Englisch-Unterricht: How do you feel today?

Im Englisch Unterricht war letzte Woche die Einheit „How do you feel today?“ an der Reihe. Dazu gäbe es jede Menge Wörter, Vokabellisten usw. Mit meiner Gruppe von 13 Schülerinnen und einem Schüler haben wir ein kurzes Video produziert. So sind wir vorgegangen:

  1. Ich zeigte das Video 40 expressions her.
  2. Danach fragte ich, ob die Schüler Lust hätten, auch so was zu produzieren. Das Ziel war allen bekannt: Das Video sollte auf youtube stehen und somit auch über Facebook etc verbreitet werden. Ich betonte ganz klar, dass ich niemand zwinge, da mitzumachen. Alle waren einverstanden, beim Dreh stellte sich dann heraus, dass Einzelne doch nicht gefilmt werden wollten, was natürlich okay war.
  3. Die Schüler teilten sich in Dreier-Gruppen auf und erhielten dieses Arbeitsblatt.How do you feel today. Jeder Gruppe wurden zwei Zeilen zugewiesen, von denen sie sich jeder drei Gemütszustände aussuchen konnte.
  4. A4-Blätter mit den ausgesuchten Wörtern wurden vorbereitet. Es empfiehlt sich, die Blätter auf evt. Schreibfehler zu untersuchen. Blätter aufheben, die können später zur Wiederholung verwendet werden.
  5. Eine Woche später filmten wir in knapp 35 Minuten die Sequenzen.
  6. Zuhause schnitt ich das Video, die Hintergrundmusik holten wir von www.jamendo.com. Nachdem ich einige Szenen rausgeschnitten habe, sind es nicht ganz „40 expressions“ geworden, sondern nur „almost 40 expressions“.

Das Video kann für andere (künftige) Schüler wie folgt verwendet werden:

  1. Video ansehen oder
  2. Sammeln von Wörtern, die gemerkt wurden oder
  3. Anstreichen für Wörtern auf dem Arbeitsblatt, die gesehen wurden oder
  4. Wörter im Wörterbuch nachschlagen oder
  5. einen Satz bzw. eine Situation mit diesem Wort bilden (vorlesen oder vorführen) oder
  6. eine kurze Geschichte mit x Wörtern schreiben oder
  7. ein Schüler sitzt mit dem Rücken zur Leinwand, ein anderer liest das Vokabel vor, Wort wird übersetzt oder
  8. eigenes Video drehen

Hier das Ergebnis:

(So ähnlich bin ich auch voriges Jahr bei den „40 expressions“ vorgegangen).

VHS Videos für die Schule konvertieren – so geht’s

In der Schule haben wir seit einiger Zeit ein Problem mit den VHS-Kassetten: Die alten, aber inhaltlich passablen und oft mühevoll und teuer besorgten VHS-Kassetten (z. B. vom Lebensmittelhandel oder Baustofffachhandel) werden von Jahr zu Jahr schlechter und die funktionierenden VHS-Rekorder weniger. Wenn dann Rekorder fast wöchentlich ein VHS-Band „fressen“, dann wird es Zeit, von dieser grandiosen Erfindung des Jahres 1976 auf die Technologie von heute umzusteigen.

Einige Zeit kopierten wir VHS-Kassetten auf DVD, machten aber dann schlechte Erfahrungen mit der Haltbarkeit dieser selbstgebrannten Medien, dann und wann verschwindet eine DVD, ist nicht da, wenn man sie braucht oder wird nicht wieder dort einsortiert, wo sie entnommen wurde. Außerdem haben wir an der Schule einen DVD-Player-Mangel, (fast) keinen Mangel aber mehr an Beamern. Was lag also näher, als die VHS-Kassetten zu digitalisieren und auf ein Server-Laufwerk zu stellen?

