Buchrezension: Arne Ulbricht: Nicht von dieser Welt

arne-ulbricht_nicht_von_dieser_welt_umschlag_druckAls vor einigen Jahren Bloggen noch in Mode war, habe ich irgendwo einen Beitrag gelesen, der Lehrer in zwei Kategorien einteilt: In kalifornische und in koreanische Lehrer. Die kalifornischen Lehrer stelle man sich als braungebrannte Surfer-Typen in Shorts vor, die in lockerer und freundschaftlicher Atmosphäre in angenehmer Umgebung Jugendlichen den Lernstoff vermitteln. Der Typus „koreanischer Lehrer“ wurde als Krawattenträger beschrieben, in dessen Unterricht vor allem Disziplin, Drill und Kälte vorherrscht. Leider finde ich diesen Beitrag nicht mehr. Er war wohl auch nicht ganz politisch korrekt.

Im ersten Roman von Arne Ulbricht „Nicht von dieser Welt“ wird der 36jährige Deutsch- bzw. Englisch Lehrer Heinz erstmalig nach dem Referendariat angestellt. Seine eher „kalifornischen“ Ideale treffen bereits am ersten Tag auf eine „koreanische“ Kollegin.

Diese Kollegin ist resolut, laut, gut vernetzt, weiß das Meiste, verbreitet alles und tuschelt häufig und gerne. Wir kennen, glaube ich, diese Menschen, die immer sofort hysterisch nach ernsten Konsequenzen und strikten Verboten brüllen. Die gibt es bei politischen Parteien und die gibt es natürlich auch in Konferenzzimmern. Im Buch ist es die Frau Huber, die sich die Junglehrerin Petra nach „koreanischen“ Werten erzogen hat und diese Linie nun auch von Heinz erwartet.

Ihr Ratschlag an seinem ersten Tag: „Sie müssen die Schüler dringend aufstehen lassen und jede Unachtsamkeit sofort ahnden! Schüler mögen nur die Lehrer, die hart und gerecht sind, vor den lieben Lehrern, die nichts verlangen, haben sie keinen Respekt!“

Im ersten Teil des Buches findet sich jede Schule garantiert wieder. Wer nicht Lehrer ist, der erlebt hier typisches (fast klischeehaftes) Lehrer-, Schüler- und Elternverhalten. Der zweite Teil gleitet langsam in eine mögliche, aber realistische Fiktion und der dritte hebt dann endgültig ab. Genauso beim Lesen: Den ersten Teil habe ich eher amüsiert gelesen, der zweite Teil fesselte mich und für Teil 3 wurde dann spätnachts doch noch Kaffee gebraut, weil Schlaf keine Option gewesen wäre. Ich frage mich, ob der Autor Teil 1 stückchenweise während der Schulzeit geschrieben hat und dann in der Ferienzeit den Rest im Flow geschrieben hat.

Achtung Spoiler:

Heinz scheitert an seinen Schülern. Frau Huber und ihre Fans helfen tatkräftig mit. Ist das Buch nun ein Plädoyer für Strenge und Disziplin im Klassenzimmer? Hat Frau Huber eigentlich Recht? Ist es ein Ratgeber für die Schulbehörden, doch gefälligst Lehrer koreanischen Typs anzustellen, weil die kalifornischen mit den heutigen Schülern heillos überfordert sind? Oder meint Ulbricht, dass Lehrer sich im Klassenzimmer authentisch bleiben sollten? Oder geht es um die unheilvolle Kombination von Schulsystem, verhaltensoriginellen Lehrer- Eltern- und Schülertypen, Drogen- und Alkoholmissbrauch? Ist es eine Warnung an renitente Schülerinnen? Oder ist es einfach nur ein spannender Thriller? Hinweise finden sich in Ulbrichts Sachbüchern „Lehrer: Traumberuf oder Horrorjob“, „Schule ohne Lehrer“ und „Lehrer, ein unverschämt attraktiver Beruf“.

In zwei Wochen ist wieder Schule. Ich brauche jetzt irgendeine motivierende Bücherkombination für den Start. Sowas wie „Positive Pädagogik“, „Gewalfreie Kommunikation“ und „Im Alltag Ruhe finden“ . Bogenschießen wollte ich auch noch. Aber das lasse ich jetzt doch lieber bleiben.

Hinweis: Das Buch wurde vom Klak Verlag via Literaturtest als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt.

