Masterarbeit: Kooperative Unterrichtsvorbereitung mit Social-Media-Elementen für den Präsenzunterricht in der Berufsschule

Nach über 450 Arbeitsstunden an der Master-Arbeit, einer unbedingt notwendigen Pause von einigen Monaten und dem Einlangen des offiziellen Abschlusszeugnisses vorige Woche wird es nun Zeit für die nächsten Schritte im Projekt.

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Erster Schritt: Die Arbeit unter einer creative-commons-Lizenz online stellen. Also, hier bitte: Download Master-Arbeit.

Worum geht’s? (Abstract)

Diese Arbeit befasst sich mit den Rahmenbedingungen für Lehrkräftekooperation beim Austausch von Unterrichtsvorbereitungen über Internet. Basierend auf einer Analyse von Kooperation in Gruppen und den Funktionalitäten von Social-Media wird ein Modell für Social Software zum Austausch von Unterrichtsvorbereitungen aus bildungswissenschaftlicher Sicht skizziert. Anhand von Ergebnissen einer Online-Umfrage unter Lehrkräften von Berufsschulen werden die derzeitigen Gegebenheiten bei der Erstellung und dem Austausch von Unterrichtsvorbereitungen und die Nutzung von Social-Media analysiert. 

anders gesagt:

Hier geht’s um ein „Facebook für Unterrichtsvorbereitungen“.

Etwas konkreter und praxisnäher ist die Idee in den Beiträgen „Masterarbeit zur Unterrichtsvorbereitung: Prolog“ und „Unterrichtsvorbereitung mit STEER: Der Alltag“ beschrieben.

Die Arbeit habe ich als Basis für ein Software-Konzept zur Erstellung eines sozialen Netzwerks im Internet verstanden. Die Erstellung dieses Konzepts wäre Schritt 2. Mittlerweile ist es über 10 Jahre her, seit ich mich hauptberuflich mit Datenbank-Modellierung und Software-Konzepten beschäftigt habe, da beginnt es langsam wieder unter den Fingern zu kribbeln.

Zuvor sollte aber noch geklärt werden, ob das Konzept auf Papier auch irgendwie, irgendwo und irgendwann umgesetzt werden kann. Für die Programmierung, den Schritt 3, bieten sich aus heutiger Sicht drei Optionen an:

  1. Umsetzung durch Service-Einrichtungen, die sich als Dienstleister für Schulen verstehen (z. B. Education Group in Oberösterreich, Bildungsserver etc.) oder
  2. Zusammenarbeit von Gleichgesinnten (z. B. in einer Open-Source Variante) oder
  3. Gründung eines Start-Up

Ziel ist, dass bei der Nutzung der Plattform durch Lehrkräfte für diese keine Kosten entstehen. Im Gegenzug dazu wird das in der Plattform verwaltete Material allen anderen Lehrkräften kostenlos zur Verfügung gestellt.

Derzeit existiert ein rudimentärer Prototyp des Vorhabens, der im Rahmen eines Matura-Projektes mit Yii-PHP-Framework und My-SQL realisiert wurde. Aber es gibt jede Menge offener Punkte, was Konzeption, Technik, Sicherheit und Recht betrifft. Eines gibt’s aber nicht: Ein „Geht nicht“.

Also, liebe Leserin, lieber Leser: Interesse? Tipps?

 

Unterrichtsvorbereitung mit STEER – der Alltag

STEER ist eine Lehrplattform mit Social-Media-Elementen, in der Lehrkräfte ihre Unterrichtsvorbereitungen ablegen, während des Unterrichts aufrufen und mit Kolleginnen und Kollegen automatisiert austauschen können. Die Grundidee habe ich hier beschrieben.

Während der Fokus von Lernplattformen (wie z. B. Moodle) vor allem auf die Fernlehre und auf eigenverantwortliches Lernen gelegt ist, geht STEER auf den besonderen Bedarf von Unterrichtenden ein, die einen effizienten und methodisch perfektionierten Präsenzunterricht durchführen möchten. Das beinhaltet alle Formen von Unterricht, beispielsweise Gruppen- oder Partnerarbeiten, Projektarbeiten, offene Unterrichtsvorformen und Frontalunterricht, aber auch die Planung von Workshops und Seminaren. STEER eignet sich sowohl für kurze Unterrichtseinheiten, aber auch für längerfristige Sequenzen, wie beispielsweise Berufsschul-Lehrgänge.

