Wie man ein Sachbuch sinnvoll liest

Lesen ist eine Grundkompetenz, die spätestens nach der Volksschule beherrscht werden sollte. Aber wer bringt einem bei, wie man ein Buch liest? In diesem Beitrag geht es nicht um Bücher, die wir zum Vergnügen lesen (beispielsweise Romane), sondern um jene, die einem im Leben weiterbringen sollten: Sachbücher.

Und so liest man ein Sachbuch:

  1. Wähle weise
    Verspricht der Titel, dich im Job, in der Beziehung, im Alltag, beim Zeitmanagement etc. weiterzubringen? Wenn nicht, dann liest du es zur Unterhaltung. Lies diesen Blog-Beitrag nicht weiter. Lies jetzt dein Buch und unterhalte dich gut!IMG_20180224_191826.jpg
  2. Gib dem Buch 10 Minuten
    Lies den Klappentext und das Inhaltsverzeichnis. Schau dir einzelne Kapitel an, ob sie lesenswert sind. Es gibt nicht viele Bücher, die du von der ersten bis zur letzten Seite lesen musst. Vermutlich betreffen einige Kapitel deine derzeitige Lebenssituation nicht und fressen nur Zeit. Kannst Du das, was du liest, in den nächsten Tagen praktisch umsetzen oder ausprobieren? Dann hast du das richtige Buch gewählt, ansonsten siehe Punkt 1, letzter Satz.
  3. Kauf es
    Leihe dir das Buch nicht, kaufe es. Wer sagt dir, dass das Kapitel, dass du soeben für unwichtig gehalten hast, nicht morgen dein Problem löst? Zweitens: Einzelne Kapitel am ebook-Reader durchzusehen ist mühsam, dazu reagieren die Geräte zu träge. Grundregel: Romane am ebook-Reader lesen, Sachbücher in Papierform.
  4. Lies das, was du brauchst
    Faustregel: Nimm 20 % der Zeit, die du für das ganze Buch brauchen würdest und hole dir 80 % der Kernideen heraus. Du kannst dir nicht alles merken, also brauchst du nicht alles lesen. Scanne interessant erscheinende Kapitel, indem du die ersten Sätze der Absätze liest. Überspringe:

    • Dinge, die du schon weißt,
    • Sachverhalte, die du bereits verstanden hast und dazu
    • Beispiele und Geschichten (besonders in amerikanischen Sachbüchern),
    • Listen und
    • Themen, die dich nicht interessieren oder die du nicht konkret anwenden kannst.
  5. Bücher sind WerkzeugeIMG_20180224_192002.jpg
    Scheue dich nicht …

    • wichtige Sätze mit Bleistift oder Leuchtstift zu markieren,
    • wichtige Passagen mit Klammern zu kennzeichnen,
    • gute, bessere und beste Gedanken mit Sternen (*, **, ***) zu kennzeichnen,
    • Gedanken oder Querverweise an den Rand zu schreiben und
    • Eselsohren bei wichtigen Seiten zu machen oder Post-It Index Klebezettel zu verwenden.
  6.  Fasse zusammenBuch mit Notizen Fasse eine bis 10 Kernbotschaften auf der leeren Titel-Innenseite des Buches zusammen. Wenn du es später aus dem Regal holst, dann hast du das Wissen griffbereit. Benutze kein Notizbuch dafür, das nachher irgendwo liegt oder beim nächsten Umzug verschwindet. Tu das, damit du das Buch im nächsten Jahr nicht nochmal lesen musst, sondern das Wichtigste auf einen Blick parat hast.
  7. Wiederhole
    Führe eine Liste der gelesenen Bücher und nimm die für dich interessantesten alle paar Wochen in die Hand. Lies die Kernbotschaften der ersten Seite, damit du sie dir wieder in Erinnerung rufst und im Alltag anwenden kannst. Vielleicht helfen dir heute andere Kapitel, die du gestern ausgelassen hast. Das Buch ist ein Experte, den du jederzeit fragen kannst.

Mit dieser Methode liest du mehr Sachbücher als bisher und setzt sie auch im Alltag um. Mache eine Routine daraus: Reserviere dir täglich zur einer fixen Uhrzeit eine Stunde, vielleicht auch nur eine halbe Stunde dafür. Vielleicht setzt du dir ein Ziel? Ein Buch pro Woche ist mit dieser Methode durchaus möglich. Das macht, plus/minus, 50 Bücher pro Jahr geballtes Wissen, das du abrufbereit hast.

Quelle: Die meisten Tipps habe ich aus „Become a Learning Machine 2.0: Read 300 Books This Year“ von Brandon Hakim bei Udemy entnommen. Brandon zeigt hier, wie du mit dieser Methode täglich ein Buch lesen kannst. Wer also in einem Jahr das lesen möchte, was einige ihr ganzes Leben nicht lesen, der ist bei Brandon richtig.

 

 

e-Learning: Angst fressen Weiterbildung auf?

