Neues Podcast-Projekt gestartet: Österreichisch für Englischsprachige

Im Englisch-Unterricht startete ich mit drei Klassen gegen Ende des vorigen 10-Wochen-Lehrgang eine neue Podcast-Serie, in der einige oberösterreichische Dialektwörter auf Englisch erklärt und geübt werden. Die Serie nennt sich „Austrian-German as a second language podcast“, kurz AGSL, und ist auf agsl.posterous.com und bald im itunes-Store abonnierbar.

Warum dieses Thema?

  1. Als Tourist liebe ich es, einige Brocken der örtlichen Landessprache zu beherrschen. Der AGSL-Podcast ist gut dazu geeignet, einige sehr, sehr typische Wörter aus Oberösterreich zu lernen. Das möglicherweise meist verwendete Wort für diesen Zweck in Oberösterreich könnte „Oachkatzlschwoaf“ (=Eichhörnchenschweif) sein. Kaum ein hochdeutsch- oder andersprachiger Tourist, der beim Kontakt mit Einheimischen nicht irgendwann gezwungen wird, dieses Wort auszusprechen.
  2. Im Unterricht wird bei dieser Übung die Kreativität, Schreib-, Lese- und Sprachkompetenz in Zweier-Gruppen trainiert. Und natürlich: Der Fun-Faktor ist in diesem Fall nicht vernachlässigbar!
  3. Nachem der Wirtschaftskunde-Podcast ganz gut lief, wollte ich eine etwas internationalere Serie starten, um auszuprobieren, wie viele Zugriffe diese im Vergleich zu einem rein deutschsprachigen Angebot hat. Für die beteiligten Schülerinnen und Schüler und für mich wird es interessant werden, in welchen Ländern die Podcasts gehört werden. Auf posterous wird dies mittels Google-Analytics und Feedburner auf einfachste Weise möglich gemacht.

Die Idee, einen englischsprachigen Podcast zu erstellen hatte ich schon länger. Was fehlte, war ein knackiges Thema. Es sollte ein Thema sein, dass

  1. kurze Podcasts von maximal 1 – 2 Minuten Dauer,
  2. eine einfache Sprache erlaubt, was sowohl Satzbau als auch Aussprache betrifft,
  3. den Schülern größtmögliche Gestaltungsfreiheit lässt und
  4. trotz alledem dem Zuhörer einen gewissen Unterhaltungswert oder sogar Nutzen bringt.

Die größten Bedenken hatte ich bezüglich Aussprache und Grammatik, weil meine Schülerinnen und Schüler sehr unterschiedliche Sprachniveaus aufweisen. Letztendlich habe ich aber dann beschlossen, das alles nicht so eng zu sehen, Fehler zuzulassen und den Focus auf eine rasche und einfache Produktionsweise (quick & dirty) zu legen.

Ein Mindestmaß an Qualitätssicherung halten wir allerdings trotzdem bei der Vorgehensweise ein:

a) Schülerinnen und Schüler überlegen sich ein Dialektwort (möglichst aus ihrem Heimatort) und klären das mit mir ab. Ich habe eine Liste mit den bisher verwendeten Worten bzw. bremse ein, wenn das Wort zu wüst gewählt ist.

b) In Zweier- bzw. maximal Dreiergruppen erstellen Schülerinnen und Schüler einen Text und tippen diesen in ein neu angelegtes Titanpad (www.titanpad.com). Als Syntax hat sich http://www.titanpad.com/Klassenname + Katalognummer bewährt. Die Schülerinnen und Schüler sollten Online-Wörterbücher wie www.dict.cc und www.linguee.de verenden. Zusätzlich erhalten sie einen ausgedruckten Muster-Podcast, in dem die zu verwendenden Intro-Sätze enthalten sind und der eine gewisse Leitlinie ist, was den Aufbau des Podcasts betrifft.