Herkömmliche Unterrichtsmaterial-Plattformen beschränken sich oft auf die Bereitstellung von Arbeitsblättern, Linktipps etc. STEER bietet eine Einbettung dieser Materialien in das didaktische Design einer konkreten Unterrichtsphase an. Der Benutzer entscheidet, mit welchen Kolleginnen und Kollegen das Material ausgetauscht wird.

Wie sieht ein normaler Unterrichtstag aus, der von STEER unterstützt wird?

Tätigkeit Systemhintergrund
Mittwoch, 10:20 Uhr; Lehrer A meldet sich in STEER an. STEER erkennt aufgrund des erfassten Stundenplanes, des Datum und der Uhrzeit, dass im Unterrichtsfach Wirtschaftskunde die 12. von 40 geplanten Unterrichtsstunden des Lehrberufs Einzelhandel beginnt.
STEER zeigt die geplante Unterrichtseinheit „Kaufvertrag“ an:

1. Vorführung der „Einleitung_Kaufvertrag.pptx“

2. Austeilen der Muster-Kaufverträge

3. Schüler füllen diese in Partnerarbeit aus

4. Vergleich und Nachbesprechung

5. Buch Seite 94-96 – Geschäftsfähigkeit

6. Schüler formulieren Fragen zum KV und üben diese mit der Kugellager-Methode.

 


1. ist verlinkt auf slideshare.net

2. ist verlinkt auf einen Cloud-Dienst (z. B. Dropbox)

5. Link auf gescannte Buchseiten (falls vom Verlag freigegeben)

Durchführung dauert länger als geplant, Lehrer A setzt sich einen Marker, um in der nächsten Einheit bei Punkt 6 weiterzumachen. Fortschrittsmarker wird in STEER gesetzt.
Mittwoch, 12:00 Uhr: Lehrer A bekommt eine Kontaktanfrage einer Lehrerin B, die im nächsten Lehrgang ebenfalls Wirtschaftskunde unterrichtet. Er bestätigt die Anfrage. Die Lehrerin B erhält dadurch Zugriff auf die Unterrichtsvorbereitung des Faches Wirtschaftskunde der 1. Klasse im Lehrberuf Einzelhandel. Sie benutzt diese Vorbereitung als Template, um sie nach ihren Bedürfnissen abändern zu können.
Lehrerin B erstellt auf http://www.quizlet.com ein Frage-Set zum Thema „Geschäftsfähigkeit“ und pflegt den Link in ihre Unterrichtsvorbereitung ein. Aufgrund der bestätigten Kontaktanfrage bekommt Lehrer A den Link unterhalb seiner eigenen Vorbereitung zum Unterrichtsthema „Kaufvertrag“ angezeigt. Zusätzlich wird die Nachricht „Neues Unterrichtsmaterial im Fach Wirtschaftskunde/Kaufvertrag von Lehrerin B“ in seiner Timeline generiert.
Lehrer A probiert das Quiz von Lehrerin B aus, vergibt ein „Danke“ und übernimmt es per Mausklick in seine Vorbereitung. Die Verwendung durch Lehrer A erhöht die Reputation der Quizlet-Sequenz von Lehrerin B im System. Die Sequenz wird nun bei Anzeigen und Suchen vorgereiht.
Donnerstag, 09:15 Uhr: Lehrer A unterrichtet weiter in Wirtschaftskunde. Unterhalb seiner eigenen Vorbereitung sieht er, wie Lehrerin B seine 12. Unterrichtseinheit verändert hat. Die veränderte Sequenz von Unterrichtseinheiten von bestätigten Kontakten wird unterhalb der eigenen Sequenz (ausgegraut) angezeigt. Neue Sequenzen werden markiert, damit sie auf einen Blick sichtbar sind.

Der Lehrer arbeit im Unterricht entweder auf einem Stand-PC oder einem Tablet-PC.

Alle Beiträge dieser Serie sind unter dem Tag „STEER“ aufzufinden.

Masterarbeit zur Unterrichtsvorbereitung: Prolog

Nach mehr als einem Jahrzehnt als Lehrer habe ich mit etlichen Kooperationsmöglichkeiten für die Unterrichtsvorbereitung experimentiert. Darunter waren ein gemeinsames Serverlaufwerk, diverse Synchronisations-Tools, ein Mediawiki, Tiddlywiki, Moodle, OneNote, Evernote und ownCloud. Kooperiert wurde mit Festplatten, USB-Sticks, E-Mail Newsletter, Cloud-Computing und mit einer physischen Box für Zeitungsartikel. Überzeugend war keine dieser Varianten. Lehrkräfte benötigen ein System, das sich nahtlos in den Lehreralltag integriert und Unterrichtsvorbereitungen ohne großen Aufwand automatisiert anderen interessierten Lehrkräften zukommen lässt.

