Masterarbeit zur Unterrichtsvorbereitung: Prolog

Nach mehr als einem Jahrzehnt als Lehrer habe ich mit etlichen Kooperationsmöglichkeiten für die Unterrichtsvorbereitung experimentiert. Darunter waren ein gemeinsames Serverlaufwerk, diverse Synchronisations-Tools, ein Mediawiki, Tiddlywiki, Moodle, OneNote, Evernote und ownCloud. Kooperiert wurde mit Festplatten, USB-Sticks, E-Mail Newsletter, Cloud-Computing und mit einer physischen Box für Zeitungsartikel. Überzeugend war keine dieser Varianten. Lehrkräfte benötigen ein System, das sich nahtlos in den Lehreralltag integriert und Unterrichtsvorbereitungen ohne großen Aufwand automatisiert anderen interessierten Lehrkräften zukommen lässt.

Lehrkräfte, die das Netz intensiv nutzen, um ihren Unterricht mit Ideen und Materialien anzureichern, stehen vor zwei Herausforderungen:

  1. Die Verwaltung der großen Masse von Online-Ressourcen, –Werkzeugen und eigener Unterrichtsvorbereitung

Mittlerweile bieten zahlreiche Online-Portale (Bildungsserver, Verlage etc.) viele Materialien für die Unterrichtsvorbereitung an. Zusätzlich gibt es eine hohe Anzahl brauchbarer Internet-Werkzeuge für den Unterricht. Hinzu kommen noch selbst erstellte und von Kolleginnen und Kollegen erhaltene Unterrichtsvorbereitungen.
All das bereitgestellte Material zu sichten, auszuwählen, zu ordnen, aktuell zu halten und auf Dauer den Überblick zu behalten, stellt für Lehrkräfte einen immensen Zeitaufwand dar. Diese Herausforderungen können Lehrkräfte nur durch Zusammenarbeit bewältigen, indem sie sich austauschen. Das geschieht aber kaum strukturiert und schulübergreifend.

  1. Der effiziente und komfortable Austausch von erstellter Unterrichtsvorbereitung

Trotz Methodenfreiheit und Autonomie von Lehrkräften hinsichtlich der Unterrichtsvorbereitung ist es sinnvoll, dass Lehrkräfte ihre Vorbereitungen austauschen, damit ein- und dieselbe Unterrichtseinheit nicht immer wieder von verschiedensten Lehrkräften neu erstellt und zur Aktualisierung überarbeitet wird. Durch diese Art der Kooperation ergeben sich zahlreiche positive Effekte von der Steigerung der Methodenvielfalt über die verbesserte Unterrichtsqualität bis hin zur Burn-Out-Prävention bei Lehrkräften.

Eine Befragung von Berufsschullehrkräften zeigte, dass der Austausch von Unterrichtsvorbereitung hauptsächlich über die Papier-Kopie, über die elektronische Kopie mittels Festplatten, USB-Sticks oder E-Mail und ganz selten über Cloud-Speicher (wie Dropbox oder Skydrive). Ein komfortabler, automatisierter, schulübergreifender Austausch ist trotz Cloud-Technologie mangels geeigneter Systeme noch nicht verfügbar. Im optimalen Fall müsste getauschtes Unterrichtsmaterial automatisiert an der thematisch richtigen Stelle in der Unterrichtsvorbereitung der Lehrkraft im Klassenraum via PC oder Tablet-PC aufrufbar sein.

masterarbeitMeine Master-Arbeit im Lehrgang „Bildung und Medien“ an der Fernuni-Hagen werde ich hier in den nächsten Wochen als „Fortsetzungsroman“ veröffentlichen. Sie bietet einen Lösungsansatz für diese zwei Problembereiche und beschreibt aus bildungswissenschaftlicher Sicht eine Lehrplattform mit Social-Media-Elementen, in der Lehrkräfte ihre Unterrichtsvorbereitungen ablegen, während des Unterrichts aufrufen und mit Kolleginnen und Kollegen automatisiert austauschen können. Der Arbeitstitel dieser Lehrplattform lautet „STEERSocial TEaching EnviRonment“.

Fortsetzung folgt.

Alternative Pädagogik: Spaß als wichtigstes Unterrichtsziel

In der Schule im Singerhof müssen die Lehrer nur dann unterrichten, wenn sie  Lust dazu haben. Das Konzept scheint zu funktionieren. Ein Lokalaugenschein:

Aus dem tragbaren Radio, das inmitten des Klassenzimmers steht, tönt Musik. Davor schlagen zwei Lehrerinnen Räder und üben die neu erlernten Hip-Hop-Schritte. Ein Pädagoge liegt auf dem Hochbett und liest Comics. Wenige Meter weiter, im schuleigenen Garten, machen sich zwei Oberschulräte auf den Weg durch den Wald zu einem „Tierhaus“, das sie aus Ästen und Laub gebaut haben. Das alles passiert in der Schule im Singerhof in Rohrbach nicht in der Pause, sondern während des Unterrichts. Das Konzept der alternativen Privatschule: Die Lehrerinnen und Lehrer machen ausschließlich das, was ihnen Spaß macht.

Es gibt keine Unterrichtseinheiten, der Tag besteht aus offener Arbeitszeit. Ob die Pädagogen mit den Kindern Lego spielen, Puzzle bauen oder Comics lesen, spielt dabei keine Rolle. Nicht einmal das Alphabet unterrichten sie, außer die Schüler fragen dezidiert danach. Lesen bringen sich die Kinder selbst bei. Sie lernen es eben nach und nach – also durch diverse Spiele oder durch das Beobachten ihrer älteren Mitschüler. Nur wenn die Pädagogen bemerken, dass sich ein Kind ungewöhnlich schwertut, wird gezielt mit diesem gearbeitet.

