Fachtagungs-Bericht: Kann Medienbildung im Schulalltag gelingen?

Unter diesem Titel stand die Fachtagung anlässlich des Medienfestivals mla:connect. Die Tagung wurde nach der World-Café-Methode, die (lt. Wikipedia) für 12 – 2000 Teilnehmer geeignet ist, abgehalten. Drei Gesprächsrunden zu je 45 Minuten kreisten um das zentrale Thema, am Schluss wurde eine zusammenfassende Twitter-Meldung inklusive dreiminütiger Zusammenfassung gegeben. Am Tisch lagen Flip-Cams bereit und wir wurden ermuntert, nach Lust und Laune mitzufilmen bzw. zu fotografieren. Sollte genug Material zusammenkommen, wird ein Film für mediamanual.at erstellt.

Sitting alone by naraekim0801 (flickr.com)

Nach drei intensiven Diskussionsrunden war unsere Twitter-Meldung am letzten Tisch eine Meldung aus der Zukunft, aus dem Jahr 2015: „Medienfachfrau/-mann installiert World-Café in allen Bezirken Österreichs“. Denn auffallend bei vielen Berichten der medien-affinen Kolleginnen und Kollegen waren folgende Faktoren:

  1. Medienbildung wird an Schulen zumeist von einer Person betrieben, die sich oft als Einzelkämpferin bzw. Einzelkämpfer fühlt.
  2. Es fehlt an gegenseitigem Austausch, der vom Schulsystem unterstützt wird.

Auffallend oft wurde auch erwähnt, dass junge Lehrer sich den neuen Medien oft verweigern, wohingegen manche Ältere seit Jahren begeistert bei der Sache sind. Paradebeispiel dafür war Josef Ranner, der schon Radiosendungen in der Schule produzierte, als ich selbst nur knapp aus den Windeln heraus war. Nunmehr seit 16 Jahren in der Pension, betreibt er noch immer das Medienzentrum Mürz. Ranner war an diesem Nachmittag mit einer Filmcrew am Arbeiten und in den Gesprächsrunden dabei.

Zurück zu unserer Twitter-Meldung (… die nicht getwittert wurde, die sollte einfach nur so kurz sein, wie eine Twitter-Meldung). Wir wünschen uns also World-Cafés vor Ort und eine Medienfachfrau bzw. einen Medienfachmann, der uns dann und wann mit Rat und Tat zur Seite steht.

Warum?

Aufgrund des Umstandes, da Lehrkräfte, die „was mit Medien machen“ offensichtlich an den meisten Schulen alleine werkeln, fanden wir es wichtig, sich gegenseitig intensiv auszutauschen. Die Ruf nach Ausbildung, nach Kursen à la „Filmschnitt mit Piesackl“ oder „Podcasting für Junggebliebene“, der ist recht leise. Wer ist heute noch begeistert, in einem Vortragssaal die Funktionsweise einer Software kennenzulernen, wenn es dazu ein Handbuch oder Youtube-Videos dazu gibt. Was wir brauchen ist der Erfahrungsaustausch, wie diese Software didaktisch und pädagogisch eingesetzt werden kann und welche Fallstricke und best-practices es gibt. Kaum wer will „Moodle“ lernen, weil das Tool ja großteils selbsterklärend ist. Wir wollen wissen, wie Unterrichtsprojekte bestmöglich mit Web-Tools abgewickelt werden können, egal welches Etikett auf dem Tool steht.

Die Notwendigkeit eines Austauschs von Ideen, Erfahrungen, Vorgehensweisen und wohl auch die gegenseitige Motivation ist das Um und Auf, Medien in den Unterricht bestmöglich zu integrieren. Dieser Erfahrungsaustausch könnte / sollte auch schultypenübergreifend stattfinden. Was brauchen wir dazu?