In der Zeit Online war neulich dieser Artikel „Das Elend mit dem E-Lernenzu lesen. Eine neue Studie hat wieder mal bewiesen, was wir seit den späten 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts wissen: E-Learning ist teuer, die Mitarbeiter setzen sich nur widerwillig vor das e-Learning Programm, die meisten Firmen wollen mehr Output für weniger Input (Zeit und Kosten sind gemeint) und in Summe werden sie durch e-Learning weder produktiver noch erfolgreicher. (Hier ein wirklich typisches Beispiel, so wie es e-Lerner seit fast 20 Jahren ertragen müssen). Bestenfalls  kann e-Learning als Blended-Learning eingesetzt werden, das heißt: Ein Lehrer ist dabei und hilft weiter, wenn wieder mal das Passwort vergessen wurde oder der große „Weiter“-Button rechts unten völlig unauffindbar ist, Frage- und Antwortmöglichkeiten praxisfern sind oder der Lernende sich im Klick-Tunnel verirrt hat.

Tim Schlotfeldt hat den Artikel schon wunderbar und treffend kommentiert und ich wollte mich schon zu zu meinem jährlichen, entrüsteten Blog-Posting zum Thema e-Learning aufraffen, in dem folgendes zu lesen gewesen wäre:

  1. E-Learning funktioniert nur (richtig gut), wenn es in ein konstruktivistisches Lernsetting eingebettet ist. Das heißt: Kein kleinschrittiges Nachhampeln von Vorgehampelten, sondern je nach individueller Interessenslage kreatives und praxisnahes Problemlösen.
  2. Noch besser funktioniert es, wenn es in einen soziokulturellen Kontext eingebettet wird: Gemeinsames Lernen, derzeit über Wikis, Blogs, ein simples Moodle-Forum oder ähnliches. Austausch von Fakten, Zusammenfassungen, Fragen, Unklarheiten, Erfahrungen, Geschichten, Gelernten und Erkenntnissen.
  3. Intrinsische Motivation entsteht durch die Öffentlichkeit im Netz, durch Kooperation und durch Wettbewerb und letztendlich durch den Lerntransfer, das heißt: die konkrete Anwendung in der Berufspraxis.

So ungefähr hätte ich es geschrieben, wenn ich in den letzten Wochen nicht regelmäßig erlebt hätte, dass viele Leute Angst vor Internet und PC haben.

Sie fürchten sich vor Facebook, Twitter und davor, im Netz mit Kreditkarte zu zahlen. Sie haben Angst, ihre E-Mail Adresse weiterzugeben, weil sie sonst mit Spam zugemüllt werden. Sie  wollen ihre Zeit nicht vor dem Bildschirm verbringen, weil sie wenig Kontrolle über das haben, was der PC mit ihrer Zeit anfängt, sobald er nicht so funktioniert, wie er funktioneren sollte. Sie wollen von  sich nichts im Netz preisgeben, weil das Netz nichts vergisst, auch nicht das Intranet. Sie wollen als Lerner nicht gezwungen werden, etwas zu schreiben, dass veröffentlicht und diskutiert wird. Und. So. Weiter.

Gestützt und getrieben werden diese (berechtigten) Ängste teilweise durch die alten Medien (hier zum Beispiel) in Kombination mit der Rechtsunsicherheit im Netz, durch wildgewordene Abmahnanwälte und dem Auseinanderdriften von Realität und Juristerei. Dass Angst Lernen verhindert oder zumindest immens erschwert, ist bekannt.

Für e-Learning in konstruktivistischen Settings braucht es (neben der Rechtssicherheit) aber folgende Lerner:

  • Lerner, die denken, bevor sie posten und die Grundregeln der Rechtschreibung beherrschen.
  • Lerner, die wissen, dass Fehler notwendig sind, um weiterzukommen.
  • Lerner, die mutig und tolerant sind und darauf vertrauen, dass das Internet mehr Chancen als  Gefahren bietet.
  • Lerner, die schon häufig Internet-Plattformen ausprobiert und ein Gefühl für diese entwickelt haben. Die also wissen, wie das Internet tickt.

Wo sind diese zu finden? Na, beispielsweise auf Facebook oder Twitter. Definitiv in Blogs oder Blog-Kommentaren. Haben Sie das Gefühl, dass unsere Kinder schon auf diese Lernsettings vorbereitet werden? Hier eine passende Studie:  Children who blog or facebook have higher literacy levels.

Nachtrag:

Englisch lernen mit den „40 Expressions“

Eine kurze, knackige Unterrichtssequenz für Englisch bietet sich mit dem Youtube-Video „40 expressions“ an. In diesem Video, das per heute schon über 150 Videoantworten erhalten hat, stellt bubzbeauty 40 Gefühle mimisch dar. Zugleich werden diese als Untertitel eingeblendet. Im Englisch-Unterricht war nun das Ziel, eine Video-Antwort zu posten. So bin ich mit einer 3. Klasse Einzelhandel vorgegangen:

  1. Youtube-Video ansehen (am besten via keepvid.com runterladen)
  2. Vokabel-Liste mit deutschen Übersetzungen austeilen, Schüler suchen sich aus dem Video die englische Übersetzung. (Falls mehr Zeit zur Verfügung steht können die Schüler die Listen auch selbst erstellen)
  3. In zwei Klassen habe ich gefragt, ob, ob sie eine Videoantwort posten möchten. Eine Klasse hat verneint, eine andere war dafür.
  4. Die Vokabeln wurden dann in dieser Klasse von 1 – 40 nummeriert, kopiert, ein Exemplar zerschnippselt und die Vokabel-Schnipsel auf die Schülerinnen nach Belieben aufgeteilt.
  5. Die Schülerinnen erstellen Kärtchen mit dem englischen Begriff in großer Schrift, den sie später an die Wand pinnen, während sie den Begriff darstellen.
  6. Eine Schülerin übernimmt den Part des Regisseurs und kümmert sich um die korrekte Reihenfolge der Darstellung, das spart später viel Zeit beim Schneiden der Teile, eine andere filmt. Gefilmt wird am besten mit Stativ. Wir verwendeten eine ganz billige Digicam im Film-Modus.
  7. Die Schülerinnen treten nun ohne groß zu proben der Reihe nach auf, pinnen ihr Wort an die Wand und stellen es mimisch dar. Ich habe beim Filmen den Fehler gemacht, immer ein „Go“-Kommando gegeben zu haben. Das später rauszuschneiden hat den Aufwand unnötig erschwert. Profis würden wahrscheinlich Handzeichen geben…

Nach 20 Minuten waren die 40 Begriffe im Kasten. Das Suchen nach lizenzfreier Musik (hier einige Tipps), einfügen eines Titels und Abspanns am PC bei mir zuhause dauerte dann nochmal eine Stunde, hat aber (zur Entschuldigung) Spaß gemacht. Idealerweise sollte die Produktion des Videos an Schüler delegiert werden. Das fertige Video habe ich nach Einverständis durch die Schülerinnen als Videoantwort auf youtube gepostet. Die Schülerinnen haben es zusätzlich via Facebook an ihre Freunde verteilt.

Hier das Resultat, in der ich auch eine Gastrolle als „typical annoyed teacher“ hatte:

Der Lerneffekt konnte sich sehen lassen: Beim Erstellen der Videos wurden die Vokabeln sehr oft wiederholt, das fertige Videos wurde regelmäßig angesehen. Einige Lehrer berichteten mir, dass Ihnen die Schülerinnen das Video in ihren Stunden gezeigt hatten. Was will man mehr?

Update 20. 11. 2009: Auf Wunsch von Felix hier noch die Liste mit den Vokabeln: 40 Expressions – words

Grundbegriffe via Etherpad und Cobocards

cobocardsIm Fach Informatik für Banklehrlinge (40 Stunden in 3 Lehrjahren) werden neben einigen Stunden Excel, Internet-Grundlagen auch einige Informatik-Grundlagen durchgenommen. Folgende Vorgehensweise zum kollaborativen Erarbeiten von Grundbegriffen über Hardware, Software und Internet teste ich derzeit in einer 4-Stunden-Sequenz mit 15 Schülerinnen und Schülern (SuS).

Vorbereitung Lehrer:

  1. Sammeln der wichtigsten Grundbegriffe anhand dreier ABC-Listen (Hardware, Software und Internet) als Checkliste für das Lernziel.
  2. Anmeldung bei Cobocards, Musterkarte für SuS anlegen. Diese Musterkarte sollte eine typische Frage, Antwort, evt. ein Bild, einen Quellenlink und eine Vorgehensweise für Schlagworte enthalten. Auf jeder Karte sollte das Namenskürzel des Erstellers vermerkt sein, das ist wichtig für die spätere Beurteilung.
  3. SuS sollten Webmail-Adresse besitzen (z. B. Gmail)

Block 1: Sammeln von Grundbegriffen via Etherpad auf einer ABC-Liste

  1. Lehrer legt für jedes Thema ein Etherpad an, so z. B. http://etherpad.com/bsrohw09, http://etherpad.com/bsrosw09 und http://etherpad.com/bsroin09 . Die direkte Eingabe der Adresse nach einer logischen Syntax (bsro=Berufsschule Rohrbach, hw=Hardware – sw=Software – in=Internet, 09=für das Jahr 2009) ziehe ich der Adresse vor, die Etherpad automatisch vergibt. Die Anlage geschieht idealerweise vor den Augen der Schüler um die Einfacheit von ehterpad zu demonstrieren.
  2. SuS teilen sich in Zweiergruppen. Die Themen werden unter den Gruppen aufgeteilt. 5 Minuten lang werden Grundbegriffe im Etherpad anhand einer ABC-Liste gesammelt, dann geben die SuS das Thema an die nächste Gruppe reihum weiter. Nach 3 Durchgängen und 15 Minuten sollte jedes Pad eine Menge an Grundbegriffen enthalten. Bitte bei Etherpad regelmäßig speichern.
  3. Nun gibt es folgende Möglichkeiten:
    a) Per Twitter, Facebook, etc. die Außenwelt bitten, diese ABC-Listen um wichtige Begriffe zu ergänzen
    b) Lehrer streicht Begriffe bzw. fügt Begriffe hinzu
    c) Lehrer und SuS machen nichts von beiden und lassen die Liste einfach so.
  4. Die überarbeitete Liste wird (zur Sicherheit) ausgedruckt.