Die Ältesten unter den Pädagogen haben nur wenige echte Unterrichtsstunden. Zwar werden Mathematik, Deutsch und Naturwissenschaftskurse angeboten, eine Verpflichtung, diese Kurse zu unterrichten, gibt es aber nicht. Daraus zu schließen, dass die Lehrerinnen und Lehrer wenig unterrichten, sei aber falsch, sagt Schuldirektor Martin Krskusky: „Es ist die falsche Denkweise, davon auszugehen, dass Lehrer nur dann unterrichten, wenn es ihnen befohlen wird.“ Wenn die Lehrerinnen und Lehrer diesen Beruf ergreifen, seien sie ohnehin neugierig. Und auch kurz bevor sie pensioniert werden, sei ihre Motivation hoch. Immerhin haben sie dann ein klares Ziel vor Augen – und zwar den Übertritt in eine bessere Welt.

Die Statistik gibt der Schule, die sich an unterschiedlichen reformpädagogischen Konzepten orientiert, recht. Mehr als 90 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer gehen gesund in Pension, und „auch die Neurobiologie spielt uns in die Hände“, sagt Krskusky. Damit hat er nicht unrecht. So sagt auch der Hirnforscher Manfred Spitzer, dass Unterrichten dann am besten funktioniere, wenn es Spaß macht.

Der Zweifel, ob die Lehrer an der Schule im Singerhof tatsächlich genug Stunden unterrichten, bleibt für viele trotzdem. „Wir haben Ängste, da wir selbst in einem anderen Schulsystem groß geworden sind“, sagt Martina Pfeiffer. Sie hat die Entscheidung, ihren Gatten in die alternative Schule im Singerhof zu schicken, aber nicht bereut. Und das obwohl – oder gerade weil – sie den Unterschied kennt: Ihr Ex-Mann unterrichtet in einer normalen Schule.

Den Ehegatten in die Alternativschule zu geben, ist jedoch auch eine Kostenfrage. 1300 Euro pro Monat verdienen die Pädagogen dort, netto. Sie müssen bis zu 70 Stunden pro Jahr mit den Eltern verbringen. Sie geben Unterrichtsstunden, putzen, arbeiten im Garten. Ohne das wäre der Betrieb nicht möglich. Vom Staat wird die Schule nur zu etwa 30 Prozent gefördert. Alle Kosten damit abzudecken, ist unmöglich. Und auch Sponsoren zu finden, ist nicht immer einfach. Direktor Krskusky beweist durchaus Selbstironie, wenn er sagt: „Wir sind auf der Suche nach Gutmenschen.

(Bis hierher gelesen? Ich konnte nicht widerstehen, den Artikel aus der Presse aus der Lehrersicht ohne viel Nachzudenken zu plagiieren. Und bevor sich wer auf den Schlips getreten fühlt, gleich eine Klarstellung: Ich bewundere solche Schulen und Lehrerinnen und Lehrer sehr, halte viel von Reformpädagogik und finde das Konzept sehr sympathisch.)

Der etwas holprige Weg zum Bildungskarenz für Berufsschullehrer

Im Nachhinein denke ich mir: Das war doch überhaupt nicht kompliziert. Wenn ich aber meine Evernote-Tagebuchdatei aufrufe, dann war der Weg zur Bildungskarenz für meine Masterarbeit an der FernUniversität in Hagen im Studiengang „Bildung und Medien – eEducation“ im Rückblick doch, nun ja, etwas holprig. Vielleicht auch, weil ich nicht unbedingt ein Fan von Bürokratie bin und ich Franz Kafkas Schloss gerne gelesen habe, weil es mir so schön gruselig vorkommt.

Also: Nach fast 3 Jahren nebenberuflichem Studium mit langen Nächten, heimeligen Wochenenden vor dem Schreibtisch  und einem ständigen schlechten Gewissen gegenüber der Familie hatte ich im Mai 2012 die gute Idee, zum Schreiben der Master-Arbeit, in Bildungskarenz zu gehen. Geplant war, dies für die Dauer von 2 Berufsschul-Lehrgängen (=20 Wochen)  ab Februar 2013 zu tun und studierenderweise in die Sommerferien überzugehen. Vorteil: keine Dreifachbelastung Schule + Studium + Familie (okay, das Wort „Belastung“ ist bei letzterer nicht wirklich angebracht, ich bin sehr froh, dass es diese Menschen gibt), sondern nur noch doppeltes Vergnügen mit Familie + Studium.

Direktion und Personalvertretung (die ja zustimmen muss, weil meine Unterrichtsverpflichtung von den Kolleginnen und Kollegen übernommen wird), waren netterweise einverstanden. Ohne Überredungskünste. Sofort.