Meine 15 Tablet-PC für die Berufsschule #opco12

Ende Mai dürfen wir Lehrer in der Berufsschule Wunschzettel schreiben. Diese Wunschzettel enthalten Neuanschaffungen, die im nächsten Schuljahr (vielleicht, unter Umständen und eventuell, falls es das Budget zulässt und nicht andere dringende oder länger aufgeschobenene Anschaffungen notwendig werden) genehmigt werden könnten. Wer jetzt denkt, wir sind im Paradies, dem sei dasselbe wie den Kindern zu Weihnachten gesagt: „Nicht alles, was Du auf den Wunschzettel schreibst, das bekommst du.“ (Ich brauche im Jahr 2012 nicht zu erwähnen, dass unser Budget nicht gerade üppig ist, oder?)

Aber so als Idee, als einen Wunsch ans Christkind wünsche ich mir 15 Tablet-PCs für eine Gruppe, in einem schönen Koffer, fertig zum Austeilen im Englisch- bzw. Wirtschaftskunde-Unterricht oder auch in Politischer Bildung. Ipads übersteigen unser Budget. Deshalb habe ich beispielsweise mit dem Kindle-Fire kalkuliert. Das gibt es zwar bei uns (noch) nicht, wird aber hoffentlich mit einem ähnlichen Kampfpreis wie in den USA von ungefähr EUR 200,00 pro Stück verkauft werden. Diese Preisklasse ist am ehesten vorstellbar, billiger wird’s vermutlich demnächst nicht gehen.

Spontan würde ich mit den Tablets folgendes machen:

  1. Quizlet nutzen: Auf meiner To-do Liste für nächstes Jahr steht, zusammen mit den Textverarbeitungs-Lehrern die Standard-Vokabel aller Lehrgänge von den Schülern erfassen und von den Lehrerinnen und Lehrern reviewen zu lassen und dann in quizlet einzupflegen. Schülerinnen und Schüler könnten dann mit ihren Smartphones und eben den Tablets die Words lernen.
  2. Wörterbuch: Ich schlage so gut wie nie im Offline-Wörterbuch nach, weil sowohl Geschwindigkeit, Aktualität, Preis und auch der Komfort und Service von Online-Wörterbücher unschlagbar sind.
  3. Kindle-App: Wir haben zwar nur 40-Stunden Englisch im vollgestopften Lehrgangsunterricht, aber ein paar zu lesende Buchseiten könnten wir da und dort schon einbauen. Unter Nutzung der Kindle-App inklusive Wörterbuch inklusive Sprachausgabe lassen sich vielleicht einige Schüler dazu hinreißen, auch außerhalb der Berufsschule zu lesen.
  4. Wikipedia-Recherche: Mit der Wapeida-App könnten in Politischer Bildung und in Wirtschaftskunde akkurate Informationen erarbeitet werden.
  5. Zeitungs-Apps: Das Gleiche gilt für aktuelle Nachrichten.
  6. Umfrage-App: Abstimmungen, Fragen und Feedback von Schülerinnen und Schülern, beispielsweise wie mit ARSnova, hier in frawadis Blog-Beitrag beschrieben.
  7. Lernzielkontrollen-App: Kurze, knackige Stundenwiederholungen mit Hilfe der Tablets inklusive automatischer Punktevergabe, Aufzeichnung der Lernschwächen und Weitergabe dieser (individuellen) Lernschwächen an den Lehrer bzw. der Lehrerin. Eine App dazu ist mir nicht bekannt, vielleicht gibt’s (bald) irgendein mobile-Moodle-Plugin?

Wie gerufen kamen zu diesem Thema die letzten beiden OPCO12-Sessions „Mobile Apps“ und „Tablet Computing„. Danach sah die schöne, neue Tablet-Unterrichtswelt nicht mehr ganz so wundervoll aus. Näher durchdacht, ergeben sich bei der Nutzung von Tablets neben der prekären budgetären Situation auch einige andere „Details“.