Zuerst habe ich es mit einem USB-Grabber versucht, aber relativ rasch dann aufgrund massiver Ton-Übersteuerungen wieder aufgegeben. Nun werden die Kassetten mit folgendem Equipment digitalisiert:

EMTEC Movie Cube
EMTEC Movie Cube
  1. Alter Video-Rekorder
  2. Alter Fernseher
  3. EMTEC-Movie-Cube Q500 (ein Mediaplayer mit 500GB Festplatte um ca. € 130; alternativ könnte auch ein günstigerer Mediaplayer ohne interner Festplatte, allerdings mit externer Festplatte verwendet werden – wäre vielleicht sogar praktischer)

Dabei gehen wir so vor, dass die Kollegen anhand einer Anleitung (siehe Download unten) und einer 5-Minuten-Einschulung ihre VHS-Kassetten selbst überspielen. Wir nehmen SP (short-play) nach mpg2 auf, das reicht für VHS. Die Festplatte fasst in diesem Modus über 60 Stunden Film. Die Kollegen tragen dann den Film in eine Liste nach folgender Syntax ein:

  1. Unterrichtsfach
  2. Klasse
  3. Name der Unterrichtseinheit
  4. Filmname
  5. Erscheinungsjahr
  6. Dauer in Minuten

Nach dieser Syntax finden Sie den Film später am Multimedia-Netzlaufwerk, zum Beispiel: Ordner Wirtschaftskunde, Datei: 1.Wirtschaft_Das Magische Vieleck_2008_10Min.mpg2

Eine eigene Filmverwaltungssoftware verwenden wir nicht, per Explorer kann ja prima nach aktuellen Filmen bzw. alphabetisch nach Klasse und Unterrichtseinheit sortiert werden.Wer lieber ohne Netzlaufwerk und mit dem eigenen Notebook arbeitet, dem sei PureSync (in der Gratis-Version, die reicht) zur Synchronisation von Netzlaufwerk und eigener Festplatte empfohlen.

Anschließend wird der VHS-Kassette noch ein Etikett verpasst, damit nichts versehentlich doppelt kopiert wird. Am Wochenende nehme ich den MovieCube mit nach Hause und bearbeite während meiner Unterrichtsvorbereitung nebenbei die Dateien mit einem Video-Schnittprogramm: Qualität verbessern, Rauschen entfernen usw. Dies ist beispielsweise auch notwendig, wenn die Dateien länger als 1 Stunde Laufzeit haben, dann splittet der MovieCube das File nach 2 Gigabyte und ich füge es im Schnittprogramm wieder manuell zusammen.

Der Movie-Cube kann später als Netzlaufwerk (NAS-fähig) verwendet werden, er ist WLAN-fähig und mit einem Adapterkabel kann er direkt an einen Beamer angeschlossen werden. Das heißt, der Lehrer kann später, mit Movie-Cube und Fernbedienung in die Klasse gehen und dort die Filme abspielen. Besser geeignet ist allerdings ein Net- oder Notebook mit Netzwerkzugriff.

Wenn unser Multimedia-Netzlaufwerk in einigen Monate zu klein wird, wird es wahrscheinlich notwendig werden, die Filme nach DIVX oder FLV zu konvertieren, da sie derzeit annähernd DVD-Größe haben (22Min = 800MB). Das wird dann ganz super.

Download: Anleitung VHS Video_kopieren_mit_Mediaplayer

Keynote Jim Wynn (Cisco): „It’s not a flat world – but everybody’s waking up“

Eine der für mich wertvollste Keynotes beim Innovative Education Forum in Berlin hielt Cisco-Chef Jim Wynn. In seinem VortragJim Wynn, Cisco über „Curriculum or Curriculum Architectures“ sprach er über die Veränderungen des Lernens und des Lehrens durch das Web. 1 % der Weltbevölkerung sind Lehrer, das sind ca. 60 Millionen Menschen. Eine der Kernfragen der Bildung ist, wie wir es schaffen diese Lehrer in kürzester Zeit für die Fähigkeiten des 21. Jahrhunderts fit zu bekommen? Beispielsweise sind 82% der südafrikanischen Lehrer in ICT kaum ausgebildet. Auch bei uns hat noch nicht jeder verstanden, welche Auswirkung ICT für das Klassenzimmer hat. Wird man demnächst im Unterricht hören: „Bitte schalten Sie Ihr Handy jetzt … EIN“, weil das Handy ein wichtiges Gerät für die Bildung sein wird? Diese Situation ist für uns noch nicht wirklich vorstellbar, aber wir stehen an der Schwelle und wir müssen diese Schwelle übertreten. Wynn meinte: „It’s not a flat world, but everybody’s waking up.“