Beim AMS teilte man mir mit: Alles kein Problem! Es gibt Weiterbildungsgeld in der Höhe des Arbeitslosengeldes, das sind bei mir nicht ganz EUR 50,00 pro Tag, ganz ordentlich. Und es gibt einige Lehrer, die in Bildungskarenz gehen. Meist sind das Mütter, die eine Kinderkarenz verlängern, weil … und das ist seltsam: bei Vorlage einer Inskriptionsbestätigung keinerlei Leistungsnachweis vorgelegt werden muss. Ohne Inskriptionsbestätigung müssen Kursanmeldung, Anwesenheitsbestätigungen oder andere Zeitaufzeichnungen und Leistungsnachweise abgeben werden, ansonsten gibt es kein Weiterbildungsgeld. Mit Inskriptionsbestätigung ist es egal, ob ein Jahr Weltreise angesagt ist („WKO: Weltreise statt Bildungskarenz„) oder wirklich Weiterbildung erfolgt. Ab 1. Juli 2013 gibt es die „Bildungskarenz neu“ (siehe Artikel), ab sofort sind ECTS vorzuweisen. Diese Lücke ist somit geschlossen, gut so.

Mitzunehmen sollte ich im Jänner 2013 daher zur Antragstellung einige Tage vor Antritt der Karenz im Original (=Unterlagen bekommt man gleich wieder zurück):

  • Heiratsurkunde
  • Geburtsurkunde der Kinder
  • AVRAG-11 vom Dienstgeber bestätigt
  • Inskriptionsbestätigung
  • Gewerbeendigung (falls vorher irgendwann ein Gewerbe ausgeübt wurde)

Anfang Juni 2012 ging mein Ansuchen inklusive Befürwortung der Direktion über den Dienstweg dann an den Landes..schulrat, der mir im Juli dann (für mich, die Personalvertretung und die Direktion überraschend) mitteilte, dass es für Landeslehrer keine Bildungskarenz gibt, sondern lt. Vertragsbedienstetengesetz von 1948 nur Karenzurlaub gegen Entfall der Bezüge (§29b Abs. 1 VBG von 1948).

Die Lektüre von AMS, Wirtschaftskammerhelp.gv.at oder von Broschüren wie „Das Dienstrecht der Bundeslehrer“  waren also umsonst. Landeslehrer sind in der Karenzzeit weder kranken-, noch pensionsversichert und was ich während der Karenzierung mache, ist meinem Dienstgeber ziemlich egal.

Also: Help! Anruf bei der Gewerkschaft Anfang der Ferien. Was tun und welche Konsequenzen gibt es? Der Rat war zuerst, nicht in Karenz zu gehen, sondern Teilzeitlehrer zu werden und meine Arbeitszeit um 50% zu reduzieren: Vorteil: Kein Entfall von Versicherungs- und Pensionszeiten. Regelmäßiges Gehalt, aber nicht viel weniger als sonst, weil weniger Verdienst ja auch weniger Steuern heißt. Heißt für mich: 50% arbeiten und dazu Masterarbeit schreiben im Vergleich zur Bildungskarenz mit 0% arbeiten und dazu Masterarbeit schreiben.

Meine Krankenkasse, die Lehrer-Kranken- und Fürsorgekasse sagte mir, dass ich mich während einer Karenzierung selbst versichern kann, wenn ich möchte, zum Preis von ungefähr EUR 260,00 pro Monat.

Die Gebietskrankenkasse, in die meine Frau einzahlt, teilte mir mit, dass ich mich während einer Karenzierung bei meiner Frau mitversichern lassen kann, wenn ich sie geheiratet habe und wir Kinder haben, zum Preis von genau EUR 0,00 pro Monat. Toll!! Die Pensionsversicherungsanstalt sagt mir, dass ich pensionsversichert bin, wenn ich Weiterbildungsgeld vom AMS bekomme.

Also weiter: Für Weiterbildungsgeld braucht das AMS das Formular AVRAG11 vom Arbeitgeber ausgefüllt. Die spannende Frage war: Füllt mir mein Arbeitgeber dieses aus, weil am Antragsformular in großen Lettern „Bildungskarenz“ drauf steht, obwohl für mich dieser nicht drin ist. Wenn ich aber dieses AVRAG11 nicht bestätigt bekomme, dann gibt’s von Februar bis Anfang September kein Geld am Konto. Weil: Mein Dienstgeber lässt mich nicht von Februar bis Anfang Juli auf Bildungskarenz gehen und zahlt mir dann brav mein Gehalt in den Sommerferien. Verstehe ich, wäre nicht okay. Deshalb habe ich meine Wünsche leicht reduziert: Statt Bildungskarenz von Februar bis August nur noch von Februar bis Mitte April: 11 statt 28 Wochen. Dann ist das Risiko, falls mit dem Weiterbildungsgeld was schief läuft, nicht allzu hoch.

In der Zwischenzeit gab es regierungsseitig vom Wirtschaftsminister Mitterlehhner eine neue Idee: Die Teilbildungskarenz, die ab Juli 2013 (für mich zu spät) als weitere Möglichkeit in Frage kommen würde. Eine Anfrage an ihn über www.meinparlament.at wurde kompetent und genau beantwortet. Ich war positiv überrascht.

Drehen wir die Zeit nun etwas nach vor, um das Hin- und Her, die vielen Telefonate, Mails und vor allem die umfangreiche Tabelle mit widersprüchlichen Aussagen, die ich gesammelt hatte, etwas abzukürzen: Am 3. Oktober habe ich schließlich den positiven Bescheid über „Karenz gegen Entfall der Bezüge“ in Händen gehabt, 6 Wochen später das ausgefüllte und heiß begehrte AVRAG-11 Formular. Die Sache war geritzt.