Nachdem ich 3a und 3c gemacht hatte, sind bei 15 SuS knapp 122 Begriffe entstanden. Für unseren Rahmen war das viel zu viel. Bei Wiederholung dieser Sequenz werde ich die Begriffe auf ein „erträgliches Maß“ eingrenzen, zudem einige Begriffe wie „Vaporware“, „Middleware“, „Shovelware“ und „Internet Engineering Task Force“ in den Listen aufgetaucht sind, die nicht unbedingt zum Grundwissen gehören müssen 😉

Block 2: Erarbeiten der Grundbegriffe via Cobocards

  1. SuS melden sich bei Cobocards an und schicken eine Freundschaftsanfrage an die E-Mail-Adresse des Lehrers.
  2. Lehrer bestätigt diese Freundschaftsanfrage und fügt SuS dem Team des zu bearbeitenden Kartensets hinzu. Bei den SuS erscheint danach am rechten Rand das Kartenset zur Bearbeitung.
  3. Lehrer führt Musterkarte vor und weist auf Regeln zur Erstellung der Karte hin, siehe oben bei Vorbereitung. Besonderer erwähnenswert ist, dass eingefügte Grafiken keinesfalls zu groß werden dürfen, sonst überlappen sie nachher auf den Lernkarten. Kontrolliert kann dies unter „Drucken“, „Generiere PDF“ werden. Auch ein Hinweis auf das Urheberrecht bei Grafiken ist angebracht.
  4. 4 SuS teilen sich jeweils eine ABC-Liste und erstellen Karten für die Suchbegriffe. Wer einen Begriff bearbeitet, streicht ihn von der ausgedruckten ABC-Liste. Wer früher fertig wird, holt sich von anderen Gruppen ein paar Begriffe.
  5. SuS überprüfen Karten, die sie nicht selbst erstellt haben. Eventuell könnte dies eine Partnerklasse machen, evt. auch wer am anderen Ende der Welt.

Mögliche Risiken: Die SuS haben vollen Zugriff auf die Karten. Wenn Karten gelöscht werden, dann kann in Cobocards derzeit nicht nachvollzogen werden, wer was wann gelöscht hat. Irgendwer von den SuS hat meine sorgsam erstellte Musterkarte gelöscht. Pech, aber es hätte schlimmer kommen können. Theoretisch könnte ein „Troll“ die gesamte Klasse (oder einzelne SuS) sabotieren.

Block 3: Peer-Review

Gemeinsam mit einem Partner gehen die SuS ihre Karten durch. Sie achten dabei auf:

  1. Kartenquelle angegeben?
  2. Urheberangabe (=Katalog-Nr. bzw. Schüler-Kurzzeichen)
  3. Größe der Karte (kaum Leerzeilen, evt. kürzen)
  4. Verständlichkeit der Frage & Antwort

Wenn sie fertig sind, wählen sie unter „Drucken“ ihre eigenen Karten aus, wählen „Generiere PDF“ und drucken ihr Werk für die Lehrkraft zur Beurteilung aus bzw. mailen es.

Block 4: Karten besprechen

Via Beamer werden die Karten (von Schülern oder der Lehrkraft) vorgestellt, besprochen und Zusatzinfos gegeben.

Block 5: Lernen mit Cobocards und Abschluss

  1. Die SuS lernen die Grundbegriffe mit den von Cobocards angebotenen Methoden: Online, per Ausdruck usw.
  2. Die Beurteilung der Karten für die Note erfolgt entweder anhand der erstellten Karten oder via herkömmlichen Test.

Gewünschtes Ergebnis:

  • SuS kennen etherpad und können kollaborativ Dokumente erstellen
  • SuS kennen Cobocards als Lerninstrument einsetzen
  • SuS lernen, mit unbekannten Benutzeroberflächen zu experimentieren
  • SuS üben Fragen zu stellen,  im Internet zu recherchieren, Quellen anzugeben, Inhalte zusammenzufassen und zu übernehmen
  • SuS üben Copy & Paste (*grins*) und Bilder einzufügen
  • SuS üben, Grafiken zu suchen und in der Größe zu verändern.
  • SuS üben, die Werke anderer gegenzulesen und ggf. zu korrigieren und
  • üben Grundbegriffe von Hardware, Software und Internet.

Anmerkungen:

  • Die Sequenz zur Erstellung der ABC-Liste könnte weggelassen werden. Möglicherweise ist eine Vorgabe der Begriffe durch die Lehrkraft zielführender und übersichtlicher.
  • Die SuS erwarteten von mir eine Schritt-für-Schritt-Erklärung, die ich nicht bereit war, zu geben. Ich ermutigte sie immer wieder, selbst herumzuprobieren, was ein wenig Gemaule verursacht hat. Schließlich gewöhnten sie sich doch daran, „nicht im Gleichschritt zu marschieren“.
  • Während der Sequenz erstellte die schnellste Schülerin 14 qualitativ hochwertige Lernkarten, die langsamste 5 Karten. Die Lehrkraft sollte sich vorher überlegen, wie dies zu bewerten ist.
  • Ich hoffte bei der Erstellung inständig, dass keiner der SuS auf die Idee kommt, wild herumzulöschen und habe die Bearbeitungsberechtigung (unter „Team“) kurz nach der Erstellung entfernt.
  • Tipp für ein Backup während bzw. nach der Erstellung: Die Karten im Pool veröffentlichen, dann wieder Kartenimport aus dem Pool in einen neuen Kartensatz (Backup) durchführen und niemanden darauf Zugriff geben. So sind sie erstmal gesichert.
  • Ich habe noch nicht entschieden, die erstellten Karten im Cobocards-Pool zu veröffentlichen. Der Inhalt einiger Karten ist immer noch verbeserungswürdig. Ich bin aber nicht sicher, ob die SuS dies hinbekommen. Ich habe zwar die ausgedruckten Kartensätze am Papier korrigiert und zurückgegeben, aber, und das ist echt mühsam: Das Hinterherlaufen, ob diese Korrekturen auch wieder durchgeführt werden, das nervt.