  1. Tablets sind „personal devices“. Das heißt: Normalerweise sind sie für genau einen User eingerichter, der von dort seine Mails abholt, Facebook-Status-Updates macht und twittert. Kann sein, dass ich mich irre, aber ein User-Wechsel in Android geht über „Konto entfernen“ und wieder neu anmelden. Was mit Bezahlt-Apps dabei passiert, habe ich nicht ausprobiert. Ich frage mich, ob die danach noch verfügbar sind? Alternativ könnte für ein Tablet ein Standard-Google-Account eingerichtet werden, also Tablet01 bis Tablet15.
  2. Dazu hätten wir ein noch ein ganz anderes, triviales Problem: Wenn wir kostenpflichtige Apps benötigen würden, dann bräuchten wir eine Kreditkarte. Ich glaube nicht, dass die Verwendung eines so modernen Zahlungsverfahrens in der Schulorganisation ohne Hürden möglich wäre 😉
  3. Kommen wir zur Wartung der Tablets: 15 Stück würden ja noch machbar sein. Aber ich frage mich, welche Hard- und Software benötigt wird, wenn bei einigen hundert Tablets der Akku zu laden ist oder Apps zu installieren sind. Bei 15 Stück ist das ja noch einigermaßen überschaubar, aber trotzdem aufwändig. Wie verhält sich ein PC-Netzteil, wenn wir mittels einiger USB-Hubs alle anhängen? Mein ipad@home lädt ja nicht mal, wenn ich es am leistungsstarken Home-PC anschließe…
  4. WLAN: Wir haben in der Schule ganze zwei WLAN-Router. Einer für die Lehrer, der deckt das Konferenzzimmer und 3-4 Klassenzimmer ab und einen für unsere Notebook-Klasse. Riecken hat neulich beschrieben, dass ein ordentliches WLAN doch etwas aufwändiger aufzubauen ist und einiges an Anschaffungskosten verursacht. Die Tablets sollten ja in allen Klassen einsetzbar sein, ansonsten könnten wir ja gleich einen unserer 5 EDV-Räume (bei insgesamt 9 – 11 anwesenden Klassen) belegen, das wäre dann einfacher.

Was wir also für einen Tablet Einsatz in der Schule brauchen, ist folgendes: (Hinweise mit Link, dass es das alles schon gibt, nehme ich dankend entgegen und werden mit mindestens vier lobenden Erwähnungen geahndet)

  • Eine Netzwerk-App, mit der x-Tablets installiert, verwaltet, überwacht und gesperrt werden können. (Sowas wie Air-Dropper, nur eben für Geräte-Gruppen).
  • Eine Image-Installation, wenn ein Tablet mal absäuft.
  • Die Möglichkeit, Apps zu kaufen und auf eine Geräte-Gruppe zu verteilen. Bitte mit Mengen- und Bildungsinstitutionen-Rabatt.
  • Einen Auflade-Kasten, so ähnlich wie es den für Notebooks gibt: Tablets rein in den Kasten und die laden dann bis zum nächsten Einsatz auf. Aber bitte mit intelligenter Aufladefunktion.

Für uns als Schule wäre es daher einfacher, zu einer BYOD-Politik überzugehen. Keine Tablets kaufen, sich nicht um die Wartung kümmern. Ja, nicht einmal WLAN wäre notwendig, weil meist ausreichend Datenvolumen in den Mobile-Verträgen inkludiert ist. Meist…

Die Abwälzung der Kosten auf die Schülerin bzw. den Schüler wäre bequem. Aber auch dieses Vorgehensweise bringt einige Nachteile, die Charlie Osborn schön zusammengefasst hat.

Was tun? Gehen wir zum Ausgangspunkt zurück: Die ersten Ideen, die ich mit den Tablets realisieren wollte, aus der Sicht meiner analogen Kolleginnen:

  1. Quizlet nutzen: „Du sollst sowieso nicht Vokabeln lernen lassen. Verkaufsgespräche, Texte, Phrasen. Aber keine Vokabeln!“
  2. Wörterbuch: „Ich lasse sowieso keine Wörterbücher in meinem Unterricht verwenden. Die sollen mich fragen“ oder „Die Schüler sollen ruhig mal nachschlagen. Das ABC üben. Die können das nämlich nicht mehr.“
  3. Kindle-App: „Bücher lesen? Im Unterricht in der Berufsschule? Wir kommen ja so kaum mit dem Stoff durch! Spinnst Du? Und außerdem: Was ist Kindle?“
  4. Wikipedia-Recherche: „Wikipedia stimmt nicht. Da kann jeder alles reinschreiben. Und dann haben wir diese Wikipedia-Referate, wo die Schüler das, was sie sagen nicht mal selber verstehen.“
  5. Zeitungs-Apps: „Es gibt ZIS (Zeitung in der Schule). Die kannst Du bestellen. Da haben sie was in der Hand und können was ausschneiden und aufkleben. Das ist dann was für die haptischen Lerntypen.“
  6. Umfragen-App: „Du könntest die Schüler auch die Hände heben lassen. Oder fragen. Die sitzen ja direkt vor dir.“
  7. Lernzielkontrollen-App: „Die Schüler können sowieso nicht mehr schreiben, da sollen sie wenigstens bei der Lernzielkontrolle schreiben.“ oder „Ich möchte aber mündlich prüfen, weil ich will nachfragen.“

Ja. Hm. Was nun?

Vielleicht ein paar best-practices Beispiel sammeln, beispielse hier bei Andreas Hofer.