Zuvor gab es noch einige Nebenschauplätze. Besonders skurril: Darf ich als zahlendes Mitglied der der Gewerkschaft die Gewerkschaft um Rat fragen? So klar das seitens der Gewerkschaft auch war, so unklar war das an manch anderer Stelle: Es herrscht proporziell tendenziell die Meinung, dass nur jener gewerkschaftliche Hilfe in Anspruch nehmen darf, der auch einer politischen Fraktion innerhalb der Gewerkschaft (einem Lehrerverein) beigetreten ist. Mir wurde von einer Gewerkschaftsvertreterin bestätigt: Der ZA der oö. Berufsschullehrer ist mein Betriebsrat, egal ob ich schwarz, rot, blau, grün, orange, fraktionslos oder Jedi-Ritter bin. Und Tatsache ist auch: Da werden Sie geholfen!!

Viel frustrierender war allerdings ein nahezu groteskes Unverständnis, das sogar von Leuten kommt, die im Bildungssystem verankert sind: Rein subjektiv wird Weiterbildung als Irrsinn ein eingestuft, wenn

a) danach das Nettogehalt nicht gehörig aufpoliert wird oder
b) danach der Job nicht gewechselt wird und das Nettogehalt gehörig aufpoliert wird.

Wie alle wissen, werden in Österreich Lehrer nicht nach Leistung und nicht nach Kompetenz bezahlt, sondern nach der Anzahl der Stunden, „die sie im Klassenzimmer stehen“ (wie es so schön heißt). Das wäre ungefähr so, als wenn Armin Wolf, der ja auch im Bildungskarenz war (und hier über seine Erfahrungen berichtet),  nach der Anzahl der Sendeminuten bezahlt werden würde.

Meine Weiterbildung in gröberem Umfang hat im letzten Halbjahr einige Leute (auch aus dem Bildungssektor) zur Frage „Wieso mochns des? Des brauchns jo goa ned!“ verleitet und die Folgefrage nach meinem Geisteszustand unausgesprochen in den Raum gestellt. Diese Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest wird ein anderes Mal geklärt werden, weil es doch etwas verunsichert, wenn so viele intelligente Menschen einem das sagen. Nur eins noch: I’m not insane…

Prüfung per Videokonferenz im „Master für Bildung und Medien – Fernuni Hagen“

„Warum habe ich bloß keine Hausarbeit geschrieben?“ habe ich mir noch gedacht, als ich mich auf den Weg zur Prüfung machte. Sogar das Navi im Auto meinte: „Kehren Sie wenn möglich um“. Aber nach einem intensiven Schuljahr 2011/12, das für das Studium kaum Zeit ließ und nachdem ich die zwei Semester für dieses Modul in den Ferien nachgelernt hatte, war Aufgeben natürlich keine Option. Aber fangen wir von vorne an:

Der Master für Bildung und Medien an der Fernuni Hagen lässt sich, wenn gewünscht, ganz ohne Präsenzzeiten und ohne Prüfungsstress durchziehen. Das soll nicht heißen, dass er stressfrei läuft: Nebenberuflich geht er nach drei Jahren ganz schön an die Substanz und deshalb bin ich heute froh, endlich „7 von 7 Modulen erledigt“ ins Lerntagebuch reinschreiben zu können.

Im Modul 7 habe ich mich für das Wahlmodul Informatik entschieden, das für Teilzeitstudenten über zwei Semester belegt werden kann. Es besteht aus drei Teilkursen: computerunterstütztes Lernen in Groß- und Kleingruppen (CSCL), computerunterstütztes Arbeiten (CSCW) und Dokumentenmanagement. Das Modul 7 wird als einziges Modul im Studium nicht mit einer Hausarbeit, sondern mit einer mündlichen Prüfung abgeschlossen.

Fernstudienzentrum Steyr
Fernstudienzentrum Steyr

Eine mündliche Prüfung an der Fernuni Hagen kann per Videokonferenz abgehalten werden. Die Vorgehensweise ist recht einfach: Termin mit dem Prüfungsamt, Termin mit dem Professor und Termin mit irgendeinem Studienzentrum vereinbaren. Es kann ein beliebiges Studienzentrum gewählt werden. Kostenpunkt: Ungefähr 80,00 Euro, je nachdem ob man einem Studienzentrum zugeordnet ist oder nicht – die Regelung wird derzeit geändert.

Mein Wunschstudienzentrum war Linz in Oberösterreich. Einige Tage vorher  bekam ich Nachricht, dass dort umgebaut wird und die Prüfung nach Steyr / OÖ verlegt wurde. Dort wurde ich schon vorab sehr ausführlich und freundlich telefonisch über Anreise und Ablauf informiert. Deshalb war die Anreise und der Zeitplan ins Fernstudienzentrum Steyr am Prüfungstag völlig überraschungs- und frustfrei, Technik und Organisation klappte perfekt, ich wurde sehr zuvorkommend empfangen und betreut. Sehr erfreulich, wenn man merkt, dass Profis am Werk sind. Das mindert die Nervosität ganz gehörig. Die Leiterin des Fernstudienzentrums fungiert als Beisitzerin und kümmert sich um die zwei T’s: Technik & Täuschungsversuche. Der gut gemeinte Rat von Facebook-Freunden, den Screen mit Post-it’s zu pflastern, konnte also nicht realisiert werden 😉

Die Prüfung dauerte etwas mehr als 30 Minuten. Hr. Haake wies mich darauf hin, dass die Teilgebiete jeweils mit zumindest „Ausreichend“ abzuschließen sind, um insgesamt eine positive Note zu bekommen.