Die Regeln für die Erstellung sind ganz einfach:

  • einer/eine pro Gruppe tippt
  • Dialektwort bzw. Dialektsatz tippen
  • Introtext einfügen (lt. Muster-Podcast)
  • hauptsächlich Present tense verwenden
  • Teil einbauen, wo der Hörer das Vorgesprochene nachsprechen muss (“Repeat after me”)
  • E-Mail + Klasse ins titanpad reintippen
  • Vermerk, ob der Podcast anonym, mit Namen oder mit Nickname erscheinen soll

c) Danach wird der Podcast einer anderen Gruppe vorgesprochen. Feedback bzw. Verbesserungsvorschlägen fallen hier meist ziemlich dürftig aus.

d) Mittels Etherpad überprüfe ich bis zur nächsten Woche den Text und bessere ggf. das Gröbste aus, lasse aber (und das ist wichtig!!) ansonsten den Text unverändert. Schließlich sollte das Ganze ein Werk der Schülerinnen und Schüler bleiben!!

e) Eine Woche später wird der Podcast aufgenommen. Für jeden Sprecher und für mich habe ich einen Ausdruck vorbereitet. Während des Aufsprechens markiere ich mit Leuchtstift eventuelle Aussprachefehler oder Unsicherheiten und lasse diese im Anschluss gleich nochmal verbessert sprechen. Diese Leuchtstift-Unterlage hilft später beim Schneiden, da ersichtlich ist, welche Passagen öfter verbessert gesprochen wurden.

Die produzierten Podcasts werden aus organisatorischen Gründen von mir geschnitten. Das liegt einerseits daran, dass Audio-Bearbeitung in unserer Berufsschule in kein Unterrichtsfach passt und es so gut wie nicht vorkommt, dass sich ein Schüler bereit erklärt, die Podcasts in seiner Freizeit zu schneiden. Mittlerweile finde ich mich damit ab und benötige für einen Podcast-Schnitt (wenn Intro und Drumherum festgelegt sind) knappe fünf bis zehn Minuten. Das macht dann insgesamt einen Zeitaufwand von zwei Unterrichtseinheiten plus die benötigte Zeit für’s Schneiden. Mehr ist auch oft nicht drinnen in unserem strikten Lehrplan, wo das Stoffgebiet für jede einzelne der 40 Unterrichtseinheiten (abzüglich 10 % möglicher Entfall) festgegelegt ist.

Die Serie wird ab sofort, sofern keine wichtigen dienstlichen Gründe („Das kannst Du im Englisch-Unterricht nicht machen!!“) im wöchentlichen Abstand erscheinen. Material ist genug vorhanden, das reicht locker bis Mitte September und die Dialektworte … die gehen uns auch nicht aus.

Englisch-Unterricht: How do you feel today?

Im Englisch Unterricht war letzte Woche die Einheit „How do you feel today?“ an der Reihe. Dazu gäbe es jede Menge Wörter, Vokabellisten usw. Mit meiner Gruppe von 13 Schülerinnen und einem Schüler haben wir ein kurzes Video produziert. So sind wir vorgegangen:

  1. Ich zeigte das Video 40 expressions her.
  2. Danach fragte ich, ob die Schüler Lust hätten, auch so was zu produzieren. Das Ziel war allen bekannt: Das Video sollte auf youtube stehen und somit auch über Facebook etc verbreitet werden. Ich betonte ganz klar, dass ich niemand zwinge, da mitzumachen. Alle waren einverstanden, beim Dreh stellte sich dann heraus, dass Einzelne doch nicht gefilmt werden wollten, was natürlich okay war.
  3. Die Schüler teilten sich in Dreier-Gruppen auf und erhielten dieses Arbeitsblatt.How do you feel today. Jeder Gruppe wurden zwei Zeilen zugewiesen, von denen sie sich jeder drei Gemütszustände aussuchen konnte.
  4. A4-Blätter mit den ausgesuchten Wörtern wurden vorbereitet. Es empfiehlt sich, die Blätter auf evt. Schreibfehler zu untersuchen. Blätter aufheben, die können später zur Wiederholung verwendet werden.
  5. Eine Woche später filmten wir in knapp 35 Minuten die Sequenzen.
  6. Zuhause schnitt ich das Video, die Hintergrundmusik holten wir von www.jamendo.com. Nachdem ich einige Szenen rausgeschnitten habe, sind es nicht ganz „40 expressions“ geworden, sondern nur „almost 40 expressions“.

