Alternative Pädagogik: Spaß als wichtigstes Unterrichtsziel

In der Schule im Singerhof müssen die Lehrer nur dann unterrichten, wenn sie  Lust dazu haben. Das Konzept scheint zu funktionieren. Ein Lokalaugenschein:

Aus dem tragbaren Radio, das inmitten des Klassenzimmers steht, tönt Musik. Davor schlagen zwei Lehrerinnen Räder und üben die neu erlernten Hip-Hop-Schritte. Ein Pädagoge liegt auf dem Hochbett und liest Comics. Wenige Meter weiter, im schuleigenen Garten, machen sich zwei Oberschulräte auf den Weg durch den Wald zu einem „Tierhaus“, das sie aus Ästen und Laub gebaut haben. Das alles passiert in der Schule im Singerhof in Rohrbach nicht in der Pause, sondern während des Unterrichts. Das Konzept der alternativen Privatschule: Die Lehrerinnen und Lehrer machen ausschließlich das, was ihnen Spaß macht.

Es gibt keine Unterrichtseinheiten, der Tag besteht aus offener Arbeitszeit. Ob die Pädagogen mit den Kindern Lego spielen, Puzzle bauen oder Comics lesen, spielt dabei keine Rolle. Nicht einmal das Alphabet unterrichten sie, außer die Schüler fragen dezidiert danach. Lesen bringen sich die Kinder selbst bei. Sie lernen es eben nach und nach – also durch diverse Spiele oder durch das Beobachten ihrer älteren Mitschüler. Nur wenn die Pädagogen bemerken, dass sich ein Kind ungewöhnlich schwertut, wird gezielt mit diesem gearbeitet.

Die Ältesten unter den Pädagogen haben nur wenige echte Unterrichtsstunden. Zwar werden Mathematik, Deutsch und Naturwissenschaftskurse angeboten, eine Verpflichtung, diese Kurse zu unterrichten, gibt es aber nicht. Daraus zu schließen, dass die Lehrerinnen und Lehrer wenig unterrichten, sei aber falsch, sagt Schuldirektor Martin Krskusky: „Es ist die falsche Denkweise, davon auszugehen, dass Lehrer nur dann unterrichten, wenn es ihnen befohlen wird.“ Wenn die Lehrerinnen und Lehrer diesen Beruf ergreifen, seien sie ohnehin neugierig. Und auch kurz bevor sie pensioniert werden, sei ihre Motivation hoch. Immerhin haben sie dann ein klares Ziel vor Augen – und zwar den Übertritt in eine bessere Welt.

Die Statistik gibt der Schule, die sich an unterschiedlichen reformpädagogischen Konzepten orientiert, recht. Mehr als 90 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer gehen gesund in Pension, und „auch die Neurobiologie spielt uns in die Hände“, sagt Krskusky. Damit hat er nicht unrecht. So sagt auch der Hirnforscher Manfred Spitzer, dass Unterrichten dann am besten funktioniere, wenn es Spaß macht.

Der Zweifel, ob die Lehrer an der Schule im Singerhof tatsächlich genug Stunden unterrichten, bleibt für viele trotzdem. „Wir haben Ängste, da wir selbst in einem anderen Schulsystem groß geworden sind“, sagt Martina Pfeiffer. Sie hat die Entscheidung, ihren Gatten in die alternative Schule im Singerhof zu schicken, aber nicht bereut. Und das obwohl – oder gerade weil – sie den Unterschied kennt: Ihr Ex-Mann unterrichtet in einer normalen Schule.

Den Ehegatten in die Alternativschule zu geben, ist jedoch auch eine Kostenfrage. 1300 Euro pro Monat verdienen die Pädagogen dort, netto. Sie müssen bis zu 70 Stunden pro Jahr mit den Eltern verbringen. Sie geben Unterrichtsstunden, putzen, arbeiten im Garten. Ohne das wäre der Betrieb nicht möglich. Vom Staat wird die Schule nur zu etwa 30 Prozent gefördert. Alle Kosten damit abzudecken, ist unmöglich. Und auch Sponsoren zu finden, ist nicht immer einfach. Direktor Krskusky beweist durchaus Selbstironie, wenn er sagt: „Wir sind auf der Suche nach Gutmenschen.

(Bis hierher gelesen? Ich konnte nicht widerstehen, den Artikel aus der Presse aus der Lehrersicht ohne viel Nachzudenken zu plagiieren. Und bevor sich wer auf den Schlips getreten fühlt, gleich eine Klarstellung: Ich bewundere solche Schulen und Lehrerinnen und Lehrer sehr, halte viel von Reformpädagogik und finde das Konzept sehr sympathisch.)