Fazit:

  • Zum Herumprobieren vor dem Unterricht empfiehlt sich ein zweiter Cobocards-Account (mit zweiter E-Mail-Adresse), um die Team- und Freundschaftseinstellungen ausprobieren zu können.
  • Bei der Erstellung der Karten und beim Arbeiten mit einer (komplexen) Web-Oberfläche lernen die SuS eine Menge.
  • Für den Lehrer wäre natürlich schlecht vorbereiteter Frontalunterricht oder eine Power-Point-Wüste einfacher.
  • Die erstellten Cobocards werde ich im nächsten Lehrgang als Lern-Tool einsetzen und um einige Begriffe ergänzen. Vielleicht werden sie dann so gut, dass sie eine Veröffentlichung wert sind.
  • Bauchweh habe ich, weil das Löschen einer Karte so unwiderruflich, ohne sichtbare Aufzeichnung (in Aktivitäten – wer hat was wann gelöscht) geschieht.

Erfahrungsbericht: Ohne Grammatik eine Sprache lernen

vfbsprachenIn der Schule habe ich Englisch und Französisch vermutlich so gelernt, wie eine Fremdsprache seit Jahren gelernt wird: Texte lesen, übersetzen, Grammatikstunden, Vokabel pauken, Lernfortschritt überprüfen, ab und zu ein wenig sprechen.

Die Birkenbihl-Methode verspricht, dass eine Fremdsprache, wenn sie gehirn-gerecht vermittelt wird,  mit 60 – 80 % Zeitersparnis im Vergleich zur alten Schulmethode gelernt werden kann. Ohne Vokabel zu pauken, ohne Grammatik-Regeln zu lernen, maßgeschneidert für den Lerner und mittels native speaker statt dialektlastiger Lehrer.

Für einige Sprachen (beispielsweise italienisch) gibt es diese Birkenbihl-Kurse, dazu das Buch „Sprachen lernen leicht gemacht„. (Anmerkung: In meiner Buchausgabe vom letzten Jahr wird ständig von Kassetten geschrieben, die kennen manche Jugendliche ja nicht einmal mehr. Aber vielleicht ist das in einer neuen Auflage schon korrigiert. Aber ansonsten ist das Buch zusätzlich zum Kurs ganz hilfreich.)

Die Methode fand ich interessant und so wollte ich sie mal ausprobieren, sinnvollerweise mit einer Sprache, die ich nicht konnte: Italienisch. Mittlerweile bin ich bei Lektion 5 (von 10) angelangt. Zeit für einen Zwischenbericht.

Wie die Methode funktioniert, kann im Blog „selbstverständlich Sprachen lernen“ prima zusammengefasst nachgelesen werden. Dafür ist hier kein Platz.

So bin ich vorgegangen:

  1. Die MP3-Files habe ich mir auf mein Handy kopiert. Damit war dieses „passive Hören“ jederzeit möglich: Beim Geschirr abwaschen, beim Dehnen nach dem Laufen, am Abend vor dem Einschlafen. Zugleich habe ich itunes während der Arbeit am PC oft kapitelweise in einer Endlosschleife laufen lassen. Passives Hören heißt: Du lässt die gesprochenen Texte im Hintergrund laufen, hörst aber selten bewusst zu.
  2. Ich habe immer versucht, den italienischen Text zu verstehen, indem ich aktiv zuhörte und den dekodierten Text mitlas. Dann erst begann ich, das Kapitel passiv zu hören. Das auf der CD enthaltene, extrem langsame Wort-für-Wort Soundfile habe ich nur 2-3 Mal angehört, dann bin ich immer zu Normalgeschwindigkeit gewechselt, ansonsten war es zu langweilig.
  3. Französisch und Englisch helfen immens, italienisch zu lernen: Der dekodierte Text ist bei mir vollgemalt mit Parallelen zu anderen Sprachen: abita-wohnen-habiter, lavoro-Arbeit-labour, trasferiti-übersiedeln-transfer, recente-kürzlich-recent, precisi-präzise, venuto-gekommen-venir, Infatti-in der Tat-as a fact, certe-gewisse-certain, …
  4. Anfangs war es lustig, in Alltagssituationen mit einigen italienischen Brocken um mich zu werfen: Mein Kleiner sagt jetzt regelmäßig „Tutto bene“ oder „Salve“.
  5. Diese Wort-für-Wort-Übersetzung musste ich dann doch alle paar Tage wieder auffrischen, ansonsten vergaß ich die Wortbedeutungen relativ rasch wieder.
  6. Das passive Hören hat einen wunderbaren (oder unheimlichen) Effekt. Manchmal träume ich italienische Sätze. Dann wiederum mähe ich den Rasen und es kreist ständig der Satz „Almeno ci provo“ im Kopf herum. Blöderweise hatte ich zu diesem Zeitpunkt vergessen, was das heißt (nämlich: „Zumindest versuche ich es“), aber ich bekam den Satz nicht mehr aus dem Kopf. Das ist schwierig zu beschreiben, am ehesten vergleichbar mit einem Hit, den Du im Radio hörst und der Dir im Kopf herumschwirrt.
  7. Ich habe Schwierigkeiten, die Bedeutung kurzer Wörter wie i, è, e, ci, che, di oder lì zu groken. Aber ich kann mich schon prima vorstellen, fragen wo der andere herkommt und sagen, wo ich herkomme. Und ich kann fast akzentfrei Sachen sagen wie „Imparare è semplice e divertente con il metodo guisto“ („Mit der richtigen Methode ist Lernen einfach und macht Spaß“).
  8. Ich habe von italienischer Grammatik keine Ahnung, glaube ich. Ich, Du, Er, Sie, Es, Wir, Ihr, Sie? Io, Lei, ci, ??? Pronomen? Naja, mio, und dann? Einige Sätze sind in der Vergangenheitsform, irgendwas mit o hinten dran? Kann ich nur vermuten. Das ist ungewohnt, sehr ungewohnt. (Zumindest „Ich, Du, Er, Sie, Es, Wir, Ihr, Sie“ sollte ich doch auswendig können, oder?)
  9. Selbstverständlich genieße ich es, dass ich für mich selbst lernen kann, ohne dass mir ein Lehrer, Trainer oder Kursleiter im Nacken sitzt und Ergebnisse und Lernfortschritte sehen will.

Was mir bei dieser Methode fehlt, ist das Re-Konstruieren von Wörtern, denn damit lerne ich selbst am Besten. Bisher höre ich zu und quassle nach und quassle mit. Aber im Kurs ist nicht vorgesehen, Sätze oder Situationen aus dem Deutschen ins Italienische zu übersetzen. Ich überlege nie aktiv, wie ich was sagen könnte. Ich lerne die vorgegebenen Dialoge gründlich auswendig. Und so komme ich lt. Kursbeschreibung nach 10 Kapitel auf 800 Redwendungen und Vokabeln. Die Methode müsste ideal für jene Menschen sein, die behaupten, sie läsen sich Texte recht oft durch und dann können sie diese. Ich selbst muss mit Texten arbeiten, reflektieren, kategorisieren, muss sie zerlegen und wieder zusammenbauen. Das enthält die Methode nicht, dafür sind Übungsbücher notwendig, oder google-translate, oder italienisch-podcasts oder DVDs. Apropos DVDs: Mir ist aufgefallen, dass relativ wenige DVDs eine italienische Audiospur oder italienische Untertitel enthalten.

Fazit: Die Birkenbihl-Methode macht Spaß, lässt einen fast nebenbei in eine Sprache einsteigen. Ungewohnt sind die fehlenden Grammatik-Hinweise und die fehlenden Übungen.

Der nächste Zwischenbericht kommt nach den nächsten 5 Kapiteln. Morgen geht’s ab in die Schweiz zu protalk. Die zeigen uns, wie sie diese Methode im Klassenzimmer anwenden. Bin gespannt.

Schlechte Lehrer wollen die Macht behalten

Sechs Stunden lang hörten einige hundert Lehrer am Freitag Vera F. Birkenbihl zu, als sie bei Ihrem jährlichen Besuch in Linz über „Neues von der Lernfront“ berichtete. Hier einige bemerkenswerte Aussagen:

Was ist der Unterschied zwischen Lernen und Pauken?

90 % des in der Schule gepaukten Wissens wird vergessen, Gelerntes bleibt. Viele von uns (aber nicht alle) haben in der Schule lesen gelernt, viele von uns haben in der Schule den Aufbau einer Zelle gepaukt. Alles klar? Also sollte sich jeder Lehrer grundsätzlich fragen, was in seiner Unterrichtseinheit gepaukt und was gelernt werden kann. Was hilft den Schülern im Leben? Was können sie wirklich lernen? (Siehe mein Beitrag vom Vorjahr: Das Wesentliche einer Unterrichtsstunde)

„Schlechte Lehrer wollen die Macht behalten“

Geben wir Lehrer den Schüler genug Kontingenz (=Wahlfreiheit)? Können Sie Ihren Lernerfolg manchmal selbst messen,  lassen wir sie durch Imitation lernen, sind wir gute Vorbilder beim Lernen, haben wir ein gut gefülltes Methodenrepertoire, sind wir ein Coach, der zum Lernen hinführt? Oder ist eine richtige Lösung ein Geheimnis, das der Schüler bei der Rückgabe seiner Arbeiten Tage später rot auf weiß erlebt? Halten wir die Schüler absichtlich klein, indem wir sie nicht nachschlagen und nicht nachlesen lassen? Indem wir Hintergrundinfos auf Arbeitsblätter zurechtstutzen, um sie nicht zu überfordern oder besser zu bleiben als die Schüler? Verbieten wir Wikipedia aus Angst, dass der Schüler mehr wissen könnte als wir? Fühlen wir uns als Dompteur, der Tiere dressiert, der sie mit Noten oder Gummibärchen belohnt, wenn sie zur richtigen Zeit hüpfen? Oder nehmen wir Rücksicht auf ihr individuelles Tempo?

