European Podcast Award – 3. Rang in Österreich

Alle guten Dinge sind drei: Nachdem der „Wirtschaftskunde-Podcast“ der Berufsschule Rohrbach 2008 beim dem lernm[it]-Wettbewerb des Landes Oberösterreich und 2009 beim Lörnie-eContent-Award des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur mit dem 1. Rang in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde, folgte jetzt die dritte Prämierung:

Beim European Podcast Award erreichte die Serie in Österreich den 3. Rang in der Kategorie „Non-Profit“. Die Sieger wurden durch eine internationale Jury und durch User-Voting ermittelt. Herzlichen Dank an alle, die für uns gestimmt haben!!

Der „Wirtschaftskunde-Podcast“ wird ausschließlich von Schülerinnen und Schülern der Berufsschule Rohrbach produziert und beinhaltet auszugsweise den Lehrstoff der 1. und 2. Klasse des kaufmännischen Unterrichts für Berufsschulen. Er ist kostenlos über itunes (itunes-Store -> Podcasts -> Berufsschule Rohrbach) und über unseren posterous-Medienblog abonnierbar.

Nachdem ich auch gerade im Rahmen des Master-Lehrgangs eEducation an der Fernuni Hagen beim Schreiben einer Hausarbeit über diese Projekt bin, hier einige Anmerkungen, Erkenntnisse und Gedanken, die sich im Laufe der letzten drei Jahre beim Erstellen dieser Serie ergeben haben:

  1. Die Produktion von Podcasts im Berufsschul-Unterricht findet unter ständigem Zeitdruck statt. Da es sich nicht zielführend erwiesen hat, die Unterrichtsinhalte anhand der Podcasts zu erarbeiten, sondern diese reflektierend und für bereits behandelte Inhalte zu erstellen, fehlt die Produktionszeit von fünf Unterrichtseinheiten in den anderen Stoffgebieten, was immerhin 12,5 % der Lehrgangszeit entspricht. Deshalb müssen bei der Aufnahme fachliche Fehler bezüglich Inhalt ausgeräumt sein, eine nochmalige Aufnahme ist aufgrund der schwierigen Zeitsituation kaum möglich. Andererseits lernen Lehrende und Lernende damit, effizient mit einem Zeitbudget umzugehen.
  2. Die vielzitierte „relativ einfache technische Produktion von Podcasts“ kann ich nicht bestätigen. Ich freue mich schon auf den ersten Schüler bzw. Schülerin, die es übernimmt, die Podcasts auch zu schneiden, Sound-Effekte hinzuzufügen und dazu das nötige Feingefühl für Copyright & Urheberrechte an den Tag zu legen. Diese Skills auch noch im Wirtschaftskunde-Unterricht zu vermitteln, übersteigt das Zeitbudget und den Rahmen des Erlaubten bei Weitem. Eine Kooperation mit Informatik ist leider nicht möglich: Groß- und Einzelhändler haben dieses Fach nicht, Bankkaufleute haben es nur im zweiten Lehrjahr – und dort auch kaum Zeit dafür, schließlich müssen die dort in knapp 40 Stunden Excel, Powerpoint, Access, Grundlagen Hard- und Software und Web-Anwendungen kennenlernen. Und ein wenig Datenschutz, gesellschaftliche Aspekte etc.
  3. Bei Podcast-Produktionen im Unterricht gab es erstaunlicherweise kaum Motivationsprobleme und sehr selten Unterrichtsstörungen. Gerade Klassen, die im normalen Unterricht als „schwierig“ galten, waren unerwartet motiviert, produktiv und interessiert.
  4. Die erstellten Podcasts sollten als Lernhilfe für Schüler, als Unter-richtseinstieg oder zur Wiederholung verwendet werden. Diese Intention brachte nicht den erwarteten Erfolg. Die Akzeptanz der Podcasts als Lernhilfe für Schüler war enttäuschend gering. Auch Lehrer-Kollegen verwenden die erstellten Podcasts nicht. Wohl deshalb, weil bis dato nur eine von knapp 40 Kolleginnen und Kollegen einen MP3-Player im Unterricht verwendet.

Für die nähere Zukunft sollten die Podcasts der Berufsschule Rohrbach einem internationalerem Publikum zugänglich gemacht werden. Diese Idee entstand vor allem beim Microsoft-Innovative-Education Forum in Berlin, wo deutschsprachige Teilnehmer (und Prämierungen) in der Minderheit waren. Englisch als Podcast-Sprache erscheint als der logische nächste Schritt und stellt eine Herausforderung für den Fremdsprachenunterricht dar, da die Qualitätssicherung und die Peer-Review ungleich höhere kognitive Leistungen erfordern als eine deutschsprachige Produktion. Einerseits könnten die bestehenden Podcasts übersetzt und neu gesprochen werden, andererseits steht die Idee im Raum eine völlig neue Serie zu kreieren, deren Arbeitstitel derzeit … ja… das wird hier nicht verraten. Nur so viel: Nächste Woche geht’s los.