Eine der wichtigsten Skills des 21. Jahrhunderts ist das „verlernen“. Lehrer müssen ihre Schüler auf kontinuierliche Veränderungen vorbereiten, wobei hier die Technik nicht das Problem ist. Die Technik ist die Lösung dafür. Grundsätzlich müssen wir uns auch andere Kriterien überlegen, die den Output von Bildung messen. Bisher prüften wir abfragbares Wissen, also jede Menge Output. Heute geht es um den Umgang mit Veränderungen, also um einen Prozess. Der messbare Output wird weniger, der Lernprozess an sich langwieriger und fordernder, weil es keine Standard-Methoden mehr gibt. Hier ein Ausschnitt der Präsentation, in der der Lernprozess früher (oben) und heute (unten) dargestellt ist:

Lernen früher und heute
Lernen früher und heute

Aber bei aller Technik-Euphorie und Ausnutzung der Möglichkeiten der ICT ist ein vernünftiges Mittelmaß zu finden. Wynn zitierte die Studie „Generation M²“ (8-18jährige), die herausfand, dass sich bei einer exzessiven Nutzung von ICT Lernergebnisse verschlechtern.

Für die nächste Zukunft gilt es, die Entscheidungsträger in der Bildung davon abzuhalten, Barrieren aufzubauen, die zeitgemäßes Lernen verhindern. Wir brauchen Partnerschaften, Individualisierung, Zusammenarbeit, Lehrer des 21. Jahrunderts die Fähigkeiten des 21. Jahrhunderts vermitteln können und … Visionen. Aber es scheint, als hielten sich viele unserer Bildungs-Manager an den Spruch von Altkanzler Helmuth Schmidt: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“.

Wikis im Unterricht – Erfahrungsaustausch

Christian Spannagel berichtet im Blog-Post „Hey, hey Wiki!“ von seinen Erfahrungen mit Wikis in der Schule. Seine Erlebnisse mit aufwändigen Anmeldungen, wo annähernd ganze Unterrichtsstunden draufgehen, habe ich ähnlich erlebt. Dass Schüler von der einen auf die andere Stunde ihr Passwort vergessen, die Wiki-Adresse nicht richtig abtippen und Probleme mit dem Zugriff auf eine Webmail-Adresse haben, das kann ich nicht nur für Schüler bestätigen. Dasselbe tritt bei Erwachsenen-Seminaren und (natürlich) auch bei Lehrer-Seminaren auf.

Trotzdem motiviert mich sein Beitrag, dieses Jahr wieder mal ein Wiki-Projekt im Unterricht zu starten. Wobei ich aufgrund der bisherigen Versuche, die hier in der Serie „Wikis in der Schule“ dokumentiert sind, noch einige Hausaufgaben machen muss. Denn die Arbeit mit einem Wiki fühlt sich für die meisten Menschen absolut ungewohnt an und daher braucht es noch einige „best practices“ um ein anständiges „Ergebnis“ zu bekommen. Einige Schüler-Aussagen während der Arbeit mit den Wikis:

  1. „Die (Rechtschreib)fehler eines anderen ausbessern? Niemals!“
  2. „Peer-Review? Forget it!“
  3. „Kreativität statt Copy-Paste? Warum denn?“
  4. „Die Benotung ist ungerecht, wenn wir alle zusammenarbeiten.“

Das alles ist sicherlich lösbar. Was ein Wiki aber für die meisten Unterrichtszwecke unbrauchbar macht ist, dass ein Wiki einzigartig sein muss. Warum?

Ich beginne mit dem (Berufsschul)lehrgang 1 an einem Wiki, beispielsweise über Wertpapiere. Der nächste Lehrgang, 10 Wochen später, arbeitet daran weiter. Dieser muss erstmal den Wissensvorsprung des Lehrgangs1 aufarbeiten, um das Wiki dann weiter bearbeiten zu können. Lehrgang3 hat zwei Wissensvorsprünge aufzuarbeiten. Unmöglich, in 40 Stunden. Wir haben ja andere Sachen auch zu tun. Ein Wiki, das immer wieder wächst, ist für (meinen) Schulbetrieb nicht geeignet. Wünschenswert, ja. Was wäre das für ein tolles Wiki nach 2 Jahren, aber nicht realisierbar. Für die Grundausbildung muss ich mit dem Wiki immer wieder von vorne anfangen und das Wiki des vorigen Lehrganges löschen. Autsch, das tu weh. Aber auch wenn ich lösche: Die Schüler haben das Wiki längst heruntergeladen uns es ihren Nachfolgern gemailt.