Inhaltlich wurde folgendes gefragt:

Kurs 1873 – Daten- und Dokumentenmanagement:

  • Dokumentenbegriff (historisch, neuere Art, moderner Begriff)
  • Modell der strukturierten Dokumente und dessen Vorteile erklären
  • Erklärung der Dokumentbeschreibungssprachen
  • Unterschied von HTML und XML
  • Beschreibung und konkretes Beispiel eines Tags in HTML
  • Wie und wo werden Tags in XML definiert?
  • Links in XML-Dokumenten (Xlink, XPointer)

Die Prüfung beschränkte sich bei diesem Teil auf die grundlegenden Konzepte. Hr. Haake meinte, dass ich die Fragen „für einen Sozialwissenschaftler“ ganz gut beantwortet habe ;-), bei Informatikern würde er intensiver nachfragen. Ganz froh bin ich, dass keine Details zu Zeichencodierungen, CSS, XSL, XQuery, RDF und OWL gefragt wurden. Diese Themen nur theoretisch gemäß Skript zu lernen fand ich nicht wirklich zielführend. Vielmehr würde ich mir praktische Anwendungen bzw. Mini-Projekte wünschen. Das wiederum würde den Zeitrahmen des Moduls sprengen und die Zielrichtung des „Masters für Bildung und Medien“ verfehlen.

Kurs 1880 – CSCW (computer supported cooperative/collaborative work)

  • Unterschied CSCW und CSCL
  • Definition einer Gruppe; Merkmale von Gruppen
  • Klassifikation von CSCW-Anwendungen (Anwendungsart, Raum & Zeit, Unterstützungfunktion & Dimensionen)
  • Beispiele für Gemeinsame Informationsräume
  • Gruppenpuzzle – wie wird das mit einem Wiki realisiert
  • Definition von Groupware (ist z. B. eine Videokonferenz Groupware)
  • 3K-Modell inkl. Beispiele

Kurs 1883 – CSCL (computer supported cooperative/collaborative learning)

  • Evaluation von Lerngruppen (Weiterführung des Beispiels Wiki-Gruppenpuzzle)
  • Gestaltung von CSCL-Anwendungen
  • Lerntheorien für CSCL

Folgende Themen waren weder meine Lieblingsthemen noch Bestandteil der Prüfung 😉

  • CSCW Architekturmodelle
  • Verteilungsschemata nach Roth
  • Workflow-Management-Systeme inkl. Geschäftsprozessse
  • Forschungsmethoden (wie z. B. Mehrebenenanalyse etc.)

So wie ausnahmslos alle meine Vorgänger berichten, ist Hr. Dr. Haake ein sehr angenehmer Prüfer. Er hilft bei Black-Outs weiter, formuliert Fragen um, wenn sie nicht verstanden werden, erhöht dann und wann graduell den Schwierigkeitsgrad und scheint gerne praktische Anwendungsfälle aus verschiedenen Perspektiven und entlang der Theorie zu diskutieren. Besonders gefallen hat mir, wie er meine Ausführung immer wieder in eine korrekte CSCL- bzw. CSCW-Fachsprache „übersetzt“ hat. In diesem Fachgespräch wäre das eigentlich meine Aufgabe gewesen, ist aber leider nicht immer gut gelungen. In der Note hat sich das nicht niedergeschlagen. Nach etwas über einer halben Stunde wurde das Prüfungsgespräch beendet. Hr. Haake und sein Beisitzer meldeten sich nach ein paar Minuten zurück und gratulierten zur bestandenen Prüfung.

Was würde ich Studenten empfehlen, die sich noch nicht für ein Wahlmodul entschieden haben, die also noch zwischen den beiden Hausarbeits-Modulen (Modul 6L: Sprachkrise, Medienwandel, Intermedialität; Modul 5B: Individualisierungsphänome in Arbeits- und Organisationsgesellschaften) und einer mündlichen Prüfung wählen müssen?

Für dieses Modul habe ich ca. 20% mehr Zeit für die Prüfungsvorbereitung investiert, als für die vorigen Module, wo ich Hausarbeiten schrieb. Die mündliche Prüfung empfand ich als stressiger als das Schreiben einer Hausarbeit. Wissenschaftliches Arbeiten wird mit Hausarbeiten viel besser eingeübt. Trotzdem war die mündliche Prüfung nicht schlecht, um wieder einmal in die Schüler-Rolle schlüpfen zu können, was Prüfungs-Situationen betrifft. Das ist für Lehrer ganz heilsam 😉

Wenn ich mich nochmals entscheiden müsste, würde ich aufgrund der äußerst interessanten CSCL-CSCW-Thematik nochmals das Informatik-Modul wählen, weil es eines der wenigen Module ist, das Sozialwissenschaft mit Informatik enger verbindet. Den Kurs „Dokumentenmanagement“ würde ich notwendigerweise in Kauf nehmen: Er ist zwar interessant, aber um konkreten Nutzen zu ziehen, müsste viel mehr praktisch mit CSS, XML etc. gearbeitet werden. Daher als Fazit: Wer mit Informatik liebäugelt, der nehme M7, wer eine Hausarbeit ähnlich den bisherigen Modulen schreiben möchte, der nehme eines der anderen beiden.

Für die Vorbereitung kann ich die Prüfungsprotokolle empfehlen, wie sie beispielsweise von der Fachschaft Informatik gesammelt werden. Dieser Blog-Beitrag ist mein Beitrag zu Sammlung.