Rechtsformen der Unternehmen – die Podcasts

Hier ein paar neue Podcasts aus dem Wirtschaftskunde-Unterricht über die Rechtsformen von Unternehmen. Unser Schulbuch vermittelt diese Themen in tabellarischer Form mit den Spalten „Begriff“, „Firma“, „Leitung“, „Haftung“, „Beteiligung“ und „Gewinnverteilung“. Trockener geht das fast nicht mehr, da ist sogar der „echte“ Gesetzestext spannender.

Meine Schüler konnten sich gruppenweise einzelne Rechtsformen aussuchen und hatten die Aufgabe, in 3 Stunden einen Podcast zu produzieren, der den Lernstoff auf unterhaltsame Weise vermitteln, vertiefen oder wiederholen sollte. Zuvor vermittelte ich überblicksweise den Stoff anhand einer Mind-Map in einer Unterrichtsstunde frontal. Dabei konzentrierte ich mich auf das Wesentliche wie Leitung und Haftung.

Ideenfindung und Grobkonzeption der Podcasts erfolgte von den Schülern selbstständig in einer Vertretungsstunde. Danach sprach ich mit den einzelnen Gruppen über Ihre Vorhaben gab grünes Licht für die Realisierung. Die Rohfassung wurde in Anwesenheit der Schülerkollegen gesprochen und Feedback gegeben. Danach sprachen die einzelnen Gruppen Ihre Versionen auf meinen privaten iPod, wenn gewünscht in einer leerstehenden Klasse. Die Vorgehensweise habe ich vor zwei Jahren schon hier beschrieben, die hat sich nicht gravierend geändert.

Zum Schneiden der Podcasts habe ich mit etwas Glück einmal im Jahr das Fach Informatik. Deshalb schneidet meist eine andere Schülergruppe die Rohfassung und wir stellen diese dann auf unser Podcast-Portal unter http://bsrohrbach.podhost.de. Das ist auch der Grund, warum mein Lieblings-Podcast „Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker“ jetzt etwas out-of-date ist.

Hier nun die Podcasts über die Rechtsformen:

  1. Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker (AG)
  2. Prüfung über Rechtsformen
  3. Millionenshow
  4. Unternehmensgründung
  5. Quiz über die KG
  6. Die Stille Gesellschaft von Anneliese Braun

Als Draufgabe gab es von der Gruppe noch einen Podcast über die drei dümmsten Stundungsansuchen beim Thema Zahlungsverzug.

Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker
Das Team "Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker"

Alle Podcasts stelle ich anonym auf die Portale, habe aber Namen, Fotos und E-Mail Adressen der Schüler, um diese bei passenden Wettbewerben einzureichen. Derzeit bin ich noch auf der Suche nach einem vernünftigen Podcast-Portal, wo die einzelnen Podcasts verschlagwortet oder nach Themen gruppiert übersichtlich und evt. mit Foto kostenlos abgelegt werden können. Bis dahin muss es eine Wikispaces-Seite tun.

Unterrichtsidee zur Lebensmittelkrise

„Politische Bildung“ ist an unserer Schule ein eher ungeliebtes Unterrichtsfach – seitens der Lehrer. Ein Grund könnte sein, dass es in vielen Fächern Gruppenteilungen mit maximal 15 Schülern gibt, in Politischer Bildung aber nicht. Ein Grund könnte auch sein, dass das Fach sehr offen für aktuelle Beiträge ist, das ist nicht jedermanns Sache. Drittens habe ich den Eindruck, dass die Wertigkeit des Faches unterschätzt wird: Klar ist es vieeeel wichtiger, eine Devisenrechnung zu beherrschen oder auf Englisch 20 Fleischsorten aufzählen zu können, als Grundlegendes über unser Wahlsystem oder Vorteile der EU zu kennen (die Nachteile wissen sie ja alle).

Zur Lebensmittelkrise habe ich mit zwei Klassen Podcasts erstellt. Basis war eine herrliche Samstag-Ausgabe des Standards von neulich, in der fast 30 Artikel zur Lebensmittelkrise enthalten waren. Das ist das Ergebnis:

Podcast der 1aBau4 (Baustofffachberater) und der 1dEHS4 (Spar-Lehrlinge).