  1. Zeit, denn es kann nicht sein, dass Medienbildung an Österreichs Schulen (so wie jetzt) als Freizeit-Hobby einiger Lehrer betrachtet wird und
  2. ein flexibles Schulbudget, das (mal mehr, mal weniger) für Medienprojekte verwendet werden kann.

Wir brauchen auch immer seltener einen „Sage on the stage“, niemanden, der uns zeigt, wie es geht. Zuallererst sollten wir Lehrkräfte den eigenen Erfahrungsschatz untereinander austauschen und uns schulübergreifend vernetzen. Für individuelle Projekte sollte es aber dann doch auf Anfrage einen Experten geben, der an die Schule kommt und bei der Planung und Durchführung der Projekte behilflich ist. So wie ich einen Schulpsychologen anfordern kann, so sollte dieser Medienexperte bzw. die Medienexpertin hilfreich zur Seite stehen. Randnotiz: Sollte es diese Stelle demnächst geben, würde ich sie gerne haben wollen 😉

Bei den Diskussionen fiel auch auf, dass wir es heute im Vergleich zu früher so viel leichter haben, Video und Audio in den Unterricht zu integrieren. Wer braucht heute noch ein Studio, ein Gerät zum Filmeschneiden, eine hochwertige Kamera? Für Medienprojekte in der Berufsschule genügt mir eigentlich ein Smartphone eines Schülers und ein Administratorpasswort um geeignete Freeware auf Schul-Pcs installieren zu können und Internet, sprich Youtube, posterous etc. Es gibt ja sogar schon einen „Bring-your-own-device-Erlass“ (BYOD-Policy). Da höre ich jetzt natürlich den Aufschrei: „Aber da können wir auch keine hochwertigen Medienproduktionen mehr erstellen!!“

Stimmt. Das ist eine Grundsatzdiskussion. Geht es darum, ein möglichst perfektes Endprodukt zu erstellen oder ist der Produktionsprozess und das parallel dazu laufende Lernerlebnis das eigentliche Ziel? Beide Varianten haben was für sich:

  1. Sowohl für Schulerinnen und Schüler und auch Lehrkräfte ist es toll, wenn das Endergebnis eines Unterrichtsprojektes herzeigbar, prämierbar und professionell erscheint. Tatsache ist aber auch, dass Projekte scheitern und zumindest am Misserfolg entlangschrammen und Lehrerinnen und Lehrer vielleicht für ihre Klasse das Projekt zu einem herzeigbaren Endergebnis schleppen. Was ja absolut nicht der Sinn der Sache sein sollte.
  2. Wenn Medienproduktionen als Lernmethode angewandt werden, so zählt nicht so sehr das Endergebnis, sondern der Weg dorthin. Dann muss das Endergebnis qualitativ nocht so hochwertig sein. Schließlich sind es Erstlingsprodukte von Menschen, die aus Fehlern lernen sollten und nicht das Werk von Profis, die das schon jahrelang machen.

So richtig klar geworden ist mir das bei den Podcast-Projekten der letzten Jahre. Beim Wirtschaftskunde-Podcast war mir der Weg zum fertigen Podcast noch das Wichtigste. Schülerinnen und Schüler sollten bei der Erstellung des Podcasts den Stoff lernen oder vertiefen. Der Podcast selbst war dann eigentlich ein Nebenprodukt. Anders war es beim AGSL-Podcast. Hier stand ganz klar immer das Endprodukt im Vordergrund. Für mich als Lehrer in einer kaufmännischen Berufsschule ist es sicherlich nicht Ziel, ein High-End-Produkt herzustellen, weil die dafür zur Verfügung stehende Zeit sehr, sehr, sehr begrenzt ist. Für den AGSL-Podcast verwendet ich meist 100 – 150 Minuten (ohne Schnitt).