Wir brauchen Außenlob nur, wenn wir uns mit etwas beschäftigen müssen, was wir nicht tun möchten.“

Fr. Birkenbihl betont immer wieder, dass Lehrer Opfer des Systems sind, nicht die Täter. Wir müssen also so unterrichten, wie wir unterrichten, weil das die Kollegen, die Direktion, der Inspektor, das Bildungssystem so will. Kleine Einschränkung von mir: Oder weil es anders einfach bequemer ist und wir uns noch nicht die Mühe gemacht haben, zu überlegen, ob es anders gehen würde? Oder weil wir noch nicht den Mut, die Kraft oder die Phantasie dazu hatten? Oder weil wir es mittlerweile leid sind, gegen den bürokratischen Wasserkopf anzukämpfen?

„Warum sortieren wir die Kinder nach Alter? Wir hätten sie besser nach Alphabet sortiert!“

Vera F. Birkenbihl plädiert für gemischte Klassen. Die jüngeren lernen von den Älteren. Die Älteren lernen, indem sie die jüngeren unterrichten. Die Lehrer können sich durch diese teilweise Entlastung um individuelle Förderungen kümmern. Und was machen wir in der Berufsschule? Wir trennen sie nicht nur nach Alter, wir trennen sie in einigen Fächern sogar innerhalb der Altersgruppe in „normale“ und „vertiefte“ Gruppe. Damit die lernschwachen wissen, dass sie lernschwach sind und keine leistungsstarken Vorbilder haben? Sehr intelligent, bravo dem Erfinder dieses Systems. So hält man Menschen klein, so züchtet man Burger-Brater.

Ein weiteres (sinngemäßes) Zitat, das auf breite Zustimmung stieß, zumal Betroffene nicht anwesend waren und die Veranstaltung abrechnungstechnisch ja ein reines Privatvergnügen war, für den etliche Lehrer einen Stundentausch mit ihren Kollegen veranstalten mussten:

„Eine Unterrichtsstunde in der Regelschule (=Pflichtschule) kostet zweimal soviel wie in einer Privatschule. Warum? Weil bei den Privatschulen der Wasserkopf der Verwaltungsbeamten fehlt! Gebt jenen Leuten kein Geld, die nicht unterrichten. Die haben im Bildungssystem nichts zu suchen!“

(Siehe dazu auch die brillianten Bilder von Dr. McLeod)

Natürlich bin ich aus dem 6-Stunden-Vortrag mit einigen Unterrichtsideen rausgegagen:

  • Auf meine Frage, was denn ein gutes Schulbuch ausmache, meinte Vera F. Birkenbihl: „80 % des Materials von Eliteschulen wird von den Schülern selbst erstellt. Lassen Sie doch den Schülern ihr bestehendes Schulbuch umschreiben.“
  • Ich werde in jeder Unterrichtsstunde kurze „Nachbarskonferenzen“ durchführen. Hier unterhalten sich zwei Schüler zu einem bestimmten Gedanken 30 – 60 Sekunden, mehrmals pro Unterrichtsstunde.
  • Meine Schüler werden mindestens einmal eine ABC-Liste von Tätigkeiten aufstellen, die sie gerne tun. Mit dieser werden wir arbeiten (Potentielle Jobs, Ziele, Interessensgebiete, Einbau in den Unterricht).
  • Wir werden im Englisch-Unterricht kurze Sketches einüben und die dann vorführen.
  • Ein Vorschlag war, den Schülern bei Test das Nachschlagen im Lernmaterial zu ermöglichen. Das muss ich noch überdenken. Argument dafür: Diejenigen, die nichts gelernt haben, schaffen die Aufgaben in der gegebenen Zeit nicht. Möchte ich mal ausprobieren. Wie, wann und wo? Weiß ich noch nicht.

Ein wesentlicher Grund für den Besuch dieser Veranstaltung ist für mich aber auch immer das Treffen mit Gleichgesinnten. Da sind allesamt motivierte Lehrer, die ihren Unterricht verbessern möchten, die interessiert und nicht neidvoll oder ängstlich sind, wenn es um eine Änderung des Unterrichtsalltags geht, die Neuem gegenüber aufgeschlossen sind und die auf ähnliche Weise ihren Unterricht ändern möchten.

Wem Birkenbihl einmal im Jahr zuwenig ist, der kann sich einer der Birkenbihl-Pilotgruppen anschließen, die in Österreich, Schweiz und Deutschland  existieren, sich regelmäßig treffen und immer Infos aus erster Hand erhalten. Ein Mail mit Kurzvorstellung an mich genügt, dann stelle ich gerne den Kontakt her.