So sind wir vorgegangen:

  1. Als Einstieg zeigte mein Kollege supplierenderweise zwei kurze Filmsequenzen über die Lebensmittelkrise. Ein ARTE-Beitrag („Mit offenen Karten“) und eine Beitrag des ORF-Weltjournals. Die Schüler hatten die Aufgabe, die Hauptursachen der Lebensmittelkrise aus diesen Beiträgen herauszuhören. Die Filmsequenzen sammle ich laufend auf DVD. Alternativ sehe ich bei youtube oder veoh.com nach. Eine beeindruckende Aufstellung gibt es auch bei rustylime „Family food expenditures around the world„, die habe ich aber eben erst entdeckt.
  2. Gemeinsam mit einem Partner bearbeiteten die Schüler dann je einen Artikel aus dem Standard. Sie erhielten folgenden Arbeitsauftrag:

    Bearbeiten Sie mit ihrem Partner einen der zur Verfügung gestellten Zeitungsartikel zur Lebensmittelkrise. Gehen Sie dabei so vor:

    a. Lesen Sie ihn und unterstreichen Sie wichtige Abschnitte mit Bleistift
    b. Markieren Sie nun 7 – 9 Schlüsselbegriffe mit Leuchtmarker und die Erklärungen dazu mit grünem Fine-Liner (Farbe ist egal)
    c. Notieren Sie auf einem „Schwindelzettel“ die 7 – 9 Schlüsselbegriffe. Außer diesen Begriffen dürfen auf dem Schwindelzettel nur Zahlen, Zeichen, Symbole und kleine Zeichnungen stehen.
    d. Versuchen Sie nun, Ihrem Partner den Inhalt des Artikels anhand des Schwindelzettels zu erzählen.
    e. Ihr Partner erzählt Ihnen nun den Inhalt des Artikels noch mal.
    f. Trennen Sie sich und besuchen Sie jeder mindestens zwei Gruppen, denen Sie den Inhalt des Artikels erzählen.

  3. Danach bereiteten die Schüler fünf bis zehn prägnante Statements ihres Artikels vor, den wir dann als Podcast aufnahmen. Zuletzt noch einige „Effekte“, wie zB das Wort „Lebensmittelkrise“ gemeinsam gebrüllt. Fertig. Naja. Fast. Das Podcast-Schneiden blieb noch bei mir, soweit sind manche Digital-Natives dann doch noch nicht 😉 und im Unterricht haben wir keine Zeit dafür.

Zeitaufwand: 2 Stunden für Filmchen und Artikelbearbeitung, 1 Stunde für die Aufnahme inklusive Probe, zwei Stunden für mich für den Podcast-Schnitt.

Was mache ich mit den Podcasts?

  • Unterrichtseinstieg für andere Klassen
  • Wissens-Quiz-Spiel und anschließend Podcast zur Beantwortung
  • Demo für Podcasts anderer Themengebiete (zB Erdöl, Wählen mit 16, Arbeitsrecht, …)
  • Nostalgische Erinnerung in 30 Jahren

Ein letzter Satz: Die Aufgabe eines Lehrers sollte aber nicht unbedingt sein, Zukunftsängste zu schüren. Als Ausgleich für die doch heftige Problematik der Lebensmittel eignet sich das wunderbar positive Interview von Christian Hehenberger bei SWR1 Leute. Der sagt:

„Wir gehen in das interessanteste, spannendste und wertvollste Jahrzehnt, das wir seit 1945 erleben durften.“

Hört sich doch gut an.

Podcasts in der Berufsschule

BS Rohrbach PodcastIm Fach Wirtschaftskunde erstellte ich mit Schülern der 2. Bankklasse vier Podcasts zum Thema Zahlungsverzug. Die grundsätzliche Intention dabei war:

  1. weitgehende selbstständige Erarbeitung des Unterrichtsstoffes
  2. Ausleben von Kreativität oder „verborgenen“ Talenten
  3. spielerisches Erlernen des Unterrichtsstoffes
  4. Verwendung der erstellten Podcasts zum Wiederholen und Vertiefen des Lernstoffes

Die Vorgehensweise habe ich hier geplant. Die enthaltenen Zeitangaben wurden problemlos eingehalten. Lediglich das Schneiden der Podcasts stellte in den vier verfügbaren Informatik-Stunden ein Problem dar, hier musste ich bei den letzten Feinheiten letztendlich teilweise selbst ran, was aber kein gravierender Zeitaufwand mehr war.