Die erstaunliche Erkenntnis aus dem World-Café war für mich, dass die Medienbildung an vielen Schulen das Werk einzelner Lehrerinnen und Lehrer ist. Ich frage mich, ob das in den meisten Schulen so gesehen wird oder ob das Treffen dieser vielen „Einzelnen“ vorige Woche ein Zufall war. Jedenfalls: Es war lehrreich, höchst interessant und ich hätte mir die doppelte Zeit für Diskussionen und Erfahrungsaustausch gewünscht.

Das Thema gab es schon vor zwei Jahren auf der Fachtagung, hier ein Lesetipp von damals: „Wie kann Medienbildung im Schulalltag gelingen? Gelingensfaktoren –Stolpersteine – Strategien (PDF)“ (Inge Fritz, mediamanual.at, 2009)

Schygulla – Filmprojekt einer Hauptschule

Frau_He hat den Beitrag „Hautpschüler als Schauspieler“ zwar schon im Juli gepostet, ich bin aber (trotzdem) erst jetzt darauf gestoßen. Ein sensationelles Filmprojekt mit Schülern der Schule am Botanischen Garten, Hann Münden. Insbesondere die Szene mit dem Bewerbungsgespräch lässt sich prima für Unterrichtszwecke einsetzen, ebenso ist das Film ein tolles Beispiel zum Thema „Arbeiten im Team“.

Viel Vergnügen!

Die „Sche!#e-O!da“ (SO) Methode: done

So. Eine Woche später nach meiner bewusstseinserweiternden „Sche!#e-O!da“-Zählaktion (ab jetzt SO-Methode genannt, siehe Blog-Beitrag) ein Effekt, der wieder mal ein Lichtblick im Lehrerdasein ist.  Zur Erinnerung: Vorigen Freitag war knapp alle 1,5 Minuten entweder „Sche!#e“ oder „O!da“ im Klassenraum zu hören.

Gestern hörte ich – und ich habe wieder mitgezählt – zwei eher leise „O!da“ in 100 Minuten. Fäkalworte: Keine. So, dachte ich mir, das bestätigt den Spruch: „Grundsätzlich ist der Mensch intelligent und gut“.

Dafür hat eine Schülerin bei mir mitgezählt: Innerhalb von 30 Minuten habe ich selbst siebenmal „So“ gesagt. „So, jetzt wiederholen wir mal vorige Stunde“ oder „So, wer kann mir sagen…“ oder einfach nur „So“, um einfach nur etwas gesagt zu haben. Interessant wäre, seit wann ich dieses Wort so intensiv nutze. Auf jeden Fall bedanke ich mich für den Hinweis und werde mich bessern.

Die finale Überprüfung, ob die SO-Methode wirklich funktioniert, ist zwei Stunden auf ATV Saturday Night Fever – So feiert Österreichs Jugend (nach der Werbung) zu sehen. Wer danach weder S oder O sagt, der ist nach diesem Härtest geheilt.

Schei#!e, O!da!

[Update 22.10.11: Oh Mann, die Überschrift war ja ein Spam-Magnet. Überschrift und Text wurden deshalb verfremdet]

Wenn die ARD-Mediathek den „unflätigen Umgang unter Parteifreunden“ thematisiert und im Beitrag berichtet, dass ein (deutscher, aber egal) Politiker einem anderen ins Gesicht sagt, „er solle ihn mit so einer Schei#!e in Ruhe lassen“, dann darf ich auch von meiner nagelneuen, nicht repräsentativen Statistik erzählen:

  • Zeit: Freitagnachmittag, ca. 1,5 Stunden vor dem Wochenende
  • Ort: ein sonniges Klassenzimmer
  • Anwesende: Verkäufer, durchgehend 16-17jährig
  • Fach: Wirtschaft
  • Beobachtungs- bzw. Aufzeichnungszeitraum: 15:15 – 15:50

Was ist anders als sonst? Ich habe an meinen Schreibtisch ein Post-it mit zwei Spalten geklebt: „Schei#!e“ und „O!da“.