Das Video kann für andere (künftige) Schüler wie folgt verwendet werden:

  1. Video ansehen oder
  2. Sammeln von Wörtern, die gemerkt wurden oder
  3. Anstreichen für Wörtern auf dem Arbeitsblatt, die gesehen wurden oder
  4. Wörter im Wörterbuch nachschlagen oder
  5. einen Satz bzw. eine Situation mit diesem Wort bilden (vorlesen oder vorführen) oder
  6. eine kurze Geschichte mit x Wörtern schreiben oder
  7. ein Schüler sitzt mit dem Rücken zur Leinwand, ein anderer liest das Vokabel vor, Wort wird übersetzt oder
  8. eigenes Video drehen

Hier das Ergebnis:

(So ähnlich bin ich auch voriges Jahr bei den „40 expressions“ vorgegangen).

Wikis im Unterricht – Erfahrungsaustausch

Christian Spannagel berichtet im Blog-Post „Hey, hey Wiki!“ von seinen Erfahrungen mit Wikis in der Schule. Seine Erlebnisse mit aufwändigen Anmeldungen, wo annähernd ganze Unterrichtsstunden draufgehen, habe ich ähnlich erlebt. Dass Schüler von der einen auf die andere Stunde ihr Passwort vergessen, die Wiki-Adresse nicht richtig abtippen und Probleme mit dem Zugriff auf eine Webmail-Adresse haben, das kann ich nicht nur für Schüler bestätigen. Dasselbe tritt bei Erwachsenen-Seminaren und (natürlich) auch bei Lehrer-Seminaren auf.

Trotzdem motiviert mich sein Beitrag, dieses Jahr wieder mal ein Wiki-Projekt im Unterricht zu starten. Wobei ich aufgrund der bisherigen Versuche, die hier in der Serie „Wikis in der Schule“ dokumentiert sind, noch einige Hausaufgaben machen muss. Denn die Arbeit mit einem Wiki fühlt sich für die meisten Menschen absolut ungewohnt an und daher braucht es noch einige „best practices“ um ein anständiges „Ergebnis“ zu bekommen. Einige Schüler-Aussagen während der Arbeit mit den Wikis:

  1. „Die (Rechtschreib)fehler eines anderen ausbessern? Niemals!“
  2. „Peer-Review? Forget it!“
  3. „Kreativität statt Copy-Paste? Warum denn?“
  4. „Die Benotung ist ungerecht, wenn wir alle zusammenarbeiten.“

Das alles ist sicherlich lösbar. Was ein Wiki aber für die meisten Unterrichtszwecke unbrauchbar macht ist, dass ein Wiki einzigartig sein muss. Warum?

Ich beginne mit dem (Berufsschul)lehrgang 1 an einem Wiki, beispielsweise über Wertpapiere. Der nächste Lehrgang, 10 Wochen später, arbeitet daran weiter. Dieser muss erstmal den Wissensvorsprung des Lehrgangs1 aufarbeiten, um das Wiki dann weiter bearbeiten zu können. Lehrgang3 hat zwei Wissensvorsprünge aufzuarbeiten. Unmöglich, in 40 Stunden. Wir haben ja andere Sachen auch zu tun. Ein Wiki, das immer wieder wächst, ist für (meinen) Schulbetrieb nicht geeignet. Wünschenswert, ja. Was wäre das für ein tolles Wiki nach 2 Jahren, aber nicht realisierbar. Für die Grundausbildung muss ich mit dem Wiki immer wieder von vorne anfangen und das Wiki des vorigen Lehrganges löschen. Autsch, das tu weh. Aber auch wenn ich lösche: Die Schüler haben das Wiki längst heruntergeladen uns es ihren Nachfolgern gemailt.