Der ultimative Lerntypentest

Hat Ihnen schon mal wer gesagt, dass Sie ein visueller Lerntyp sind? Nein? Sind Sie vielleicht ein auditiver oder gar einer der wenigen kinästhetischen Lerntypen? Und haben Sie dann gute Tipps bekommen? Sie sollen mehr schreiben, sich Lernstoff auf den iPod sprechen, beim Lernen auf und ab hüpfen? Sie sollen eher Mindmaps kreieren, eher mit einem Partner im Gespräch lernen, eher Kaugummi kauen? Und hat es gewirkt?

Der letzte Lerntypentest, an dem ich vorigen Sommer als Schüler teilnehmen durfte, ging so:

  1. Vortragender hält nacheinander 10 Bilder in die Höhe. Nach einer Minute Kopfrechnen galt es, die Elemente auf den gezeigten Bildern zu wiederholen (z. B.: Sonne, Esel, Haus, …). Anzahl der gemerkten Bilder notieren.
  2. Vortragender nennt 10 Gegenstände. Dieselbe Vorgehensweise wie oben.
  3. Vortragender zeigt 10 geschriebene Worte. Dieselbe Vorgehensweise wie oben.

Die Anzahl der jeweils gemerkten Gegenstände sollten auf den Lerntyp Rückschlüsse ziehen lassen. Was aber tun, wenn man immer 10 von 10 hat? „Ja, dann haben Sie von allem etwas, so was gibt’s.“ Oder der Schüler hat einfach während des Tests diese Gegenstände in eine Geschichte eingeknüpft und hatte somit kein Problem, alle 10 Gegenstände zu wiederholen. Unfair, dem Test gegenüber?

Ich habe sie satt, diese Lerntypentests. Noch immer überfallen Pädagogen ihre Schülern mit diesen populistischen populären, einfach durchzuführenden Tests um anschließend, selbstverständlich wissenschaftlich fundiert *grins*,  gut gemeinte Lerntipps zu geben, die den Schülern endlich eine Ahnung geben, warum sie sich mit dem Lernen bisher so schwer getan haben. Nein, es war kein Intelligenzproblem, es war nicht die fehlende Motivation, Faulheit oder gar schlechter Unterricht. Nein, nur einfach visuell statt auditiv, auditiv statt kinästhetisch oder kinästhetisch statt visuell gelernt. Problem erkannt, Problem gebannt. Dann braucht der Lehrer es nur noch zu schaffen, beispielsweise die Grenzen von Angola dem Schüler – wiederum beispielsweise auditiv – beizubringen und gleichzeitig all die anderen Lerntypen in seiner Klasse zu bedienen. Einziger Vorteil: Der Lehrer denkt darüber nach, wie er seinen Unterricht anders gestalten könnte.

Meine völlig unwissenschaftliche und aus dem Bauch heraus motivierte Schätzung dazu lautet: Für den Lernerfolg von 100 % entspricht das Wissen um den persönlichen Lerntyp genau 1,2 %. Wichtiger sind Lerntechniken, Motivation, Verständlichkeit des Unterrichts, Schlaf, Sport, Ernährung, psychische Ausgeglichenheit, Muße, angenehme Raumtemperatur, bequeme Unterwäsche und frisch gewaschene Socken.

Nun freut es mich umso mehr, dass es endlich prominente Gegenstimmen zu diesen netten und beliebten Tests gibt. Michael Kerres hat ein Video von der Uni Virginia mit dem Titel „Learning Styles don’t exist“ gefunden:

Jetzt braucht das Video nur noch in den Pädagogischen Hochschulen die Runde zu machen. Und dann als „glaubwürdig“ eingestuft werden. Danach sollte es insoweit Einzug in die Skripten finden, dass zumindest die Lerntypen-Test-Seiten daraus entfernt (oder radikal gekürzt) werden. Also in <error 405: can’t recognize numbers near googol> Jahren.

Im Gespräch höre ich immer wieder, dass die Lerntypentests „nur“ als Anhaltspunkt dienen, aber überhaupt keine Bedeutung für den Unterricht haben. Und dass jeder weiß, dass der Beweis von Lerntypen wissenschaftlich bisher noch nicht erfolgt ist. Aber dass im Kern doch was Wahres dran ist. Und zwar hat es konkret a) „mir selbst“ b) „einem Schüler von mir“ c) „dem Freund eines Schülers von mir“ d) „der Tochter meines Schwagers“ immens geholfen. So falsch können diese Tests dann nicht sein. Und überhaupt. Diese Amerikaner.

Ein unamerikanische Links:

Die Lerntypentheorie – eine Kritik

Ein populärer Irrtum, der sich hartnäckig hält

Lerntypen? Ein pädagogische Konstrukt auf dem Prüfstand (als PDF)

Wissenschaftlicher Beweis der Lerntypentheorie

P. S.: Ja, ich weiß. Die Überschrift ganz oben im Beitrag ist nicht passend. Aber wenn ich „Kritik an Lerntypentest“ geschrieben hätte, dann würde das kaum wer lesen.

Nachtrag vom 17. Februar 2010: Noch eine Untersuchung über die Sinnhaftigkeit von Lernstilen: Learning Styles – Concepts and Evidence