Daher müsste ich bei jedem Lehrgang thematisch ein neues Wiki beginnen. Aber was mache ich mit dem alten Wiki? Als Lernunterlage für die nachfolgenden Schüler? Das ist zu vergessen, das ist wie e-learning aus dem Jahr 2000, völlig unakzeptabel. E-Learning heute heißt: Inhalte erstellen. Der Weg ist das Ziel, niemals das Endprodukt. Das Endprodukt ist als Nachschlagewerk nützlich, aber nicht als Lern- oder Unterrichtsbehelf.

Einige Ideen dazu habe ich noch. Aber mit denen gehe ich bis zum nächsten Mal schwanger.

Die Ausbildung zum Digital Native? Ein Sprachen-Lernproblem!

Mein Vater hat mir heute eine Frage zu Picasa gestellt, die ich ohne Notebook  nicht beantworten konnte. Er wollte von mir wissen, was er bei der Übertragung der Daten von der Digicam auf den PC nach dem Button „Import“ auswählen muss. Ich nutze Picasa alle 6 Wochen mal, wenn die Speicherkarte meiner Digicam voll ist. Ich merke mir aber nicht, was ich wann wo auswähle. Ich mache es einfach und lerne es nicht auswendig. Bei der weiteren Diskussion wurde mir bewusst, wie verschieden wir beide digitale Anwendungen wahrnehmen. Es ist wie beim Sprachen lernen.

Nehmen wir einfach mal kurz an, dass das Lernen einer Sprache durch das Pauken von Vokabeln in Verbindung mit etlichen Grammatik-Übungen viel mühsamer und ineffizienter ist, als wenn die Sprache von klein auf gelernt wurde. Wir gehen hier auch davon aus, dass es noch keine Grammatik-Kurse für < 5jährige gibt bzw. dass jedes Kind seine Muttersprache ohne Hilfe von Kursen oder Vokabeltabellen gelernt hat und „Ich will ein Eis“ sagen kann, ohne dass es die Wörter „Subjekt“, „Prädikat“ oder „Objekt“ kennt. Aufgrund der täglichen Beschallung durch die Muttersprache hat das Kleinkind mühelos komplizierteste grammatikalische Strukturen nach wenigen Jahren automatisch verinnerlicht und kann problemlos neue Sätze bilden.

Und dann vergleichen wir diesen Annahme mit der „Kluft“ zwischen Digital Natives und Digital Immigrants. Warum scheint es für (zu) viele mühsam und fast aussichtslos, die „Sprache“ der Digital Natives zu lernen? Einige Beobachtungen von 15 – 18jährigen (die eine Kategorisierung in Natives / Immigrants nach Alter ad absurdum führen):

  1. „Das Passwort von gestern? Keine Ahnung.“
  2. „Bei mir geht das nicht. Ich habe das Passwort bei der Registrierung schon dreimal eingegeben, die Seite springt nicht weiter.“
  3. „Ich habe aber hier aufgeschrieben: Dreimal ok drücken, dann ’nicht löschen‘, dann ‚Daten übertragen‘. Und nichts geht.“
  4. „Die Facebook-Passwort-Verifizierung per Mail habe ich erhalten. Und auch gelesen.“

Was sagt der medienkompetente Digital Native bei diesen Punkten?

zu 1) „Ich hab da ein Passwort-System (optimal)  oder Kee-Pass (nett) oder immer dasselbe (schlecht).“
zu 2) „Da steht eine Fehlermeldung. In Rot. Diesen Usernamen gibt es schon. Du brauchst einen anderen.“
zu 3) „Nach dem Update geht es anders, ‚Daten übertragen‘ ist jetzt ein Symbol in der Symbolleiste.“
zu 4) „Naja, Du musst den Verifizierungs-Link in der Mail auch anklicken. Nicht nur lesen.“