Aufgabe: Klammheimlich jedesmal wenn ich als Lehrer „Schei#!e“ oder „O!da“ höre ein Stricherl da bzw. eines dort. Sollte der Begriff unbekannt sein: hier ist eine Wiki-Eintrag dazu.

Ergebnis: In 35 Minuten 12 mal „Schei#!e“ und 9 mal „O!da“ gehört. Also alle 2,9 Minuten „Schei#!e“ und alle 3,8 Minuten „O!da“ gehört. Oder anders gesagt: Alle 1,5 Minuten höre ich entweder „Schei#!e“ oder „O!da“. Ich lasse mal die Wochen-Highlights wie „Brunzkopf“ oder „fette Sau“ weg, die in anderen Einheiten gefallen sind.

Mich stört das. ich arbeite nicht gern in einer Umgebung, in der ich dauernd an dieses Bild (siehe Bild) denken muss. Der Klassiker ist ja „Denke jetzt mal nicht an einen blauen Elefanten mit rosa Streifen“. Und wenn ich Schei#!e höre, dann drängt sich (mir zumindest) dieses bestimmte Bild rechts oben auf.

Es ist unangenehm und eklig. Genauso wie Füße auf dem Tisch. Oder Mundgeruch. Oder Abgabe zerissener oder verschmierter Hausübungen. Vielleicht stört es auch manche Kunden, die (unfreiweillig) so manche Gespräche des Verkaufspersonal mithören. Welche Überstunden / Urlaub / Zeitausgleichsansuchen nicht genehmigt worden sind. Wer was wann zu wem angeblich gesagt hat und dass das eine Frechheit ist. Dicht gefolgt entweder von S oder O.

Ich habe den Eindruck, dass vielen diese Wörter nicht bewusst sind. Dass sie genauso verwendet werden, wie manche Menschen „ähm“ oder „ahh“ oder „Na gut“ (=beliebter Lehrersatz zum Unterrichtseinsteig) sagen. Mit der Statistik oder der anschließenden Ergebnisveröffentlichung wolle ich ein Bewusstsein schaffen, dass diese Worte eben nicht selbstverständlich sind und eben nicht andauernd im Klassenzimmer oder in Verkaufsräumen fallen müssen. Sozusagen ein Plädoyer für mehr Achtsamkeit im täglichen Sprachgebrauch.

Ganz besonders hat es mich gefreut, dass die eifrigsten „Sche#!e O!da“-User Besserung gelobten und heute schon eine Wirkung zu hören war. Vielleicht sollte ich das auch mal im Konferenzzimmer thematisieren, nachdem ich heute Morgen innerhalb von 30 Sekunden zweimal „Schei#!e“ gehört habe. Das schlägt – statistisch gesehen – sogar die Schüler. Gut, dass das eine Ausnahme war.

Schulinternes Best-of-Methoden Seminar

Ich könnte vieles von meinen Kolleginnen und Kollegen lernen, wenn ich, statt zu unterrichten, ihren Unterricht besuchen würde. Leider ist das erstens an unserer Schule sehr unüblich, zweitens würde meine ohnehin (duch das „Nebenbei“-Studium in Hagen) knapp bemessene Freizeit noch weiter reduziert werden (jaja, lacht nur)  und drittens steckt in dieser Vorgehensweise doch eine gewisse Ineffizienz. Jeder, der schon Unterrichtsbesuche gemacht hat weiß, wie öde das sein kann, wenn die Schülerinnen und Schüler angestrengt und intensiv arbeiten und man selbst beobachtenderweise nichts zu tun hat und auf das Ergebnis wartet.