Bericht vom Bildungsforum: AustroSec – IT-Sicherheit praxisnah und leicht erklärt

„AustroSec – IT-Sicherheit praxisnah und leicht erklärt“, so nennt sich ein gemeinnütziger Verein vonMasterstudenten des Studiengangs „Sichere Informationssysteme“ an der Fachhochschule OÖ Campus Hagenberg. Am 29. 11. 2011 veranstaltete dieser Verein ein ganztägiges Bildungsforum zum Thema (IT)-Sicherheit im Alltag. Die Klammern um IT symboliseren, dass es nicht nur um Sicherheit bei Facebook, Online-Geschäften, Schutz der Kinder im Internet, Downloads/Uploads/Privatkopie, Biometrie und Handy-Spionage ging. Es wurden auch vorgeführt, wie einfach Schlösser geknackt werden können, wie das Eigenheim vor Einbrechern geschützt werden kann und wie Personen so ganz ohne IT manipuliert werden können. Hier das Tagesprogramm.

Inhaltlich ziemlich neu für mich war die 45minütige „Live-Hacking-Session“, in der neben einer Phishing-Attacke auch Sicherheitslücken beim E-Mail-Verkehr, in Facebook-Gruppen und bei ungeschützten PC’s aufgezeigt wurden:

Übernahme eines PC

Hier wurde vorgeführt, wie (relativ) leicht mit Hilfe von Skripts Sicherheitslücken bestehender IT-Systeme übernommen werden können: So wurde ein Windows XP-Rechner über die Lücke in der Druckerfreigabe via Internet komplett übernommen. Von so einem derart manipulierten PC können Dateien runter- und raufgeladen werden, ohne dass der Nutzer dies merkt. Als mögliches Szenario wurde das Raufladen von belastendem bzw. illegalem Material mit anschließender Anzeige genannt. Die Beweislast liegt dann beim Nutzer des PC, dass dieses Material nicht von ihm stammt. Allerdings wurde auch gesagt, dass mit Hilfe einer vernünftigen Firewall und einem Anti-Viren-Scanner so eine Manipulation ungleich schwieriger sei.

Facebook-Sicherheitslücke in Gruppen

Auch auf eine Sicherheitslücke in den Facebook-Gruppen wurde hingewiesen: Die Zuordnung von Personen zu einer Facebook-Gruppe ist derzeit ohne Einverständnis der betreffenden Person möglich. Mittels eines normalen Mail-Servers ist es möglich, dass im Namen dieser Person Statusmeldungen an die restliche Gruppe abgesetzt werden. Damit ist Cybermobbing Tür und Tor geöffnet: Nachrichten mit falschem, beleidigendem oder strafrechtlich relevanten Inhalt können in fremden Namen verschickt werden. Diese Sicherheitslücke in Facebook ist seit langem bekannt, wurde aber von Facebook bis dato nicht geschlossen. (Bei meinem Google-Mail-Account ist mir öfter schon aufgefallen, dass Google eine unübersehbare Warnung zeigt, wenn angezeigter und tatsächlicher Absender nicht übereinstimmen).

Dieser Vortrag war aber auch schon jener, der am technischsten war. Die anderen Vorträge waren leicht verständlich und für Menschen mit normalen oder wenig PC-Kenntnissen gedacht. Sehr gut gefallen hat mir, dass in allen Vorträgen zwar das Bewusstsein für Sicherheit gestärkt, die Technologie an sich aber nicht verteufelt und immer wieder das Positive daran hervorgehoben wurde, was bei diesen einschlägigen Vorträgen ja nicht immer ist. Oft genug habe ich erlebt oder gehört, dass sich Menschen nach einem Facebook-Sicherheits-Vortrag prompt abgemeldet (oder zumindest davon gesprochen) haben.

Das Angebot dieses Vereins gefällt mir auch deshalb so gut, weil er (Sicherheits)-Lücken in der Ausbildung der Bevölkerung schließt: Wer ist für die Ausbildung der Medienkompetenz denn zuständig bzw. wer kann dieses Wissen denn überhaupt vermitteln?

Bei den Kindern und Jugendlichen: <Vorsicht: Übertreibung> Die (überforderten) Eltern? Die (ahnungslosen) Lehrer? </Ende der Übertreibung>.

Bei der erwachsenen Bevölkerung: Das Wifi oder die Arbeiterkammer?

Bei beiden Gruppen: Radio, Fernsehen, Zeitungen, Zeitschriften und Verlage? Genau jene, die das Internet als Bedrohung des wirtschaftlichen Erfolgs begreifen und für die es (zugegeben – jedes Jahr ein klein wenig weniger) das Feindbild per se ist? Die sich auf jede Sauerei im Netz stürzen und diese ausschlachten, anstatt sinnvoll zu informieren?