Daher müsste ich bei jedem Lehrgang thematisch ein neues Wiki beginnen. Aber was mache ich mit dem alten Wiki? Als Lernunterlage für die nachfolgenden Schüler? Das ist zu vergessen, das ist wie e-learning aus dem Jahr 2000, völlig unakzeptabel. E-Learning heute heißt: Inhalte erstellen. Der Weg ist das Ziel, niemals das Endprodukt. Das Endprodukt ist als Nachschlagewerk nützlich, aber nicht als Lern- oder Unterrichtsbehelf.

Einige Ideen dazu habe ich noch. Aber mit denen gehe ich bis zum nächsten Mal schwanger.

Antiatom-Schulwettbewerb: Unser Beitrag

Der „Don’t vote“-Clip zur Präsidentenwahl 2008 habe ich neulich in Politischer Bildung (4 Wochenstunden, 10 Wochen Lehrgang) zum Thema „Wahlrecht“ verwendet. Der Clip ist so aufgebaut, dass berühmte Schauspieler gemäß Drehbuch den Zusehern sagen sollen, dass es keinen Sinn hat, wählen zu gehen. Obwohl der Regisseur ihnen erklärt, dass diese Aussage sarkastisch gemeint ist, weigern sie sich, dieses Statement abzugeben. Im Mittelteil lässt der Regisseur den Schauspielern das sagen, was sie wirklich glauben und daraufhin hagelt es Argumente, warum die Zuseher wählen gehen sollen.

Diese Story haben wir für einen Beitrag zum Anti-Atom Schulwettbewerb von antiatomszene.info zum Vorbild genommen. Die SuS wurden vor Weihnachten zwei Unterrichtseinheiten lang mit einem ARTE-Film über Atommüll, ergänzt mit einigen Zeitungsartikeln, vorbereitet. Jede Woche erwähnte ich im Unterricht den Wettbewerb, um die Schüler auf das Thema neugierig zu machen, ohne aber die Idee zu verraten. Augen und Ohren sollten automatisch groß werden, wenn sie irgendwo das Thema aufschnappten.

Einige Wochen später führte ich im Unterricht beim Thema „Wahlrecht“ den „Geh nicht wählen„-Clip vor. Kurz vor dem Pausenklingeln bat ich die Schüler, darüber nachzudenken, ob sie sich vorstellen könnten, diesen Clip auf das Thema „Atommüll“ umlegen zu können. Nach weiteren zwei Wochen „Sicker-Phase“ starteten wir los:

  1. Jeder Schüler bekam drei Streifen Papier: Am ersten Streifen sollte ein Argument für Atomkraft, am zweiten eine Idee für ein besonderes Element im Clip und am dritten Streifen zwei Argumente gegen Atommüll gesammelt werden. Nachdem kaum wer auf Kommando kreativ sein kann, war die Idee, die Streifen immer bei sich zu haben und Einfälle zu notieren. Geklappt hat dies nicht so richtig.
  2. Die Schüler hatten in dieser Unterrichtseinheit noch 25 Minuten Zeit, sich selbst zu organisieren: Vorgehensweise, Rollen, Kamera, Drehort, usw.
  3. Die Folgewoche war vollgestopft mit zwei externen Vortragenden und einer Leistungskontrolle. Ich vertraute darauf, dass einige engagierte Schülerinnen und Schüler sich Gedanken über das Vorhaben machten. Das wiederum hat gut geklappt.
  4. In der letzten Lehrgangswochen nahmen wir uns dann drei Unterrichtseinheiten für das Drehen des Clips Zeit. Drei bis vier besonders engagierte SuS übernahmen Kamera, Regie und Assistenz und manchmal habe ich selbst das Geschehen leicht in die eine oder andere Richtung gelenkt. Die SuS wussten, dass das Video auf Youtube erscheinen wird. Niemand wurde gezwungen, vor die Kamera zu treten. Wer nicht wollte, kam in die Gruppe, die Slogans für die Schauspieler kreierte.
  5. Mangels Schnittprogramm in der Schule habe ich das Video an einem stürmischen Winterabend von 20 Minuten Rohmaterial auf knapp 4 Minuten zusammengeschnitten. Quick and dirty. Vielleicht hat einer der SuS bis zum Einsendetermin im April Lust, das Video noch selbst neu zu schneiden.