Aber beginnen wir von vorne:

Die Schüler nahmen die Idee zur Erstellung eines Podcasts erfreut auf, niemand wurde dazu gezwungen. Wir bildeten vier Dreier-Gruppen, das Thema wurde den Gruppen per Zufall zugeteilt, die Schüler wollten das so. Die Erarbeitung der Themen mit Hilfe des Buches war problemlos, die erste Gruppe nahm ihren Podcast nach 50 Minuten Planung schon auf, die letzte Gruppe holte dies eine Wochen später nach, da ein Mitglied erkrankt war. Aufgenommen habe ich die Podcasts mit einem iPod Nano 2GB (den ich mir blöderweise neulich bei Amazon um € 179,00 fünf Wochen vor Erscheinung des neuen iPods, der noch dazu um € 20,00 billiger ist, gekauft hatte) in Verbindung mit einem XtremeMac MicroMemo-Mikrofons).

Ich war erstaunt, wie entspannt und spontan ihre Schüler ihre Podcasts aufnahmen. Ich hatte viele Versprecher und jede deshalb Menge Arbeit nachher beim Schneiden erwartet und wurde positiv überrascht. Die Schüler sprachen locker vom Hocker ihre Texte in das Mikro, eine Gruppe sogar ohne irgendwelche Notizen. Eine Gruppe erstellte eine Talk-Show, eine Gruppe ein Bank-Beratungsgespräch in einem Restaurant, eine Gruppe ein Ehegespräch und eine fasste ihr Thema einfach als Lernstoff-Wiederholung in einer Art Frage- und Antwort-Spiel zusammen.

Übrigens nutzten die Schüler kaum die Möglichkeit, ihre geplanten Podcasts vor den Kollegen mal probezusprechen. Ich hörte mir die Version jeder Gruppe an und gab inhaltliches Feedback für ein paar Details ab. In dieser Phase deponierten die Schüler auch ihre Wünsche, was bestimmte Soundeffekte oder Musikstücke betraf. Selbstverständlich war es eine Enttäuschung für die Schüler, dass sie nicht jede x-beliebige Musik aus Copyrightgründen verwenden durften. Ich setzte mich mit Pro7 und dem ORF in Verbindung, um einige Rechte für die Podcasts zu erhalten. Von Pro7 erhielt ich nach 24 Stunden die Auskunft, dass wir einen bestimmten Jingle zu schulischen Zwecken verwenden dürfen, vom ORF bekam ich nach vier Wochen und einem Telefonat in einem Brief von der Rechtsabteilung die Auskunft, dass wir ausnahmsweise den „Zeit im Bild Jingle“ verwenden dürfen, wenn wir „mit freundlicher Genehmigung des ORF“ im Podcast einbauen. Wir haben den Jingle dann nicht benötigt, ich wollte das aber grundsätzlich für weitere Projekte wissen. Die Veröffentlichung der Podcasts mit diesem Jingle auf der Berufsschul-Homepage, in diesem Blog und auf iTunes ist lt. ORF inbegriffen. Für die restliche Untermalung verwendeten wir ausschließlich podsafe-Musik und ebensolche Sound-Effekte.

Leider hatten wir die Podcasts nicht so rechtzeitig fertig geschnitten, dass die Schüler diese auch rechtzeitig zum Lernen für die Schularbeit im MP3-Player hatten. Letzten Endes störte das im Ergebnis nicht: Bei der Schularbeit schnitten alle Schüler in den Podcast-Themenbereichen besser ab, als in dem nachher hauptsächlich frontal vorgetragenem Unterrichtsstoff.

Einige meiner Klassen lies ich den Podcast anhören, die Reaktionen waren ganz positiv. Ein fünfter Podcast mit dem Titel „Gedanken zu Schulden“ entstand mit einer Einzelhandelsklasse in einer 10-Minuten-Aktion nach Abschluss des Finanzführerscheins und passt perfekt zur Thematik: Hier lesen Schüler einfach ein paar erstellte Plakate ins Mikro.

Hosten lasse ich die Podcasts mit der Gratis-Version von www.podhost.de. Dieser Service bietet einen Extra-Menüpunkt für die Eintragung in iTunes. Bei iTunes habe ich den Podcast heute registriert, bin gespannt, wann er unter dem Stichwort „Berufsschule Rohrbach“ sichtbar sein wird.

Der von den Schülern nach Abschluss der Arbeit abgegebene „Arbeitsprozessbericht“ (siehe Vorgehensweise auf der letzten Seite) brachte bis auf einen Punkt keine Überraschungen: Die Schüler wünschten sich, beim nächsten Mal die Sprache zu verbessern. Möglicherweise wäre es sinnvoll, die Podcast-Sprechschule vor der Aufnahme in Auszügen durchzuführen.

Mir hat es einen Riesenspaß gemacht, ich bin unbändig stolz auf meine Schüler, noch dazu wo es die angeblich leistungsschwächere N-Gruppe war. Drücken wir es wirtschaftlich aus: Das Preis-Leistungsverhältnis in diesem Projekt war einzigartig. Zur Wiederholung empfohlen.