Lehrkräfte, die das Netz intensiv nutzen, um ihren Unterricht mit Ideen und Materialien anzureichern, stehen vor zwei Herausforderungen:

  1. Die Verwaltung der großen Masse von Online-Ressourcen, –Werkzeugen und eigener Unterrichtsvorbereitung

Mittlerweile bieten zahlreiche Online-Portale (Bildungsserver, Verlage etc.) viele Materialien für die Unterrichtsvorbereitung an. Zusätzlich gibt es eine hohe Anzahl brauchbarer Internet-Werkzeuge für den Unterricht. Hinzu kommen noch selbst erstellte und von Kolleginnen und Kollegen erhaltene Unterrichtsvorbereitungen.
All das bereitgestellte Material zu sichten, auszuwählen, zu ordnen, aktuell zu halten und auf Dauer den Überblick zu behalten, stellt für Lehrkräfte einen immensen Zeitaufwand dar. Diese Herausforderungen können Lehrkräfte nur durch Zusammenarbeit bewältigen, indem sie sich austauschen. Das geschieht aber kaum strukturiert und schulübergreifend.

  1. Der effiziente und komfortable Austausch von erstellter Unterrichtsvorbereitung

Trotz Methodenfreiheit und Autonomie von Lehrkräften hinsichtlich der Unterrichtsvorbereitung ist es sinnvoll, dass Lehrkräfte ihre Vorbereitungen austauschen, damit ein- und dieselbe Unterrichtseinheit nicht immer wieder von verschiedensten Lehrkräften neu erstellt und zur Aktualisierung überarbeitet wird. Durch diese Art der Kooperation ergeben sich zahlreiche positive Effekte von der Steigerung der Methodenvielfalt über die verbesserte Unterrichtsqualität bis hin zur Burn-Out-Prävention bei Lehrkräften.

Eine Befragung von Berufsschullehrkräften zeigte, dass der Austausch von Unterrichtsvorbereitung hauptsächlich über die Papier-Kopie, über die elektronische Kopie mittels Festplatten, USB-Sticks oder E-Mail und ganz selten über Cloud-Speicher (wie Dropbox oder Skydrive). Ein komfortabler, automatisierter, schulübergreifender Austausch ist trotz Cloud-Technologie mangels geeigneter Systeme noch nicht verfügbar. Im optimalen Fall müsste getauschtes Unterrichtsmaterial automatisiert an der thematisch richtigen Stelle in der Unterrichtsvorbereitung der Lehrkraft im Klassenraum via PC oder Tablet-PC aufrufbar sein.

masterarbeitMeine Master-Arbeit im Lehrgang „Bildung und Medien“ an der Fernuni-Hagen werde ich hier in den nächsten Wochen als „Fortsetzungsroman“ veröffentlichen. Sie bietet einen Lösungsansatz für diese zwei Problembereiche und beschreibt aus bildungswissenschaftlicher Sicht eine Lehrplattform mit Social-Media-Elementen, in der Lehrkräfte ihre Unterrichtsvorbereitungen ablegen, während des Unterrichts aufrufen und mit Kolleginnen und Kollegen automatisiert austauschen können. Der Arbeitstitel dieser Lehrplattform lautet „STEERSocial TEaching EnviRonment“.

Fortsetzung folgt.

Der etwas holprige Weg zum Bildungskarenz für Berufsschullehrer

Im Nachhinein denke ich mir: Das war doch überhaupt nicht kompliziert. Wenn ich aber meine Evernote-Tagebuchdatei aufrufe, dann war der Weg zur Bildungskarenz für meine Masterarbeit an der FernUniversität in Hagen im Studiengang „Bildung und Medien – eEducation“ im Rückblick doch, nun ja, etwas holprig. Vielleicht auch, weil ich nicht unbedingt ein Fan von Bürokratie bin und ich Franz Kafkas Schloss gerne gelesen habe, weil es mir so schön gruselig vorkommt.