Also Fazit, bevor ich mich in Rage schreibe: Zusätzlich zu saferinternet.at ist austrosec in Oberösterreich ein Verein, der unterstützt, gefördert und dessen Vorträge gut besucht werden sollten. Zum eigenen Schutz und zum Schutz der Kinder und Jugendlichen. Die Kompetenz der Vortragenden ist exzellent, das Angebot ideal für Elternvereine, Schulen und den Rest der Welt.

P. S.: Unsicheres Wischmuster bei Android-Smartphones

Grob fahrlässig bin ich auch bisher mit meinem Android-Smartphone umgegangen. Das Telefon lässt sich mittels PIN oder mittels Wischmuster am Bildschirm entsperren. Ich hatte bisher das Wischmuster eingestellt. Beim Bildungsforum wurde gezeigt, dass mit Hilfe eines Fotos des Displays und einigen Kontrast- bzw. Helligkeitsänderungen im Grafikprogramm dieses Wischmuster sichtbar gemacht werden kann. Also habe ich wieder auf PIN-Eingabe zurückgestellt.

Schygulla – Filmprojekt einer Hauptschule

Frau_He hat den Beitrag „Hautpschüler als Schauspieler“ zwar schon im Juli gepostet, ich bin aber (trotzdem) erst jetzt darauf gestoßen. Ein sensationelles Filmprojekt mit Schülern der Schule am Botanischen Garten, Hann Münden. Insbesondere die Szene mit dem Bewerbungsgespräch lässt sich prima für Unterrichtszwecke einsetzen, ebenso ist das Film ein tolles Beispiel zum Thema „Arbeiten im Team“.

Viel Vergnügen!

Harry Potter und die Luftkammer des Schreckens

2. Klasse Volksschule  – Sachunterricht – Das Ei.

Meine Tochter hat  nächste Woche darüber einen Test. Wie lernt man das „Ei“? 10x durchlesen und dann auswendig können? Das machen viele – bis zur Uni. Aber es ginge auch anders:

1) Zuerst zeichnet sie das Ei neu. Mit verschiedenen Farben. Von innen nach außen.

2) Dann zählt sie die Begriffe. 8 Begriffe sind zu lernen.

3) Sie schreibt (mit denselben Farben) die Begriffe zur Zeichnung dazu. In der Reihenfolge von außen nach innen. Wir sprechen über die Begriffe: Was ist Kalk? Hart oder weich? Ist Eiweiß weiß? Wieviele Häute hat das Ei (Dotterhaut und Schalenhaut). Es gibt die KalkSCHALE und die  SCHALENhaut. Was heißt keimen? Pflanzen können keimen, Keime in Wunden sind zu vermeiden usw. Aus der Keimscheibe wächst ein Küken. Wir suchen Merkwürdigkeiten, Gemeinsamkeiten, Erfahrungen zu den einzelnen Begriffen.

4) Dann nummerieren wir die Begriffe von außen nach innen, von 1 bis 8.

(1) Kalkschale
(2) Lufkammer
(3) Schalenhaut
(4) Hagelschnur
(5)Eiweiß
(6) Dotterhaut
(7) Dotter
(8) Keimscheibe

5) Zuletzt erfinden wir eine Geschichte:

Wir reisen mit einem Raumschiff durch das All. Wir sind auf der Suche nach dem Geheimnis des Lebens. Plötzlich empfangen wir ein Funksignal. „SOS“ – save our souls – rette unser Seelen. Wir rasen darauf zu und prallen plötzlich von einer riesigen (1) Kalkschale ab. Beim zweiten Versuch setzen wir unseren Raumschiff-Bohrer ein und bohren uns durch die Kalkschale durch und kommen in die (2) Luftkammer. Dort sitzt ein Junge. „Who are you – wer bist Du“ fragen wir. „I’m Harry Potter – Ich bin Harry Potter“ sagt der. Voldemort hat ihn in der Luftkammer des Schreckens eingesperrt und er sendete das SOS. „Please rescue me – bitte rettet mich“ sagt Harry  Potter. Aber zuvor müsst ihr noch das Geheimnis des Lebens in diesem Ei entdecken. Ihr lässt Harry Potter einsteigen und ihr bohrt euch mit dem Raumschiff durch die (3) Schalenhaut und kommt in einen langen Tunnel, die (4) Hagelschnur. Wenn ihr links und rechts aus dem Fenster guckt, sehr ihr nur milchiges (5) Eiweiß. Am Ende des Tunnels schießt ihr durch die (6) Dotterhaut und landet im (7) Dotter. Alles gelb, nichts zu sehen. Aber nach einigen Minuten könnt ihr mit Hilfe von Harry Potter das Geheimnis des Lebens finden: Die (8) Keimscheibe, aus der später neues Leben entsteht. Ihr verladet sie ins Raumschiff und reist zurück: Durch den (7) Dotter, die (6) Dotterhaut, das (5) Eiweiß, das ihr durch die (4) Hagelschnur bereist. Ihr durchbohrt abermals die (3) Schalenhaut, kommt durch die (2) Luftkammer des Schreckens, wo ihr Harry Potter gerettet habt und durch das Loch in der (1) Kalkschale zurück ins All, wo ihr auf eurem Heimatplaneten als Helden empfangen werdet.