 

Meine 15 Tablet-PC für die Berufsschule #opco12

Ende Mai dürfen wir Lehrer in der Berufsschule Wunschzettel schreiben. Diese Wunschzettel enthalten Neuanschaffungen, die im nächsten Schuljahr (vielleicht, unter Umständen und eventuell, falls es das Budget zulässt und nicht andere dringende oder länger aufgeschobenene Anschaffungen notwendig werden) genehmigt werden könnten. Wer jetzt denkt, wir sind im Paradies, dem sei dasselbe wie den Kindern zu Weihnachten gesagt: „Nicht alles, was Du auf den Wunschzettel schreibst, das bekommst du.“ (Ich brauche im Jahr 2012 nicht zu erwähnen, dass unser Budget nicht gerade üppig ist, oder?)

Aber so als Idee, als einen Wunsch ans Christkind wünsche ich mir 15 Tablet-PCs für eine Gruppe, in einem schönen Koffer, fertig zum Austeilen im Englisch- bzw. Wirtschaftskunde-Unterricht oder auch in Politischer Bildung. Ipads übersteigen unser Budget. Deshalb habe ich beispielsweise mit dem Kindle-Fire kalkuliert. Das gibt es zwar bei uns (noch) nicht, wird aber hoffentlich mit einem ähnlichen Kampfpreis wie in den USA von ungefähr EUR 200,00 pro Stück verkauft werden. Diese Preisklasse ist am ehesten vorstellbar, billiger wird’s vermutlich demnächst nicht gehen.

Spontan würde ich mit den Tablets folgendes machen:

  1. Quizlet nutzen: Auf meiner To-do Liste für nächstes Jahr steht, zusammen mit den Textverarbeitungs-Lehrern die Standard-Vokabel aller Lehrgänge von den Schülern erfassen und von den Lehrerinnen und Lehrern reviewen zu lassen und dann in quizlet einzupflegen. Schülerinnen und Schüler könnten dann mit ihren Smartphones und eben den Tablets die Words lernen.
  2. Wörterbuch: Ich schlage so gut wie nie im Offline-Wörterbuch nach, weil sowohl Geschwindigkeit, Aktualität, Preis und auch der Komfort und Service von Online-Wörterbücher unschlagbar sind.
  3. Kindle-App: Wir haben zwar nur 40-Stunden Englisch im vollgestopften Lehrgangsunterricht, aber ein paar zu lesende Buchseiten könnten wir da und dort schon einbauen. Unter Nutzung der Kindle-App inklusive Wörterbuch inklusive Sprachausgabe lassen sich vielleicht einige Schüler dazu hinreißen, auch außerhalb der Berufsschule zu lesen.
  4. Wikipedia-Recherche: Mit der Wapeida-App könnten in Politischer Bildung und in Wirtschaftskunde akkurate Informationen erarbeitet werden.
  5. Zeitungs-Apps: Das Gleiche gilt für aktuelle Nachrichten.
  6. Umfrage-App: Abstimmungen, Fragen und Feedback von Schülerinnen und Schülern, beispielsweise wie mit ARSnova, hier in frawadis Blog-Beitrag beschrieben.
  7. Lernzielkontrollen-App: Kurze, knackige Stundenwiederholungen mit Hilfe der Tablets inklusive automatischer Punktevergabe, Aufzeichnung der Lernschwächen und Weitergabe dieser (individuellen) Lernschwächen an den Lehrer bzw. der Lehrerin. Eine App dazu ist mir nicht bekannt, vielleicht gibt’s (bald) irgendein mobile-Moodle-Plugin?

Wie gerufen kamen zu diesem Thema die letzten beiden OPCO12-Sessions „Mobile Apps“ und „Tablet Computing„. Danach sah die schöne, neue Tablet-Unterrichtswelt nicht mehr ganz so wundervoll aus. Näher durchdacht, ergeben sich bei der Nutzung von Tablets neben der prekären budgetären Situation auch einige andere „Details“.

  1. Tablets sind „personal devices“. Das heißt: Normalerweise sind sie für genau einen User eingerichter, der von dort seine Mails abholt, Facebook-Status-Updates macht und twittert. Kann sein, dass ich mich irre, aber ein User-Wechsel in Android geht über „Konto entfernen“ und wieder neu anmelden. Was mit Bezahlt-Apps dabei passiert, habe ich nicht ausprobiert. Ich frage mich, ob die danach noch verfügbar sind? Alternativ könnte für ein Tablet ein Standard-Google-Account eingerichtet werden, also Tablet01 bis Tablet15.
  2. Dazu hätten wir ein noch ein ganz anderes, triviales Problem: Wenn wir kostenpflichtige Apps benötigen würden, dann bräuchten wir eine Kreditkarte. Ich glaube nicht, dass die Verwendung eines so modernen Zahlungsverfahrens in der Schulorganisation ohne Hürden möglich wäre 😉
  3. Kommen wir zur Wartung der Tablets: 15 Stück würden ja noch machbar sein. Aber ich frage mich, welche Hard- und Software benötigt wird, wenn bei einigen hundert Tablets der Akku zu laden ist oder Apps zu installieren sind. Bei 15 Stück ist das ja noch einigermaßen überschaubar, aber trotzdem aufwändig. Wie verhält sich ein PC-Netzteil, wenn wir mittels einiger USB-Hubs alle anhängen? Mein ipad@home lädt ja nicht mal, wenn ich es am leistungsstarken Home-PC anschließe…
  4. WLAN: Wir haben in der Schule ganze zwei WLAN-Router. Einer für die Lehrer, der deckt das Konferenzzimmer und 3-4 Klassenzimmer ab und einen für unsere Notebook-Klasse. Riecken hat neulich beschrieben, dass ein ordentliches WLAN doch etwas aufwändiger aufzubauen ist und einiges an Anschaffungskosten verursacht. Die Tablets sollten ja in allen Klassen einsetzbar sein, ansonsten könnten wir ja gleich einen unserer 5 EDV-Räume (bei insgesamt 9 – 11 anwesenden Klassen) belegen, das wäre dann einfacher.