Bestehende Kurs- und Unterrichtseinheiten werden von Digital-Immigrants konzipiert und sind oft nach folgendem Vorbild geschaffen:

  1. Es wird eine Applikation, z. B.: Winword, Facebook, … unterrichtet.
  2. Schritt für Schritt wird die Benutzung einzelner Funktionen erklärt und von den Teilnehmern kopiert. Alle machen zur gleichen Zeit dasselbe. Sollten sie zumindest.
  3. Aber zuvor: Die theoretischen Grundlagen. Wichtige Begriffe. Grundlegende Konzepte.
  4. Ein Leitfaden wird ausgeteilt: „Zum Bilder hochladen gehen wir auf „Bilder“, dann „Durchsuchen“, …

Bekannt? Gut? Hmm…

Vergleichen wir das mit dem Sprachen lernen:

  1. Es wird ein Thema, z. B.: Farben, das Haus, … unterrichtet.
  2. Schritt für Schritt werden einzelne Vokabeln erklärt und von den Teilnehmern nachgesprochen.
  3. Aber zuvor: die Grammatik. Einzelne Sätze. Ein sinnloser Kurzdialog.
  4. Eine Vokabelliste und einige Beispielsätze werden ausgeteilt: „Billys Hose ist blau.“, …

Bekannt? Ja? Gut? Hmmm…

Erwarten wir nach dieser Lektion, die Sprache sprechen zu können? Wohl nur sehr, sehr eingeschränkt. Wenn wir uns anschließend in der Fremdsprache verständigen wollen, dann sind wir ziemlich hilflos, vor allem, wenn wir uns krampfhaft nur an das klammern, was wir gelernt haben. Bei einer Vorstellungsrunde können wir danach maximal die Farbe unserer Hosen beschreiben. Wohl etwas dürftig…

Eine Sprache lernt man nicht nach einem 40-Stunden-Crashkurs. Der Umweg über Grammatik und Vokabel-Pauken ist sinnlos, da sogar gute Schüler diese Vokabeln kurz nach dem Test vergessen, die schlechteren kurz vorher. Erinnert Sie das an Ihren letzten Excel-Kurs, der vorigen e-learning-Fortbildung oder der Web-Based-Training-Weiterbildung?

Zum Sprachen lernen muss man sich der Sprache aussetzen: in der Fremdsprache hören, sprechen, denken und schreiben. @Papierland beschreibt hier, wie sich eine Digital Native der digitalen Sprache aussetzt: Am besten ein konkretes Problem, eine Aufgabe lösen.

So erlernt man die Sprache der Digital Natives, wobei hier „Sprache“ immer mit „benutzen können“ und im weitesten Sinne mit „Medienkompetenz“ gleichgestellt ist: Ein „40-Stunden-Internet-für-Anfänger-und-leicht-Forgeschrittene“-Kurs kann nur ein dürftiger Anfang sein. Die Sprache der Digital Natives erlernt man nicht, indem man sich Facebook, Google-Docs oder WordPress ansieht oder das Buch eines Zaungastes darüber liest. Sondern, indem man sie sich alles ansieht, was es so gibt, einige Schwerpunkte setzt und dranbleibt. Das kostet Zeit, viel Zeit, dazu braucht es die Bereitschaft, diese zu investieren und die Sprache ständig zu pflegen.

Um bei der Sprachen-Analogie zu bleiben: Wer pflegt eine Fremdsprache ständig im Alltag? Nur der, der sie beruflich benötigt oder der sie als sein Hobby betrachtet. Sprachen pflegt man am besten gemeinschaftlich, in Gruppen. Im digitalen Bereich spricht man hier von sozialen Netzwerken.

Aus diesem Grund ist beispielsweise das häufige benutzte Facebook für Digital Immigrants die wahrscheinlich beste (und überdies kostenlose) Bildungseinrichtung für Medienkompetenz des Jahres 2010. Facebook verbindet eine konkrete Problemlösung (Kommunikation mit Menschen) mit Alltag mit dem Training von Medienkompetenz (Fotos hochladen, Texte schreiben, Interface-Katastrophen, Datenschutz-Diskussionen, etc).