Und hier ist das Ergebnis:

Ach ja: Danke an die Schülerinnen und Schüler für die tolle Arbeit!

Powerpoint in 4 Stunden – allerdings geschummelt

Im Lehrberuf Bankkaufmann/-kauffrau sind in Oberösterreich 40 Stunden Informatik in der Berufsschule vorgesehen. Nein, nicht pro Lehrjahr – in allen drei Lehrjahren zusammen. In diesen 40 Stunden werden neben einigen Stunden Grundlagen der Informatik (Hard- und Software) auch 8 Stunden Excel, 4 Stunden Powerpoint, 4 Stunden Access, Privatsphäre und Internet-Seitengestaltung gelehrt. Und nein: Wir besitzen nicht den „Time-Turner“ von Hermine Granger.

Um das Optimum aus den 4 Stunden Powerpoint herausholen zu können, bin ich nach den 9 Lehrschritten von Robert Gagné vorgegangen. Gagné gilt als der „Vater“ des Instructional Designs (=ID, zu deutsch: Instruktionsdesign), das sich mit der systematischen Planung, Entwicklung und Evaluation von Lernmaterialien befasst.  Prof. Gabi Reinmann schrieb das Skript zu ID, das im Rahmen des Moduls 1 des Master für Bildung und Medien verwendet wird. ID ist mir während der oberösterreichischen Berufsschullehrerausbildung nicht untergekommen. Kunstück: ID hat viel mit e-learning zu tun und das spielt(e) bei unserer Ausbildung eine eher ähm…, sagen wir es so, „exotische“ Rolle.

Wie sehen die neun Lehrschritte nach Gagné aus?

Neun Lehrschritte nach Gagné

So habe ich die Lernschritte interpretiert:

  1. Aufmerksamkeit gewinnen: Den Schülern werden wertungsfrei(!) 3 – 4 Folien einer uralten und grottenschlechten Powerpoint-Präsentation aus dem Jahr 1999 über Informatik gezeigt: Animationen fliegen rein, 12 Bullet-Points erscheinen brav nach Tastendruck, usw. Hier grinsen die meisten Schüler schon.
  2. Informieren über Lehrziele: 4 Stunden (=200 Minuten) für Powerpoint? Mir erscheint das dürftig. Vor allem dann, wenn die Schüler herumprobieren und sich gegenseitig unterstützen, weil dies meiner Meinung nach den Lerneffekt vergrößert, aber länger dauert. Deshalb habe ich einfach das Thema „Powerpoint“ mit dem Folgethema „Grundlagen der Hard- und Software“ verbunden. Die Schüler haben als Ziel, in Einzelarbeit (aber mit gegenseitiger Unterstützung) eine Powerpoint-Präsentation im Umfang von 7 – 12 Folien zu erstellen und anschließend auch vor (eigenem) Publikum zu präsentieren. 4 Stunden Powerpoint? Geschummelt! In Wahrheit verwenden wir zwei Stunden der Hard- und Software-Grundlagen mit. Folgende Themen stehen für die Einzelarbeit zur Wahl:
      a) Eingabegeräte (Maus, Tastatur, Scanner, Touch-Screen, etc.)
      b) Bildschirme (Flachbildschirm, Röhrenbildschirm, Touch-Screen, Preise, etc.)
      c) Druckerarten (Laser, Tintenstrahl- und Matrixdrucker, Fotodrucker, Funktionsweise, etc.)
      d) Speicherkarten (SD-Karten, Memory-Stick, Compact-Flash, Preise, Funktionsweise, …)
      e) Festplatten (interne und externe, Speicherkapaztitäten, Preise, etc.)
      f) optische Speichermedien (DVD, CD, Funktionsweise, Preise, etc.
      g) Gehäuseformen (Desktop, Notebook, Netbook, All-in-One-PC, …)
      h) PC-Komponenten (Motherboard, CPU, RAM, ROM, Bus, Bios, Lüfter, Schnittstellen wie USB, Firewire, PS/2, …)
      i) Software (Freeware, Open-Source, Office-Software, etc.)
  3. Vorwissen aktivieren: Ich legte via Etherpad zwei Pads an: Merkmale von guten Powerpoint Präsentationen und schlechten Powerpoint Präsentationen, teilte die Schüler in zwei Kleingruppen und sie sammelten gleichzeitig und kollaborativ, was ihnen dazu einfiel. Sie konnten live am Beamer mitschauen, wie die zwei Pads befüllt wurden. Die Sammlung wurde später formatiert und ausgedruckt. (Leider hat Google mittlerweile Etherpad geschluckt, abgeschaltet, wieder eingeschaltet. Zumindest bis März ist der Service in dieser praktischen, anmeldelosen Form verfügbar.)
  4. Darstellen des Lehrstoffes: Mit ist es wichtig, dass die Schüler Präsentationen erstellen, die State-of-the-Art sind: großflächige Bilder, wenig Text, null Animationen. Dazu besprachen wir das Video „Life after Death by Powerpoint“ (als schlechtes Beispiel) und „Death by Powerpoint (and how to fight it)“ als Musterbeispiel, an das sie sich halten sollten. Der Hinweis auf Copyrights wird gegeben, ist aber sowieso Kernthema in einer der späteren Stunden.
  5. Lernen anleiten: In einer knappen Viertelstunde zeigte ich den Schülern, deren Wissensstand sich vom „Noch nie Powerpoint gestartet“ bis zum „ECDL vor zwei Monaten gemacht“ erstreckt, wie man in Wikipedia Themen findet und strukturiert (das wussten sie),  Bilder via Google-Bildersuche findet, rauskopiert, zuschneidet und Titel (für den Foliennavigator) hinzufügt. Zur Demonstration nahm ich an, dass ich selbst das Thema „Netzwerke“ zu machen habe und verwendete beispielsweise für das CAT5-Kabel dieses Bild und ermunterte die Schüler, um die Ecke zu denken. Beispiel: Für das Themengebiet „Speichermedien“ eignet sich das Bild eines menschlichen Gehirns als Einstiegsfolie.  Diese Anleitung erfolgte in aller Kürze, da sich die Schülerinnen und Schüler später ja gegenseitig helfen können und sollen.
  6. Ausführen / anwenden lassen: In den nächsten zwei Stunden erarbeiten die Schüler die Powerpoint-Präsentation. Dies machen sie alleine, weil ich unterdessen auf Seminar bin. Als Unterstützung haben sie ein Powerpoint Skript bzw. verwenden die Seiten  Moodle-DLGI und E-Teaching-Austria.
  7. Informative Rückmeldung geben: In den folgenden zwei Unterrichtseinheiten, sehe ich mir Präsentationen kurz an und gebe Feedback und Verbesserungsvorschläge. Falls Zeit bleibt, beschäftigen wir uns gemeinsam mit einigen Powerpoint-Features, die die Schüler evt. nicht benutzt haben wie Master-Folie, Handzettel usw.
  8. Leistung kontrollieren und beurteilen: Die Präsentationen werden gehalten und beurteilt. Gleichzeitig erhalten die Schüler Einblicke in das kommende Themengebiet Hard- und Software.  Die Schüler fassen die Inhalte ihrer Präsentation in Google-Docs zusammen und tauschen die Dokumente untereinander per Freigabe aus (=Lernstoff).
  9. Behalten und Transfer sichern: In einem anderen Fach erstellen die Schüler im Laufe des Lehrgangs eine Präsentation. Dies genügt mir für diesen letzten Schritt.