Also wurde eine andere Variante kreiert, um voneinander zu lernen: Das schulinterne „Best-of-Methoden Seminar“. Und das habe ich mir so vorgestellt:

Das Ziel dieses kooperativen, fächerübergreifenden SCHILF-Seminars ist, bewährte Unterrichtsmethoden aus einem beliebigen Fach den Teilnehmern vorzustellen. Dabei schlüpfen die Lehrerinnen und Lehrer in die Schülerrolle und probieren die Methode unter Anleitung selbst aus. Erwünscht sind alle Methoden, die Schülerinnen und Schüler das Lernen erleichtern. Im optimalsten Fall kann die Methode auch für andere Fächer (in adaptierter Form) verwendet werden. Eine kurze Reflexions- bzw. Feedbackphase über mögliche Veränderungen der Methode im eigenen Unterricht beendet die jeweilige Methodenvorstellung. Der Zeitrahmen pro Methodenvorstellung sollte 15 Minuten nicht überschreiten – im realen Unterricht kann die jeweilige Methode länger dauern. Wünschenswert wäre, dass jede Teilnehmerin bzw. jeder Teilnehmer eine Methode vorstellt – dies ist allerdings kein Muss, Zuhörer sind auch willkommen.

Wichtig ist, dass die jeweilige Methode nicht nur beschrieben, sondern auch live ausprobiert wird. Das hat folgende Gründe:

  1. Die tatsächliche Durchführung steigert den Lerneffekt und die Methode kann später vielleicht auch ohne jeweilige (schriftliche) Methodenbeschreibung „spontan“ im Unterricht eingesetzt werden.
  2. Erst bei konkreter Durchführung der Methode bekommt der Teilnehmer ein „Bauchgefühl“, ob diese für ihn selbst geeignet ist.
  3. Die Reflektion und Adaption für das eigene Fach nimmt weniger abstrakte Formen an.
  4. Es sollte ein vertrauensvolles Klima von gegenseitigem Geben und Nehmen entstehen und
  5. es ist lustiger als die Methode nur vorzulesen.
In der Vorbereitungsphase wird nach Anmeldung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam eine Liste mit möglichen Methoden erstellt. Dies erfolgt in einem ietherpad. Eventuell erfolgt eine Abstimmung bzw. Koordination, welche Methoden vorgestellt werden sollten (via Google-Text und Tabellen Formular), dies ist aber nur notwendig, wenn sehr viele Teilnehmer sehr kreativ sind.

Die jeweiligen „Methoden-Inhaber“ bereiten vor dem Seminar gemäß eines Templates eine A4-Kurzbeschreibung der Methode vor (Name, Ablauf, Dauer, mögliche Teilnehmeranzahl). Diese Kurzbeschreibung sollte so ausführlich sein, dass sie als Anleitung zur Vorbereitung und Durchführung des Unterrichts dienen kann. Die einzelnen Kurzbeschreibungen werden zu einem Skript sowohl in Papierform als auch online (unter einer Common-Creative-License – frei kopierbar unter Namensnennung) als Produkt unserer Schule zur Verfügung gestellt.

Den Methoden-Super-Guru, den sparen wir uns. Ebenso Reisekosten, Vorbereitung für Vertretungsstunden, Vertretungsstunden, Nachbereitung für Vertretungsstunden und gut gemeinte 5minütige Zusammenfassungen von 6stündigen Seminaren auch. Aber wenn wir am Ende unserer Methodenweisheit sind, ja dann wird einer von uns ein Methodenseminar außerhalb der Schule besuchen. Aber ich vermute, dass wir noch lange nicht am Ende sind.

Dieses SCHILF-Seminar ist ein erster Schritt. Der Pädagogischen Hochschule habe ich vorgeschlagen, die Grundidee dieses Seminar (in einer angepassten Variante) schulübergreifend zu initiieren. Ich bin gespannt, was aus dem Vorschlag wird.

Essen bei Facebook’s

… heißt ein Artikel, den ich im November 2010 für das Magazin DGUV pluspunkt schreiben durfte und der nun erschienen ist. DGUV pluspunkt ist eine Fachzeitschrift für Sicherheit und Gesundheit in der Schule, die Ausgabe 1/2011 steht unter dem Themenschwerpunkt „Medienkompetenz“.