Also: Nach fast 3 Jahren nebenberuflichem Studium mit langen Nächten, heimeligen Wochenenden vor dem Schreibtisch  und einem ständigen schlechten Gewissen gegenüber der Familie hatte ich im Mai 2012 die gute Idee, zum Schreiben der Master-Arbeit, in Bildungskarenz zu gehen. Geplant war, dies für die Dauer von 2 Berufsschul-Lehrgängen (=20 Wochen)  ab Februar 2013 zu tun und studierenderweise in die Sommerferien überzugehen. Vorteil: keine Dreifachbelastung Schule + Studium + Familie (okay, das Wort „Belastung“ ist bei letzterer nicht wirklich angebracht, ich bin sehr froh, dass es diese Menschen gibt), sondern nur noch doppeltes Vergnügen mit Familie + Studium.

Direktion und Personalvertretung (die ja zustimmen muss, weil meine Unterrichtsverpflichtung von den Kolleginnen und Kollegen übernommen wird), waren netterweise einverstanden. Ohne Überredungskünste. Sofort.

Beim AMS teilte man mir mit: Alles kein Problem! Es gibt Weiterbildungsgeld in der Höhe des Arbeitslosengeldes, das sind bei mir nicht ganz EUR 50,00 pro Tag, ganz ordentlich. Und es gibt einige Lehrer, die in Bildungskarenz gehen. Meist sind das Mütter, die eine Kinderkarenz verlängern, weil … und das ist seltsam: bei Vorlage einer Inskriptionsbestätigung keinerlei Leistungsnachweis vorgelegt werden muss. Ohne Inskriptionsbestätigung müssen Kursanmeldung, Anwesenheitsbestätigungen oder andere Zeitaufzeichnungen und Leistungsnachweise abgeben werden, ansonsten gibt es kein Weiterbildungsgeld. Mit Inskriptionsbestätigung ist es egal, ob ein Jahr Weltreise angesagt ist („WKO: Weltreise statt Bildungskarenz„) oder wirklich Weiterbildung erfolgt. Ab 1. Juli 2013 gibt es die „Bildungskarenz neu“ (siehe Artikel), ab sofort sind ECTS vorzuweisen. Diese Lücke ist somit geschlossen, gut so.

Mitzunehmen sollte ich im Jänner 2013 daher zur Antragstellung einige Tage vor Antritt der Karenz im Original (=Unterlagen bekommt man gleich wieder zurück):

  • Heiratsurkunde
  • Geburtsurkunde der Kinder
  • AVRAG-11 vom Dienstgeber bestätigt
  • Inskriptionsbestätigung
  • Gewerbeendigung (falls vorher irgendwann ein Gewerbe ausgeübt wurde)

Anfang Juni 2012 ging mein Ansuchen inklusive Befürwortung der Direktion über den Dienstweg dann an den Landes..schulrat, der mir im Juli dann (für mich, die Personalvertretung und die Direktion überraschend) mitteilte, dass es für Landeslehrer keine Bildungskarenz gibt, sondern lt. Vertragsbedienstetengesetz von 1948 nur Karenzurlaub gegen Entfall der Bezüge (§29b Abs. 1 VBG von 1948).

Die Lektüre von AMS, Wirtschaftskammerhelp.gv.at oder von Broschüren wie „Das Dienstrecht der Bundeslehrer“  waren also umsonst. Landeslehrer sind in der Karenzzeit weder kranken-, noch pensionsversichert und was ich während der Karenzierung mache, ist meinem Dienstgeber ziemlich egal.

Also: Help! Anruf bei der Gewerkschaft Anfang der Ferien. Was tun und welche Konsequenzen gibt es? Der Rat war zuerst, nicht in Karenz zu gehen, sondern Teilzeitlehrer zu werden und meine Arbeitszeit um 50% zu reduzieren: Vorteil: Kein Entfall von Versicherungs- und Pensionszeiten. Regelmäßiges Gehalt, aber nicht viel weniger als sonst, weil weniger Verdienst ja auch weniger Steuern heißt. Heißt für mich: 50% arbeiten und dazu Masterarbeit schreiben im Vergleich zur Bildungskarenz mit 0% arbeiten und dazu Masterarbeit schreiben.

Meine Krankenkasse, die Lehrer-Kranken- und Fürsorgekasse sagte mir, dass ich mich während einer Karenzierung selbst versichern kann, wenn ich möchte, zum Preis von ungefähr EUR 260,00 pro Monat.