Was wir also für einen Tablet Einsatz in der Schule brauchen, ist folgendes: (Hinweise mit Link, dass es das alles schon gibt, nehme ich dankend entgegen und werden mit mindestens vier lobenden Erwähnungen geahndet)

  • Eine Netzwerk-App, mit der x-Tablets installiert, verwaltet, überwacht und gesperrt werden können. (Sowas wie Air-Dropper, nur eben für Geräte-Gruppen).
  • Eine Image-Installation, wenn ein Tablet mal absäuft.
  • Die Möglichkeit, Apps zu kaufen und auf eine Geräte-Gruppe zu verteilen. Bitte mit Mengen- und Bildungsinstitutionen-Rabatt.
  • Einen Auflade-Kasten, so ähnlich wie es den für Notebooks gibt: Tablets rein in den Kasten und die laden dann bis zum nächsten Einsatz auf. Aber bitte mit intelligenter Aufladefunktion.

Für uns als Schule wäre es daher einfacher, zu einer BYOD-Politik überzugehen. Keine Tablets kaufen, sich nicht um die Wartung kümmern. Ja, nicht einmal WLAN wäre notwendig, weil meist ausreichend Datenvolumen in den Mobile-Verträgen inkludiert ist. Meist…

Die Abwälzung der Kosten auf die Schülerin bzw. den Schüler wäre bequem. Aber auch dieses Vorgehensweise bringt einige Nachteile, die Charlie Osborn schön zusammengefasst hat.

Was tun? Gehen wir zum Ausgangspunkt zurück: Die ersten Ideen, die ich mit den Tablets realisieren wollte, aus der Sicht meiner analogen Kolleginnen:

  1. Quizlet nutzen: „Du sollst sowieso nicht Vokabeln lernen lassen. Verkaufsgespräche, Texte, Phrasen. Aber keine Vokabeln!“
  2. Wörterbuch: „Ich lasse sowieso keine Wörterbücher in meinem Unterricht verwenden. Die sollen mich fragen“ oder „Die Schüler sollen ruhig mal nachschlagen. Das ABC üben. Die können das nämlich nicht mehr.“
  3. Kindle-App: „Bücher lesen? Im Unterricht in der Berufsschule? Wir kommen ja so kaum mit dem Stoff durch! Spinnst Du? Und außerdem: Was ist Kindle?“
  4. Wikipedia-Recherche: „Wikipedia stimmt nicht. Da kann jeder alles reinschreiben. Und dann haben wir diese Wikipedia-Referate, wo die Schüler das, was sie sagen nicht mal selber verstehen.“
  5. Zeitungs-Apps: „Es gibt ZIS (Zeitung in der Schule). Die kannst Du bestellen. Da haben sie was in der Hand und können was ausschneiden und aufkleben. Das ist dann was für die haptischen Lerntypen.“
  6. Umfragen-App: „Du könntest die Schüler auch die Hände heben lassen. Oder fragen. Die sitzen ja direkt vor dir.“
  7. Lernzielkontrollen-App: „Die Schüler können sowieso nicht mehr schreiben, da sollen sie wenigstens bei der Lernzielkontrolle schreiben.“ oder „Ich möchte aber mündlich prüfen, weil ich will nachfragen.“

Ja. Hm. Was nun?

Vielleicht ein paar best-practices Beispiel sammeln, beispielse hier bei Andreas Hofer.

Was brauchen wir für eine Bildung im 21. Jahrhundert?

Gestern im Club2 (ORF). Ein Satz von Marlies Krainz-Dürr, Rektorin der Pädagogische Hochschule Kärnten:

Was brauchen wir für eine Bildung für das 21. Jahrhundert, für eine multikulturelle Gesellschaft? Was heißt denn überhaupt „Bildung für Europa“?

Es ist wichtig, dass wir heute Menschen – und zwar alle Menschen – befähigen, nicht damit sie im Arbeitsprozess gut funktionieren, sondern dass sie ein gutes und sinnerfülltes Leben führen können, dass sie weltoffen sind und dass sie mit Unterschieden, mit Differenzen und mit Widersprüchen gut umgehen können  in einer friedlichen Weise. Dann können sagen, das lernt man ganz sicher nicht in einem System, das sehr früh abgrenzt, das auf Homogenität setzt und auf Selektion. Sondern das lernt man dann, indem man miteinander lebt und die Vielfalt lebt und und gemeinsam lernt. Die Schule ist dafür ein idealer Ort das zu lernen. Da brauch ich’s nicht vermitteln, dann ist das kein Unterrichtsgegenstand, sondern das ist die Form, die das Lernen in der Vielfalt, mit den Differenzen, […] mit dem Respekt vor dem Anderen, mit [..] Neugier und mit […] Offenheit ermöglicht.

Gefällt mir.