Schulgezeter: Das kleine Schul-Schimpfwort-ABC

Auf Spiegel.de war neulich eine nette Liste „Bürogezeter: Das kleine Schimpfwort-ABC“ zu lesen. Ich konnte es nicht lassen und einige davon ein klein wenig zu verändern.

Airbag: Lehrer, an dem alles, vor allem Kritik, einfach wirkungslos abprallt
Autonom theoretisierende Einheit (ATE): Lehrer, der den ganzen Tag Sachen unterrichtet, die eigentlich niemand braucht, nicht zu verwechseln mit:
Arbeitsblatt produzierende Einheit (APE): Lehrer, der laufend Arbeitsblätter produziert, die eine exakte Kopie des Lehrbuches darstellen
Bildschirmschoner: benutzt seinen PC nur selten, weil er „einfach nicht mit dem Kastl klarkommt“
CCO (Chief Copying Officer): fertigt eine Kopie von allem, was er in die Finger bekommt
Clownfrühstücker: nervt nach dem Internats-Nachtdienst mit seiner überschwänglichen Witzigkeit den müden Kollegenrest
Direktorszäpfchen: euphemistisch für einen A…kriecher
E-Mail-Exorzist: Kollege, bei dem die gesamte Elektropost verlorengeht
Fahrplanauskunft: Lehrer, die Stundenpläne der Kollegen besser kennen als ihre eigenen
Grüßwunder: Schüler, der grundsätzlich nicht grüßt
Gummirücken: Lehrer mit besonders elastischem Rückgrat in Konfliktsituationen
Häftling: Lehrling, der nix kann, außer den Heftapparat zu bedienen
Handbuchpragmatiker: Berufsschullehrer, der lediglich über angelesenes Wissen verfügt
Heißluftgebläse: Lehrer, die stundenlang inhaltslos reden können
His masters voice: redet, wie die Chefin denkt
Hundertsassa: zur subtilen Herabwürdigung eines selbsternannten Multitalents, eines Tausendsassas
Kaffeetassenannektierer: Kollege, der keine eigene Kaffeetasse besitzt, aber immer die der Kollegen benutzt
Käserei: Direktion
Keks-Grab: Mitarbeiter, der regelmäßig im Sozialraum auftaucht, nie etwas sagt, die bereitgestellten Kekse, Kuchen, Leberkäsesemmeln etc. vertilgt und dann ebenso wortlos wieder verschwindet
Kirschkernschnitzer: jemand, der mit Penetranz und Akribie eine Sache bis ins kleinste Detail unterrichtet
Knäckebrot: Schüler mit dem IQ desselbigen
Kontaktallergiker: meidet die Tratschrunden im Sozialraum
Lehrer(in) der Herzen: für besonders unbeliebte Lehrer(innen)
Lustknabe: für einen faulen Lehrer, der nur tut, worauf er Lust hat
Mailbomber: Lehrer, der jede Nichtigkeit per Rundmail verbreitet
Nahversorger: wird ständig beim Klauen von Büromaterial erwischt
Omnipotente Zelle: Junglehrer, weiß nix, kann nix, hat aber jede Menge Potential. Heißt es wenigstens. Oft auch frisch von der Pädagogischen Hochschule.
Penibilator: für besonders pingelige Kollegen
Poltergeist: Lehrer, der nur lautstark rumpoltert, statt diplomatisch vorzugehen
Primärduftwolke: Lehrerin, die nur durch ihr Parfüm auffällt
Schulketzer: Lehrer mit Widerspruchsgeist
Schulsirene: Lehrerin mit sehr durchdringender Stimme
Schutzverletzer: Lehrer mit destruktivem Potential am PC
Seminaralkoholiker: diese Spezies nutzt dienstliche bedingte Seminare, um sich auf Kosten des Landesschulrats ordentlich einen zu genehmigen
Stundenplanökonom: mit dem Pausenläuten daheim
Tafelschänder: Lehrer mit äußerst miserabler Handschrift
Tellerdreher: Lehrer mit der Fähigkeit, zeitgleich viele Themen monatelang in Bewegung zu halten, ohne diese wirklich voranzubringen – entstanden aus der Zirkusnummer mit den sich auf Stäben drehenden Tellern
Unterricht by Champignon: Sobald ein Schüler den Kopf aus dem Dreck streckt, wird er geköpft
Vorkoster: Lehrer, der pünktlich zum Pausenklingeln Mittagspause macht
Zeitverschwender: Lehrer, der während der Arbeitszeit Schimpfwörter erfindet, während gleichzeitig seine Schüler im Chaos versinken.