Die Gebietskrankenkasse, in die meine Frau einzahlt, teilte mir mit, dass ich mich während einer Karenzierung bei meiner Frau mitversichern lassen kann, wenn ich sie geheiratet habe und wir Kinder haben, zum Preis von genau EUR 0,00 pro Monat. Toll!! Die Pensionsversicherungsanstalt sagt mir, dass ich pensionsversichert bin, wenn ich Weiterbildungsgeld vom AMS bekomme.

Also weiter: Für Weiterbildungsgeld braucht das AMS das Formular AVRAG11 vom Arbeitgeber ausgefüllt. Die spannende Frage war: Füllt mir mein Arbeitgeber dieses aus, weil am Antragsformular in großen Lettern „Bildungskarenz“ drauf steht, obwohl für mich dieser nicht drin ist. Wenn ich aber dieses AVRAG11 nicht bestätigt bekomme, dann gibt’s von Februar bis Anfang September kein Geld am Konto. Weil: Mein Dienstgeber lässt mich nicht von Februar bis Anfang Juli auf Bildungskarenz gehen und zahlt mir dann brav mein Gehalt in den Sommerferien. Verstehe ich, wäre nicht okay. Deshalb habe ich meine Wünsche leicht reduziert: Statt Bildungskarenz von Februar bis August nur noch von Februar bis Mitte April: 11 statt 28 Wochen. Dann ist das Risiko, falls mit dem Weiterbildungsgeld was schief läuft, nicht allzu hoch.

In der Zwischenzeit gab es regierungsseitig vom Wirtschaftsminister Mitterlehhner eine neue Idee: Die Teilbildungskarenz, die ab Juli 2013 (für mich zu spät) als weitere Möglichkeit in Frage kommen würde. Eine Anfrage an ihn über www.meinparlament.at wurde kompetent und genau beantwortet. Ich war positiv überrascht.

Drehen wir die Zeit nun etwas nach vor, um das Hin- und Her, die vielen Telefonate, Mails und vor allem die umfangreiche Tabelle mit widersprüchlichen Aussagen, die ich gesammelt hatte, etwas abzukürzen: Am 3. Oktober habe ich schließlich den positiven Bescheid über „Karenz gegen Entfall der Bezüge“ in Händen gehabt, 6 Wochen später das ausgefüllte und heiß begehrte AVRAG-11 Formular. Die Sache war geritzt.

Zuvor gab es noch einige Nebenschauplätze. Besonders skurril: Darf ich als zahlendes Mitglied der der Gewerkschaft die Gewerkschaft um Rat fragen? So klar das seitens der Gewerkschaft auch war, so unklar war das an manch anderer Stelle: Es herrscht proporziell tendenziell die Meinung, dass nur jener gewerkschaftliche Hilfe in Anspruch nehmen darf, der auch einer politischen Fraktion innerhalb der Gewerkschaft (einem Lehrerverein) beigetreten ist. Mir wurde von einer Gewerkschaftsvertreterin bestätigt: Der ZA der oö. Berufsschullehrer ist mein Betriebsrat, egal ob ich schwarz, rot, blau, grün, orange, fraktionslos oder Jedi-Ritter bin. Und Tatsache ist auch: Da werden Sie geholfen!!

Viel frustrierender war allerdings ein nahezu groteskes Unverständnis, das sogar von Leuten kommt, die im Bildungssystem verankert sind: Rein subjektiv wird Weiterbildung als Irrsinn ein eingestuft, wenn

a) danach das Nettogehalt nicht gehörig aufpoliert wird oder
b) danach der Job nicht gewechselt wird und das Nettogehalt gehörig aufpoliert wird.

Wie alle wissen, werden in Österreich Lehrer nicht nach Leistung und nicht nach Kompetenz bezahlt, sondern nach der Anzahl der Stunden, „die sie im Klassenzimmer stehen“ (wie es so schön heißt). Das wäre ungefähr so, als wenn Armin Wolf, der ja auch im Bildungskarenz war (und hier über seine Erfahrungen berichtet),  nach der Anzahl der Sendeminuten bezahlt werden würde.

Meine Weiterbildung in gröberem Umfang hat im letzten Halbjahr einige Leute (auch aus dem Bildungssektor) zur Frage „Wieso mochns des? Des brauchns jo goa ned!“ verleitet und die Folgefrage nach meinem Geisteszustand unausgesprochen in den Raum gestellt. Diese Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest wird ein anderes Mal geklärt werden, weil es doch etwas verunsichert, wenn so viele intelligente Menschen einem das sagen. Nur eins noch: I’m not insane…