Bericht vom Bildungsforum: AustroSec – IT-Sicherheit praxisnah und leicht erklärt

„AustroSec – IT-Sicherheit praxisnah und leicht erklärt“, so nennt sich ein gemeinnütziger Verein vonMasterstudenten des Studiengangs „Sichere Informationssysteme“ an der Fachhochschule OÖ Campus Hagenberg. Am 29. 11. 2011 veranstaltete dieser Verein ein ganztägiges Bildungsforum zum Thema (IT)-Sicherheit im Alltag. Die Klammern um IT symboliseren, dass es nicht nur um Sicherheit bei Facebook, Online-Geschäften, Schutz der Kinder im Internet, Downloads/Uploads/Privatkopie, Biometrie und Handy-Spionage ging. Es wurden auch vorgeführt, wie einfach Schlösser geknackt werden können, wie das Eigenheim vor Einbrechern geschützt werden kann und wie Personen so ganz ohne IT manipuliert werden können. Hier das Tagesprogramm.

Inhaltlich ziemlich neu für mich war die 45minütige „Live-Hacking-Session“, in der neben einer Phishing-Attacke auch Sicherheitslücken beim E-Mail-Verkehr, in Facebook-Gruppen und bei ungeschützten PC’s aufgezeigt wurden:

Übernahme eines PC

Hier wurde vorgeführt, wie (relativ) leicht mit Hilfe von Skripts Sicherheitslücken bestehender IT-Systeme übernommen werden können: So wurde ein Windows XP-Rechner über die Lücke in der Druckerfreigabe via Internet komplett übernommen. Von so einem derart manipulierten PC können Dateien runter- und raufgeladen werden, ohne dass der Nutzer dies merkt. Als mögliches Szenario wurde das Raufladen von belastendem bzw. illegalem Material mit anschließender Anzeige genannt. Die Beweislast liegt dann beim Nutzer des PC, dass dieses Material nicht von ihm stammt. Allerdings wurde auch gesagt, dass mit Hilfe einer vernünftigen Firewall und einem Anti-Viren-Scanner so eine Manipulation ungleich schwieriger sei.

Facebook-Sicherheitslücke in Gruppen

Auch auf eine Sicherheitslücke in den Facebook-Gruppen wurde hingewiesen: Die Zuordnung von Personen zu einer Facebook-Gruppe ist derzeit ohne Einverständnis der betreffenden Person möglich. Mittels eines normalen Mail-Servers ist es möglich, dass im Namen dieser Person Statusmeldungen an die restliche Gruppe abgesetzt werden. Damit ist Cybermobbing Tür und Tor geöffnet: Nachrichten mit falschem, beleidigendem oder strafrechtlich relevanten Inhalt können in fremden Namen verschickt werden. Diese Sicherheitslücke in Facebook ist seit langem bekannt, wurde aber von Facebook bis dato nicht geschlossen. (Bei meinem Google-Mail-Account ist mir öfter schon aufgefallen, dass Google eine unübersehbare Warnung zeigt, wenn angezeigter und tatsächlicher Absender nicht übereinstimmen).

Dieser Vortrag war aber auch schon jener, der am technischsten war. Die anderen Vorträge waren leicht verständlich und für Menschen mit normalen oder wenig PC-Kenntnissen gedacht. Sehr gut gefallen hat mir, dass in allen Vorträgen zwar das Bewusstsein für Sicherheit gestärkt, die Technologie an sich aber nicht verteufelt und immer wieder das Positive daran hervorgehoben wurde, was bei diesen einschlägigen Vorträgen ja nicht immer ist. Oft genug habe ich erlebt oder gehört, dass sich Menschen nach einem Facebook-Sicherheits-Vortrag prompt abgemeldet (oder zumindest davon gesprochen) haben.

Das Angebot dieses Vereins gefällt mir auch deshalb so gut, weil er (Sicherheits)-Lücken in der Ausbildung der Bevölkerung schließt: Wer ist für die Ausbildung der Medienkompetenz denn zuständig bzw. wer kann dieses Wissen denn überhaupt vermitteln?

Bei den Kindern und Jugendlichen: <Vorsicht: Übertreibung> Die (überforderten) Eltern? Die (ahnungslosen) Lehrer? </Ende der Übertreibung>.

Bei der erwachsenen Bevölkerung: Das Wifi oder die Arbeiterkammer?

Bei beiden Gruppen: Radio, Fernsehen, Zeitungen, Zeitschriften und Verlage? Genau jene, die das Internet als Bedrohung des wirtschaftlichen Erfolgs begreifen und für die es (zugegeben – jedes Jahr ein klein wenig weniger) das Feindbild per se ist? Die sich auf jede Sauerei im Netz stürzen und diese ausschlachten, anstatt sinnvoll zu informieren?

Also Fazit, bevor ich mich in Rage schreibe: Zusätzlich zu saferinternet.at ist austrosec in Oberösterreich ein Verein, der unterstützt, gefördert und dessen Vorträge gut besucht werden sollten. Zum eigenen Schutz und zum Schutz der Kinder und Jugendlichen. Die Kompetenz der Vortragenden ist exzellent, das Angebot ideal für Elternvereine, Schulen und den Rest der Welt.

P. S.: Unsicheres Wischmuster bei Android-Smartphones

Grob fahrlässig bin ich auch bisher mit meinem Android-Smartphone umgegangen. Das Telefon lässt sich mittels PIN oder mittels Wischmuster am Bildschirm entsperren. Ich hatte bisher das Wischmuster eingestellt. Beim Bildungsforum wurde gezeigt, dass mit Hilfe eines Fotos des Displays und einigen Kontrast- bzw. Helligkeitsänderungen im Grafikprogramm dieses Wischmuster sichtbar gemacht werden kann. Also habe ich wieder auf PIN-Eingabe zurückgestellt.