6) Die Geschichte immer wieder erzählen. Allerdings geschieht das dann in Kurzform: Raumschiff durchbohrt Kalkschale, kommt in Luftkammer, durchbohrt Schalenhaut, Hagelschnur – Blick nach draußen: nur Eiweiß usw. Besonders effektiv: Vor dem Einschlafen wiederholen. Am besten: davon träumen.

Häufigstes Gegenargument dieser Technik (bei meinen Berufsschülern): „Da brauche ich ja viel länger zum Lernen, weil ich ja eine Geschichte erfinden und zeichnen muss.“ Das kann sein, allerdings bringt diese Technik auch einigeVorteile:

  • Durch den strukturierten Aufbau wird kaum ein Element vergessen.
  • Das Erfinden einer eigenen Geschichte ist ein Erfolgserlebnis und weckt positive Emotionen.
  • Diese Emotionen (Dopamin) verstärken den Lerneffekt.
  • Das Erzählen der Geschichte einer anderen Person verstärkt den Lerneffekt nochmal.
  • Geschichtenerfinden übt die kreative Problemelösung.  („Was mache ich nun, wie geht’s weiter“)

Letztendlich ist diese Variante die menschlichere Art, etwas zu lernen. 10x, 20x durchlesen ist pauken, roboterhaftes, stupides Wiederholen. Das können Haustiere auch. Unsere Kinder brauchen nur den Mut, sich menschlichere Lernformen anzueignen. Die TAZ zitiert drei finnische Lehrerinnen: „Gutes Lernen ist wie Sex. Entweder leidenschaftlich – oder mechanisch und ohne Gefühl.“ Dem ist nichts hinzuzufügen 😉

(Dieser Beitrag ist Vera F. Birkenbihl gewidmet, die derzeit im Krankenhaus liegt. Gute Genesung! Die Lernenden brauchen Sie, Fr. Birkenbihl.)

Neues Podcast-Projekt gestartet: Österreichisch für Englischsprachige

Im Englisch-Unterricht startete ich mit drei Klassen gegen Ende des vorigen 10-Wochen-Lehrgang eine neue Podcast-Serie, in der einige oberösterreichische Dialektwörter auf Englisch erklärt und geübt werden. Die Serie nennt sich „Austrian-German as a second language podcast“, kurz AGSL, und ist auf agsl.posterous.com und bald im itunes-Store abonnierbar.

Warum dieses Thema?

  1. Als Tourist liebe ich es, einige Brocken der örtlichen Landessprache zu beherrschen. Der AGSL-Podcast ist gut dazu geeignet, einige sehr, sehr typische Wörter aus Oberösterreich zu lernen. Das möglicherweise meist verwendete Wort für diesen Zweck in Oberösterreich könnte „Oachkatzlschwoaf“ (=Eichhörnchenschweif) sein. Kaum ein hochdeutsch- oder andersprachiger Tourist, der beim Kontakt mit Einheimischen nicht irgendwann gezwungen wird, dieses Wort auszusprechen.
  2. Im Unterricht wird bei dieser Übung die Kreativität, Schreib-, Lese- und Sprachkompetenz in Zweier-Gruppen trainiert. Und natürlich: Der Fun-Faktor ist in diesem Fall nicht vernachlässigbar!
  3. Nachem der Wirtschaftskunde-Podcast ganz gut lief, wollte ich eine etwas internationalere Serie starten, um auszuprobieren, wie viele Zugriffe diese im Vergleich zu einem rein deutschsprachigen Angebot hat. Für die beteiligten Schülerinnen und Schüler und für mich wird es interessant werden, in welchen Ländern die Podcasts gehört werden. Auf posterous wird dies mittels Google-Analytics und Feedburner auf einfachste Weise möglich gemacht.

Die Idee, einen englischsprachigen Podcast zu erstellen hatte ich schon länger. Was fehlte, war ein knackiges Thema. Es sollte ein Thema sein, dass

  1. kurze Podcasts von maximal 1 – 2 Minuten Dauer,
  2. eine einfache Sprache erlaubt, was sowohl Satzbau als auch Aussprache betrifft,
  3. den Schülern größtmögliche Gestaltungsfreiheit lässt und
  4. trotz alledem dem Zuhörer einen gewissen Unterhaltungswert oder sogar Nutzen bringt.