Web2.0-Anwendungen von heute sehen morgen schon wieder ganz anders aus. Aber die Grundstruktur, die bleibt immer gleich. Wenn Digital Immigrants diese Grundstuktur, dieses „Gefühl“ für digitale Mechanismen verinnerlicht haben, dann können sie auch mit künftigen digitalen Anwendungen umgehen. So wie jeder auch ohne Grammatik-Unterricht problemlos sagen kann: Ich google, du googelst, wir haben gegoogelt… (oder haben Sie das so  im Deutsch-Unterricht gehört?). Die Grammatik, das heißt: die (wissenschaftliche) Schritt-für-Schritt-Analyse, die sollten wir jenen überlassen, deren Job es eigentlich wäre, die digitalen Anwendungen benutzerfreundlicher zu gestalten und weiterzuentwickeln. Die anderen müssen sie nur anwenden können, das genügt völlig.

Update:  @stwaidele meint gerade: „#Ausbildung zum #Digitalnative ist so wie Ausbildung zum #NativeSpeaker – #Gehtnicht. (Steckt auch schon im verwendeten Bild)“

Recht hat er. Eine Ausbildung zum „Native Speaker“ ist eher schwierig. Darum müsste es heißen: „Ausbildung zum Digital Inhabitant“. Dieser #kruse Begriff ist aber (noch) nicht so verbreitet.

Antiatom-Schulwettbewerb: Unser Beitrag

Der „Don’t vote“-Clip zur Präsidentenwahl 2008 habe ich neulich in Politischer Bildung (4 Wochenstunden, 10 Wochen Lehrgang) zum Thema „Wahlrecht“ verwendet. Der Clip ist so aufgebaut, dass berühmte Schauspieler gemäß Drehbuch den Zusehern sagen sollen, dass es keinen Sinn hat, wählen zu gehen. Obwohl der Regisseur ihnen erklärt, dass diese Aussage sarkastisch gemeint ist, weigern sie sich, dieses Statement abzugeben. Im Mittelteil lässt der Regisseur den Schauspielern das sagen, was sie wirklich glauben und daraufhin hagelt es Argumente, warum die Zuseher wählen gehen sollen.

Diese Story haben wir für einen Beitrag zum Anti-Atom Schulwettbewerb von antiatomszene.info zum Vorbild genommen. Die SuS wurden vor Weihnachten zwei Unterrichtseinheiten lang mit einem ARTE-Film über Atommüll, ergänzt mit einigen Zeitungsartikeln, vorbereitet. Jede Woche erwähnte ich im Unterricht den Wettbewerb, um die Schüler auf das Thema neugierig zu machen, ohne aber die Idee zu verraten. Augen und Ohren sollten automatisch groß werden, wenn sie irgendwo das Thema aufschnappten.

Einige Wochen später führte ich im Unterricht beim Thema „Wahlrecht“ den „Geh nicht wählen„-Clip vor. Kurz vor dem Pausenklingeln bat ich die Schüler, darüber nachzudenken, ob sie sich vorstellen könnten, diesen Clip auf das Thema „Atommüll“ umlegen zu können. Nach weiteren zwei Wochen „Sicker-Phase“ starteten wir los:

  1. Jeder Schüler bekam drei Streifen Papier: Am ersten Streifen sollte ein Argument für Atomkraft, am zweiten eine Idee für ein besonderes Element im Clip und am dritten Streifen zwei Argumente gegen Atommüll gesammelt werden. Nachdem kaum wer auf Kommando kreativ sein kann, war die Idee, die Streifen immer bei sich zu haben und Einfälle zu notieren. Geklappt hat dies nicht so richtig.
  2. Die Schüler hatten in dieser Unterrichtseinheit noch 25 Minuten Zeit, sich selbst zu organisieren: Vorgehensweise, Rollen, Kamera, Drehort, usw.
  3. Die Folgewoche war vollgestopft mit zwei externen Vortragenden und einer Leistungskontrolle. Ich vertraute darauf, dass einige engagierte Schülerinnen und Schüler sich Gedanken über das Vorhaben machten. Das wiederum hat gut geklappt.
  4. In der letzten Lehrgangswochen nahmen wir uns dann drei Unterrichtseinheiten für das Drehen des Clips Zeit. Drei bis vier besonders engagierte SuS übernahmen Kamera, Regie und Assistenz und manchmal habe ich selbst das Geschehen leicht in die eine oder andere Richtung gelenkt. Die SuS wussten, dass das Video auf Youtube erscheinen wird. Niemand wurde gezwungen, vor die Kamera zu treten. Wer nicht wollte, kam in die Gruppe, die Slogans für die Schauspieler kreierte.
  5. Mangels Schnittprogramm in der Schule habe ich das Video an einem stürmischen Winterabend von 20 Minuten Rohmaterial auf knapp 4 Minuten zusammengeschnitten. Quick and dirty. Vielleicht hat einer der SuS bis zum Einsendetermin im April Lust, das Video noch selbst neu zu schneiden.