Vielleicht fragen sich jetzt manche: „Warum zeigt der den Schülern Powerpoint nicht Schritt für Schritt – so wie in den meisten Informatik-Kursen?“

Dafür gibt es einige Gründe:

  • Da ist zuerst einmal der unterschiedliche Wissensstand der Schüler. Die Powerpoint-Erfahrenen sollen durch diese Methode mit sanfter Hand gezwungen werden, den anderen zu helfen.
  • Durch den unterschiedlichen Wissensstand langweilen sich etliche Schüler bei kleinschrittigen Vorzeig- und Nachmachübungen. Für andere wiederum ist es zu schnell.
  • Offensichtlich ist es nicht das Ziel, Schüler zu perfekten Powerpointidanern zu drillen, da sind 4 Stunden sowieso zu wenig. Weniger ist mehr: Bild, Text, Struktur. Und aus.
  • Die Schüler müssen lernen, mit Software so selbstverständlich umzugehen, wie sie es mit dem Handy gewohnt sind. Keine Angst vor neuer Software – das ist die Devise. Was nützt es, wenn ich ihnen zeige wie PowerPoint 2000 (=kein Tippfehler, unsere Schulversion, aber nächstes Jahr gibt’s die 2010er) funktioniert, wenn sie in der Praxis PPT 2003, 2007 oder 2010 haben. Oder Open-Office? Oder Google Text und Tabellen? (Wobei wir später Google-Text und Tabellen ausprobieren werden…)
  • Ich will den Schülern zeigen, dass sie mit etwas Mut, Recherchieren und dem Internet so relativ simple Produkte wie Powerpoint in relativ kurzer Zeit relativ gut bedienen können (… relativ…). Und dass sie nicht jedesmal ein spannendes 3-Tages-Seminar benötigen, von dem sie eine Woche später das Meiste mangels Anwendung vergessen haben.
  • Letztendlich bin ich der Überzeugung, dass Autodidakten in den Web2.0-Jahren die Nase vorne haben.

Powerpoint müssen wir machen, muss man können, klar. Im Allgemeinen ermuntere ich aber die Schüler, ohne Powerpoint zu präsentieren, wenn ihnen was Besseres einfällt: Fällt mehr auf, wirkt besser und hat sicherlich meistens Erfolg. Mein Psychologie-Professor an der Uni sagte … ach ja, das habe ich hier schon mal erwähnt: „Power-Point und der cognitive-load„.

Englisch lernen mit den „40 Expressions“

Eine kurze, knackige Unterrichtssequenz für Englisch bietet sich mit dem Youtube-Video „40 expressions“ an. In diesem Video, das per heute schon über 150 Videoantworten erhalten hat, stellt bubzbeauty 40 Gefühle mimisch dar. Zugleich werden diese als Untertitel eingeblendet. Im Englisch-Unterricht war nun das Ziel, eine Video-Antwort zu posten. So bin ich mit einer 3. Klasse Einzelhandel vorgegangen:

  1. Youtube-Video ansehen (am besten via keepvid.com runterladen)
  2. Vokabel-Liste mit deutschen Übersetzungen austeilen, Schüler suchen sich aus dem Video die englische Übersetzung. (Falls mehr Zeit zur Verfügung steht können die Schüler die Listen auch selbst erstellen)
  3. In zwei Klassen habe ich gefragt, ob, ob sie eine Videoantwort posten möchten. Eine Klasse hat verneint, eine andere war dafür.
  4. Die Vokabeln wurden dann in dieser Klasse von 1 – 40 nummeriert, kopiert, ein Exemplar zerschnippselt und die Vokabel-Schnipsel auf die Schülerinnen nach Belieben aufgeteilt.
  5. Die Schülerinnen erstellen Kärtchen mit dem englischen Begriff in großer Schrift, den sie später an die Wand pinnen, während sie den Begriff darstellen.
  6. Eine Schülerin übernimmt den Part des Regisseurs und kümmert sich um die korrekte Reihenfolge der Darstellung, das spart später viel Zeit beim Schneiden der Teile, eine andere filmt. Gefilmt wird am besten mit Stativ. Wir verwendeten eine ganz billige Digicam im Film-Modus.
  7. Die Schülerinnen treten nun ohne groß zu proben der Reihe nach auf, pinnen ihr Wort an die Wand und stellen es mimisch dar. Ich habe beim Filmen den Fehler gemacht, immer ein „Go“-Kommando gegeben zu haben. Das später rauszuschneiden hat den Aufwand unnötig erschwert. Profis würden wahrscheinlich Handzeichen geben…