Die größten Bedenken hatte ich bezüglich Aussprache und Grammatik, weil meine Schülerinnen und Schüler sehr unterschiedliche Sprachniveaus aufweisen. Letztendlich habe ich aber dann beschlossen, das alles nicht so eng zu sehen, Fehler zuzulassen und den Focus auf eine rasche und einfache Produktionsweise (quick & dirty) zu legen.

Ein Mindestmaß an Qualitätssicherung halten wir allerdings trotzdem bei der Vorgehensweise ein:

a) Schülerinnen und Schüler überlegen sich ein Dialektwort (möglichst aus ihrem Heimatort) und klären das mit mir ab. Ich habe eine Liste mit den bisher verwendeten Worten bzw. bremse ein, wenn das Wort zu wüst gewählt ist.

b) In Zweier- bzw. maximal Dreiergruppen erstellen Schülerinnen und Schüler einen Text und tippen diesen in ein neu angelegtes Titanpad (www.titanpad.com). Als Syntax hat sich http://www.titanpad.com/Klassenname + Katalognummer bewährt. Die Schülerinnen und Schüler sollten Online-Wörterbücher wie www.dict.cc und www.linguee.de verenden. Zusätzlich erhalten sie einen ausgedruckten Muster-Podcast, in dem die zu verwendenden Intro-Sätze enthalten sind und der eine gewisse Leitlinie ist, was den Aufbau des Podcasts betrifft.

Die Regeln für die Erstellung sind ganz einfach:

  • einer/eine pro Gruppe tippt
  • Dialektwort bzw. Dialektsatz tippen
  • Introtext einfügen (lt. Muster-Podcast)
  • hauptsächlich Present tense verwenden
  • Teil einbauen, wo der Hörer das Vorgesprochene nachsprechen muss (“Repeat after me”)
  • E-Mail + Klasse ins titanpad reintippen
  • Vermerk, ob der Podcast anonym, mit Namen oder mit Nickname erscheinen soll

c) Danach wird der Podcast einer anderen Gruppe vorgesprochen. Feedback bzw. Verbesserungsvorschlägen fallen hier meist ziemlich dürftig aus.

d) Mittels Etherpad überprüfe ich bis zur nächsten Woche den Text und bessere ggf. das Gröbste aus, lasse aber (und das ist wichtig!!) ansonsten den Text unverändert. Schließlich sollte das Ganze ein Werk der Schülerinnen und Schüler bleiben!!

e) Eine Woche später wird der Podcast aufgenommen. Für jeden Sprecher und für mich habe ich einen Ausdruck vorbereitet. Während des Aufsprechens markiere ich mit Leuchtstift eventuelle Aussprachefehler oder Unsicherheiten und lasse diese im Anschluss gleich nochmal verbessert sprechen. Diese Leuchtstift-Unterlage hilft später beim Schneiden, da ersichtlich ist, welche Passagen öfter verbessert gesprochen wurden.

Die produzierten Podcasts werden aus organisatorischen Gründen von mir geschnitten. Das liegt einerseits daran, dass Audio-Bearbeitung in unserer Berufsschule in kein Unterrichtsfach passt und es so gut wie nicht vorkommt, dass sich ein Schüler bereit erklärt, die Podcasts in seiner Freizeit zu schneiden. Mittlerweile finde ich mich damit ab und benötige für einen Podcast-Schnitt (wenn Intro und Drumherum festgelegt sind) knappe fünf bis zehn Minuten. Das macht dann insgesamt einen Zeitaufwand von zwei Unterrichtseinheiten plus die benötigte Zeit für’s Schneiden. Mehr ist auch oft nicht drinnen in unserem strikten Lehrplan, wo das Stoffgebiet für jede einzelne der 40 Unterrichtseinheiten (abzüglich 10 % möglicher Entfall) festgegelegt ist.

Die Serie wird ab sofort, sofern keine wichtigen dienstlichen Gründe („Das kannst Du im Englisch-Unterricht nicht machen!!“) im wöchentlichen Abstand erscheinen. Material ist genug vorhanden, das reicht locker bis Mitte September und die Dialektworte … die gehen uns auch nicht aus.

European Podcast Award – 3. Rang in Österreich

Alle guten Dinge sind drei: Nachdem der „Wirtschaftskunde-Podcast“ der Berufsschule Rohrbach 2008 beim dem lernm[it]-Wettbewerb des Landes Oberösterreich und 2009 beim Lörnie-eContent-Award des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur mit dem 1. Rang in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde, folgte jetzt die dritte Prämierung:

Beim European Podcast Award erreichte die Serie in Österreich den 3. Rang in der Kategorie „Non-Profit“. Die Sieger wurden durch eine internationale Jury und durch User-Voting ermittelt. Herzlichen Dank an alle, die für uns gestimmt haben!!