Es ist immer wieder erstaunlich (und erfreulich), welche Angebote und Anfragen über diesen Blog reinkommen, die ich aber aus zeitlichen Gründen meistens ablehnen muss. Bei der DGUV pluspunkt konnte ich nicht widerstehen: Erstens war der Wunsch des Redakteurs nach einem Artikel bestechend nett formuliert, zweitens hat Hr. Misterek mir alle Freiheiten gelassen, die ich für kreatives Schreiben als notwendig erachte, drittens war es wieder mal wohltuend, nach all den Hausarbeiten für die FernUni Hagen was zu schreiben, das nicht belegt, zitiert und wissenschaftlich fundiert ist und viertens bin ich jung und brauche das Geld.

Diese Freiheit, aus meiner subjektiven Sicht über Facebook zu schreiben habe ich genutzt, was prompt einige Diskussionen im Redaktionsrat ausgelöst hat (wurde mir berichtet). Sehr schön, freut mich. Ich wünsche der DGUV pluspunkt auch viele Leserbriefe dazu. Obwohl ich mittlerweile meine, das Facebook nicht mehr ganz so kontrovers in den Medien diskutiert wird, wie vor noch vor einigen Monaten. Facebook gehört mittleweile fast selbstverständlich zum Alltag. Menschen, die Facebook noch immer nicht nutzen, weil das System gegen ihr Werte (was Zeit, Moral oder Ethik betrifft) verstößt, gehören einer Gruppe an, die Teile unserer „ach so schönen, neuen Welt“ nicht haben möchten. So wie manche, die sich aus Prinzip keinen Fernseher anschaffen. Die Facebook-Verweigerer sind zwar eine viel größere Gruppe als die Fernseh-Verweigerer, aber prinzipiell ticken sie vermutlich sehr ähnlich. Gäbe es keine DVD’s oder Stermann&Grissemann,  dann würde ich meinen Fernseher mittlerweile auch schon auf ebay versteigert haben.

Seit ich den Artikel im Oktober geschrieben habe, ist in der Facebook Welt einiges passiert: „The Social Network“ ist in den Kinos angelaufen und in Tunesien, Ägypten und Libyen hat das soziale Netzwerk (ein wenig) mitgeholfen, jahrzehntelang betonierte Machtstrukturen aufzubrechen. Ich wünsche auch der Schule eine kleine Facebook-Revolution: Wir hätten sie uns nach all diesen Jahrzehnten verdient. Wie die aussehen sollte? Keine Ahnung, irgendwas mit „Schule brennt“.

Hier der Artikel: Essen bei Facebook’s (online) und als  PDF.
Schon vor einiger Zeit durfte ich einen Artikel für mediamanual.at schreiben: „Mein Job bei Facebook“ (online) und als PDF.

Barbara Buchegger berichtete im Standard diese  Woche ebenfalls über Lehrer und Schüler bei Facebook.

 

European Podcast Award – 3. Rang in Österreich

Alle guten Dinge sind drei: Nachdem der „Wirtschaftskunde-Podcast“ der Berufsschule Rohrbach 2008 beim dem lernm[it]-Wettbewerb des Landes Oberösterreich und 2009 beim Lörnie-eContent-Award des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur mit dem 1. Rang in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde, folgte jetzt die dritte Prämierung:

Beim European Podcast Award erreichte die Serie in Österreich den 3. Rang in der Kategorie „Non-Profit“. Die Sieger wurden durch eine internationale Jury und durch User-Voting ermittelt. Herzlichen Dank an alle, die für uns gestimmt haben!!

Der „Wirtschaftskunde-Podcast“ wird ausschließlich von Schülerinnen und Schülern der Berufsschule Rohrbach produziert und beinhaltet auszugsweise den Lehrstoff der 1. und 2. Klasse des kaufmännischen Unterrichts für Berufsschulen. Er ist kostenlos über itunes (itunes-Store -> Podcasts -> Berufsschule Rohrbach) und über unseren posterous-Medienblog abonnierbar.

