Dr. Claudia Schmied bei der Arbeit

Da sitze ich nun den ganzen Tag in Seminarräumen herum, bekomme nichts mit von der Welt und höre dann beim Heimfahren eine Nachricht, die mich vom Autositz fast ins Autodach katapultiert: Schulversuche in OÖ auf Wunsch.

Gesamtschule auf Wunsch, auch in Oberösterreich, Verhandlungen in Wien, Burgenland, Steiermark und Kärnten. Es tut sich was. Es muss sich was tun. Wir wissen das, wir wollen das, wir unterstützen das. Als Berufsschullehrer trifft mich das zwar nicht in erster Linie, als Vater einer vierjährigen Tochter allerdings schon.

Einige werden der Vergangenheit natürlich nachtrauern. Was waren das doch für nette Spielchen:

  • „Mein Kind geht aufs Gymnasium, deines in die Hauptschule. Naa?“
  • „Mein Papa macht einen Noteneinspruch, weil ich in Mathematik einen Zweier bekommen habe und nur mit einem Einser komme ich ins Gymnasium.“
  • „Die Hauptschule am Land hat noch einen guten Ruf, aber die Hauptschulen in der Stadt… Da muss ich mein Kind doch aufs Gymnasium schicken. Das bin ich mir schuldig.“
  • Wir haben sechs Klassen in der Ersten. Nächstes Jahr dürfen wir nur noch fünf haben.
  • „Ich will doch nur das Beste, auch wenn die Nachhilfelehrer sich bei mir die Klinke in die Hand geben.“
  • usw.

Kleines Problem: Hauptschullehrer dürfen aufgrund ihrer Ausbildung an den Pädagogischen Instituten nicht an der AHS-Unterstufe unterrichten, weil die Pädagogischen Institute bisher kein akademisches Niveau hatten. Die Lehrpläne sind lt. Standard-Artikel allerdings fast identisch. Das ändert sich ja derzeit, jedes Pädagogische Institut wird in eine Pädagogische Hochschule umgewandelt. Für die Zukunft ist das Problem gelöst. Aber was machen wir mit den Lehrern, die jetzt in unseren Schulen stehen?

Nehmen wir an, sie dürften einfach da und dort unterrichten, zB per Verordnung oder per Gesetz. Wenn Gymnasien bzw. AHS und Hauptschulen zusammengeschaltet werden, dann gibt es plötzlich vier statt den bisherigen zwei Klassen von Lehrern in einer Schule. Die Besser-Bezahlten, die Nicht-Besser-Bezahlten, die Pragmatisierten und die Vertragslehrer.

Wir wissen, das derzeitige Lohnschema ist nicht gerade leistungsfördernd (siehe Standard-Artikel vom 14. November 2005). Im derzeitigen Lohnschema ist der Grundsatz verankert: „Nur ein alter Lehrer ist ein guter Lehrer und wird daher besser bezahlt.“ Da aber die tatsächliche Lehrer-Leistung schwierig zu messen ist, sind echte Alternativen kaum in Sicht. Was tun?

Egal was man jetzt macht: Bei solchen Veränderungen gibt es Gewinner und Verlierer. Mir fällt nur eine Win-Win-Situation ein, die für mich persönlich okay sein würde, sollte eine Zusatzausbildung notwendig werden: Warum nicht wieder einmal die Schulbank drücken und den Zusatz-Abschluss machen, wie immer der auch dann heißt? Mit Anrechnungen von absolvierten Seminaren, Berufspraxis (sofern vorhanden) und großzügigen Freistellungen (ein bis zwei Jahre). Zudem die Möglichkeit von berufsbegleitenden Studien mit einer gehörigen Portion Anteil von Fernunterricht. Die FernUni-Hagen hat es vorgemacht, die Linzer-Uni perfektioniert es mit ihrem Jus-Studium. Alle sind glücklich. Außer die, die nichts mehr lernen wollen. Aber die sind ja sowieso nicht glücklich, die müssen ja nicht, die stören dann im Uni-Betrieb nur, oder?

Aufschrei? Jammer? Arbeit? Wer bezahlt denn das? Das geht doch nicht? Das geht räumlich nicht. Wer ist denn dann Direktor? Und die EDV, das Sekretariat, die Parkplätze?

Ich bin guter Hoffnung, das letzte Muh der heiligen Kuh (heilige Kuh=Trennung HS / AHS = Weichenstellung für das Leben im Alter von 10 Jahren) noch in meinem Arbeitsleben zu hören. Zitat Enja Riegel in der Presse vom 21. 4. 2007:

„Die Lehrer müssen aus der Defensive, aus ihrer Jammermentalität heraus. Dort, wo die hierarchische Schulstruktur versagt oder zu langsam ist, sollen die Pädagogen selbst handeln. Die Lehrer, die noch im Obrigkeitsdenken verhaftet sind, sollten mehr Mut und Eigeninitiative zeigen.“

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