Der „Wirtschaftskunde-Podcast“ wird ausschließlich von Schülerinnen und Schülern der Berufsschule Rohrbach produziert und beinhaltet auszugsweise den Lehrstoff der 1. und 2. Klasse des kaufmännischen Unterrichts für Berufsschulen. Er ist kostenlos über itunes (itunes-Store -> Podcasts -> Berufsschule Rohrbach) und über unseren posterous-Medienblog abonnierbar.

Nachdem ich auch gerade im Rahmen des Master-Lehrgangs eEducation an der Fernuni Hagen beim Schreiben einer Hausarbeit über diese Projekt bin, hier einige Anmerkungen, Erkenntnisse und Gedanken, die sich im Laufe der letzten drei Jahre beim Erstellen dieser Serie ergeben haben:

  1. Die Produktion von Podcasts im Berufsschul-Unterricht findet unter ständigem Zeitdruck statt. Da es sich nicht zielführend erwiesen hat, die Unterrichtsinhalte anhand der Podcasts zu erarbeiten, sondern diese reflektierend und für bereits behandelte Inhalte zu erstellen, fehlt die Produktionszeit von fünf Unterrichtseinheiten in den anderen Stoffgebieten, was immerhin 12,5 % der Lehrgangszeit entspricht. Deshalb müssen bei der Aufnahme fachliche Fehler bezüglich Inhalt ausgeräumt sein, eine nochmalige Aufnahme ist aufgrund der schwierigen Zeitsituation kaum möglich. Andererseits lernen Lehrende und Lernende damit, effizient mit einem Zeitbudget umzugehen.
  2. Die vielzitierte „relativ einfache technische Produktion von Podcasts“ kann ich nicht bestätigen. Ich freue mich schon auf den ersten Schüler bzw. Schülerin, die es übernimmt, die Podcasts auch zu schneiden, Sound-Effekte hinzuzufügen und dazu das nötige Feingefühl für Copyright & Urheberrechte an den Tag zu legen. Diese Skills auch noch im Wirtschaftskunde-Unterricht zu vermitteln, übersteigt das Zeitbudget und den Rahmen des Erlaubten bei Weitem. Eine Kooperation mit Informatik ist leider nicht möglich: Groß- und Einzelhändler haben dieses Fach nicht, Bankkaufleute haben es nur im zweiten Lehrjahr – und dort auch kaum Zeit dafür, schließlich müssen die dort in knapp 40 Stunden Excel, Powerpoint, Access, Grundlagen Hard- und Software und Web-Anwendungen kennenlernen. Und ein wenig Datenschutz, gesellschaftliche Aspekte etc.
  3. Bei Podcast-Produktionen im Unterricht gab es erstaunlicherweise kaum Motivationsprobleme und sehr selten Unterrichtsstörungen. Gerade Klassen, die im normalen Unterricht als „schwierig“ galten, waren unerwartet motiviert, produktiv und interessiert.
  4. Die erstellten Podcasts sollten als Lernhilfe für Schüler, als Unter-richtseinstieg oder zur Wiederholung verwendet werden. Diese Intention brachte nicht den erwarteten Erfolg. Die Akzeptanz der Podcasts als Lernhilfe für Schüler war enttäuschend gering. Auch Lehrer-Kollegen verwenden die erstellten Podcasts nicht. Wohl deshalb, weil bis dato nur eine von knapp 40 Kolleginnen und Kollegen einen MP3-Player im Unterricht verwendet.

Für die nähere Zukunft sollten die Podcasts der Berufsschule Rohrbach einem internationalerem Publikum zugänglich gemacht werden. Diese Idee entstand vor allem beim Microsoft-Innovative-Education Forum in Berlin, wo deutschsprachige Teilnehmer (und Prämierungen) in der Minderheit waren. Englisch als Podcast-Sprache erscheint als der logische nächste Schritt und stellt eine Herausforderung für den Fremdsprachenunterricht dar, da die Qualitätssicherung und die Peer-Review ungleich höhere kognitive Leistungen erfordern als eine deutschsprachige Produktion. Einerseits könnten die bestehenden Podcasts übersetzt und neu gesprochen werden, andererseits steht die Idee im Raum eine völlig neue Serie zu kreieren, deren Arbeitstitel derzeit … ja… das wird hier nicht verraten. Nur so viel: Nächste Woche geht’s los.