Und hier ist das Ergebnis:

Ach ja: Danke an die Schülerinnen und Schüler für die tolle Arbeit!

Gleichgültige Schwämme?

„Sind Sie sich darüber im Klaren, dass täglich etwa fünfhundert Stunden Radio und Fernsehen über die verschiedenen Kanäle verbreitet werden? Wenn Sie nicht schlafen und nichts anderes tun würden, könnten Sie nicht einmal ein Zwanzigstel der Unterhaltung verfolgen, die per Knopfdruck verfügbar ist! Kein Wunder, dass die Menschen gleichgültige Schwämme geworden sind, die alles aufnehmen, aber niemals selber etwas erschaffen. Wussten Sie, dass die Menschen jetzt im Durchschnitt drei Stunden täglich fernsehen? Bald werden sie überhaupt kein eigenes Leben mehr haben. Es wird eine Vollbeschäftigung sein, die verschiedenen Familienserien im Fernsehen zu verfolgen!“

Kommt Ihnen bei diesem Text etwas seltsam vor? Ja? Zum einen sind das die 500 Stunden Radio und Fernsehen, die täglich gesendet werden. Das wäre ja nur knapp 24 Sender, bei einem 24-Stunden-Programm. Also viel zu wenig. Und wie viele Stunden sieht der Durchschnittsoberösterreicher fern? Wirklich drei Stunden täglich? Tatsächlich sehen 66 % eine bis drei Stunden täglich fern (BIMEZ-Studie 2009).

Geschrieben hat diesen Text Arthur C. Clarke im Roman „Die letzte Generation“, und zwar im Jahr 1953. Was ist aus uns geworden, nach über 50 Jahren Fernsehen? Gleichgültige Schwämme? Können wir es uns noch vorstellen, tagtäglich 2 – 3 Stunden vor der Kiste zu sitzen und passiv zu konsumieren? Greifen wir zum Buch oder zur Zeitung, wenn „gerade nichts im Fernsehen ist“?

Oder läuft nebenbei das Net- oder Notebook und der Fernseher ist nur Hintergrundkulisse. Oder sehen wir uns gezielt Beiträge via TV-Thek an und genießen dabei, nicht warten zu müssen, bis der spannende Beitrag, den wir sehen wollen, endlich kommt. Oder lieben wir es, auch am nächsten oder übernächsten Tag via Internet versäumte Beiträge anzusehen, weil wir gestern oder vorgestern was besseres zu tun hatten,  als um 22:30 einzuschalten oder den Rekorder zu programmieren. Mögen wir es, im Zug fernzusehen, beim Umsteigen das Programm anzuhalten und dann wieder weiterzumachen? Oder stellen wir uns unser eigenes Programm mittels DVD,  Podcasts, Hörbücher und Blogs zusammen und verzichten weitgehend auf den Programmredakteuer, der fünfzig Jahre lang bestimmt hat, was uns heute, jetzt und hier zu interessieren hat?

Oder produzieren wir sogar selbst Content via Youtube, Facebook, Twitter, Flickr, Friendfeed, schreiben in Blogs, Wikis und WasDaNochKommenMag. Und ist das hier ein weiterer Science-Fiction Beitrag oder die Wirklichkeit? Für wen ist das die Wirklichkeit?

Nach einer Microsoft-Studie wird im Juni 2010 das Verhältnis Fernsehen – Internet kippen: Wir Europäer werden erstmals mehr Zeit im Internet als vor dem Fernseher verbringen. Im Durchschnitt.

Gleichgültige Schwämme? Ja, das war vielleicht mal. Geschichte.