Nachdem ich auch gerade im Rahmen des Master-Lehrgangs eEducation an der Fernuni Hagen beim Schreiben einer Hausarbeit über diese Projekt bin, hier einige Anmerkungen, Erkenntnisse und Gedanken, die sich im Laufe der letzten drei Jahre beim Erstellen dieser Serie ergeben haben:

  1. Die Produktion von Podcasts im Berufsschul-Unterricht findet unter ständigem Zeitdruck statt. Da es sich nicht zielführend erwiesen hat, die Unterrichtsinhalte anhand der Podcasts zu erarbeiten, sondern diese reflektierend und für bereits behandelte Inhalte zu erstellen, fehlt die Produktionszeit von fünf Unterrichtseinheiten in den anderen Stoffgebieten, was immerhin 12,5 % der Lehrgangszeit entspricht. Deshalb müssen bei der Aufnahme fachliche Fehler bezüglich Inhalt ausgeräumt sein, eine nochmalige Aufnahme ist aufgrund der schwierigen Zeitsituation kaum möglich. Andererseits lernen Lehrende und Lernende damit, effizient mit einem Zeitbudget umzugehen.
  2. Die vielzitierte „relativ einfache technische Produktion von Podcasts“ kann ich nicht bestätigen. Ich freue mich schon auf den ersten Schüler bzw. Schülerin, die es übernimmt, die Podcasts auch zu schneiden, Sound-Effekte hinzuzufügen und dazu das nötige Feingefühl für Copyright & Urheberrechte an den Tag zu legen. Diese Skills auch noch im Wirtschaftskunde-Unterricht zu vermitteln, übersteigt das Zeitbudget und den Rahmen des Erlaubten bei Weitem. Eine Kooperation mit Informatik ist leider nicht möglich: Groß- und Einzelhändler haben dieses Fach nicht, Bankkaufleute haben es nur im zweiten Lehrjahr – und dort auch kaum Zeit dafür, schließlich müssen die dort in knapp 40 Stunden Excel, Powerpoint, Access, Grundlagen Hard- und Software und Web-Anwendungen kennenlernen. Und ein wenig Datenschutz, gesellschaftliche Aspekte etc.
  3. Bei Podcast-Produktionen im Unterricht gab es erstaunlicherweise kaum Motivationsprobleme und sehr selten Unterrichtsstörungen. Gerade Klassen, die im normalen Unterricht als „schwierig“ galten, waren unerwartet motiviert, produktiv und interessiert.
  4. Die erstellten Podcasts sollten als Lernhilfe für Schüler, als Unter-richtseinstieg oder zur Wiederholung verwendet werden. Diese Intention brachte nicht den erwarteten Erfolg. Die Akzeptanz der Podcasts als Lernhilfe für Schüler war enttäuschend gering. Auch Lehrer-Kollegen verwenden die erstellten Podcasts nicht. Wohl deshalb, weil bis dato nur eine von knapp 40 Kolleginnen und Kollegen einen MP3-Player im Unterricht verwendet.

Für die nähere Zukunft sollten die Podcasts der Berufsschule Rohrbach einem internationalerem Publikum zugänglich gemacht werden. Diese Idee entstand vor allem beim Microsoft-Innovative-Education Forum in Berlin, wo deutschsprachige Teilnehmer (und Prämierungen) in der Minderheit waren. Englisch als Podcast-Sprache erscheint als der logische nächste Schritt und stellt eine Herausforderung für den Fremdsprachenunterricht dar, da die Qualitätssicherung und die Peer-Review ungleich höhere kognitive Leistungen erfordern als eine deutschsprachige Produktion. Einerseits könnten die bestehenden Podcasts übersetzt und neu gesprochen werden, andererseits steht die Idee im Raum eine völlig neue Serie zu kreieren, deren Arbeitstitel derzeit … ja… das wird hier nicht verraten. Nur so viel: Nächste Woche geht’s los.