Nach 20 Minuten waren die 40 Begriffe im Kasten. Das Suchen nach lizenzfreier Musik (hier einige Tipps), einfügen eines Titels und Abspanns am PC bei mir zuhause dauerte dann nochmal eine Stunde, hat aber (zur Entschuldigung) Spaß gemacht. Idealerweise sollte die Produktion des Videos an Schüler delegiert werden. Das fertige Video habe ich nach Einverständis durch die Schülerinnen als Videoantwort auf youtube gepostet. Die Schülerinnen haben es zusätzlich via Facebook an ihre Freunde verteilt.

Hier das Resultat, in der ich auch eine Gastrolle als „typical annoyed teacher“ hatte:

Der Lerneffekt konnte sich sehen lassen: Beim Erstellen der Videos wurden die Vokabeln sehr oft wiederholt, das fertige Videos wurde regelmäßig angesehen. Einige Lehrer berichteten mir, dass Ihnen die Schülerinnen das Video in ihren Stunden gezeigt hatten. Was will man mehr?

Update 20. 11. 2009: Auf Wunsch von Felix hier noch die Liste mit den Vokabeln: 40 Expressions – words

Unterrichtsmaterialien für finanzielle Allgemeinbildung

Die EAEA (European Association for Education of Adults, http://www.eaea.org) entwickelt seit einiger Zeit für alle EU-Länder Unterrichtsmaterialien für die „finanzielle Allgemeinbildung“. Das Projekt heißt DOLCETA (www.dolceta.eu) und bietet Lernmodule für VerbraucherInnenbildung in den Altersgruppen Volksschule, Hauptschule und Oberstufe an.dolceta

Neben Online-Informationen, ausdruckbaren Merkblättern und Online-Quizzes werden auch sehr konkrete Unterrichtsskizzen mit abwechslungsreichen, innovativen Methoden zur Verfügung gestellt. Derzeit sind die vier Module „Verbraucherrechte“, „Finanzdienstleistungen“, „Produktsicherheit“ und „Impulse zur Verbraucherbildung“ freigeschaltet. Wir durften das Modul 7 über „Sparen“ testen, das im Frühjahr nächsten Jahres kommen wird.

Mich nervt schon seit einigen Jahren, dass in jedem Land, in jeder Schule jeder Lehrer seine Unterrichtsstunde z. B. über „Sparen“ oder „Kredite“ vorbereitet. Wie „man“ hört, findet an manchen Schulen nicht einmal ein Austausch der erstellten Materialien statt – ein volkswirtschaftlicher Unsinn. Per Mausklick auf vorgefertigte, juristisch geprüfte, abwechslungsreiche und aktuelle Materialien für den Unterricht zugreifen zu können ist leider noch immer eine Seltenheit. DOLCETA ist ein Weg in die richtige Richtung.

Selbstverständlich sollte jedem Lehrer offen bleiben können, wie er seine Stunde über „Sparen“ oder „Kredit“ gestaltet und welche Infos er vermitteln möchte. Das ist das Schöne an dem Job: Jeder kann, wenn er will, seine Kreativität voll ausleben. Es schadet aber überhaupt nicht, sich mal anzusehen, wie andere diese Stunde planen würden und sich daraus Anregungen zu holen – auch für andere Unterrichtseinheiten.