vor dem Bildschirm verbringen, weil sie wenig Kontrolle über das haben, was der PC mit ihrer Zeit anfängt, sobald er nicht so funktioniert, wie er funktioneren sollte. Sie wollen von  sich nichts im Netz preisgeben, weil das Netz nichts vergisst, auch nicht das Intranet. Sie wollen als Lerner nicht gezwungen werden, etwas zu schreiben, dass veröffentlicht und diskutiert wird. Und. So. Weiter.

Gestützt und getrieben werden diese (berechtigten) Ängste teilweise durch die alten Medien (hier zum Beispiel) in Kombination mit der Rechtsunsicherheit im Netz, durch wildgewordene Abmahnanwälte und dem Auseinanderdriften von Realität und Juristerei. Dass Angst Lernen verhindert oder zumindest immens erschwert, ist bekannt.

Für e-Learning in konstruktivistischen Settings braucht es (neben der Rechtssicherheit) aber folgende Lerner:

  • Lerner, die denken, bevor sie posten und die Grundregeln der Rechtschreibung beherrschen.
  • Lerner, die wissen, dass Fehler notwendig sind, um weiterzukommen.
  • Lerner, die mutig und tolerant sind und darauf vertrauen, dass das Internet mehr Chancen als  Gefahren bietet.
  • Lerner, die schon häufig Internet-Plattformen ausprobiert und ein Gefühl für diese entwickelt haben. Die also wissen, wie das Internet tickt.

Wo sind diese zu finden? Na, beispielsweise auf Facebook oder Twitter. Definitiv in Blogs oder Blog-Kommentaren. Haben Sie das Gefühl, dass unsere Kinder schon auf diese Lernsettings vorbereitet werden? Hier eine passende Studie:  Children who blog or facebook have higher literacy levels.

Nachtrag:

In Informatik lernen sie bestimmte Standardprogramme zu öffnen und zu schließen, glaube ich

Wie heißt es so schön: „Die sprechen mir aus der Seele.“ Eine wunderschöne Diskussion vom D21-Jahreskongress.

<begin SATRIRE>Ich werde  sofort Montag morgen den Erlass beantragen, der Bildungsverantwortliche dazu verpflichtet, diese 1,3 Stunden kurze aber intensive Diskussion mindestens einmal täglich zu sehen. </end SATIRE>.

<begin BEFÜRCHTUNG>Auch wenn ich den Clip vorher auf Videokassette überspielen muss.</end BEFÜRCHTUNG>

Starring: Gabi Reinmann (e-denkarium), der IT-fitteste Lehrer Deutschlands Olaf Kleinschmidt und andere am Podium. Und einige aus demPublikum.

Vodpod videos no longer available.

Das Zitat aus der Überschrift ist übrigens bei Timecode 10:45 zu finden. Empfehlenswert ist der gesamte D21-Kanal bei zaplive.

(posting durch vodpod firefox-extension for wordpress)