Tipps gegen Burn-Out im Lehrerjob

Auf Lehrerfreund.de findet derzeit eine sehr fruchtbare Diskussion gegen Burn-Out im Lehrer-Job statt. Unbedingt dort lesen. Natürlich konnte ich es nicht lassen, auch meinen Senf abzugeben, obwohl ich mit meinen 4 Jahren im Job noch nicht wirklich Burn-Out gefährdet sein sollte.

1.) Den eigenen Rhythmus finden:

Ich weiß, dass ich nachts am kreativsten bin. Deshalb bereite ich neue Unterrichtseinheiten am liebsten von ca. 21.00 bis 01.00 Uhr nachts vor. „Handwerk“, also unterrichten, korrigieren und bereits gehaltene Einheiten vorbereiten mache ich tagsüber. Ein Vorteil des Lehrerjobs ist, die freie Zeiteinteilung: Nütze sie, mach sie nicht zum Fluch. Freie Zeiteinteilung heißt: Sich die Zeit einzuteilen, nicht rund um die Uhr zu arbeiten. Ich setzte mir aber auch ein Limit pro Woche: 50 Stunden (Schule + Internatsdienst) sind für mich genug. Geht es mal drüber, dann arbeite ich nächste Woche weniger. Ich könnte an einer Unterrichtsstunde 5 Stunden, ja 10 Stunden vorbereiten. Aber ich will nicht. Das Funktioneren einer Unterrichtsstunde hängt zu einem großen Teil von meiner guten Laune und Ausgeglichenheit ab, nicht von einer perfekten Vorbereitung.

2.) Kultur des Teilens und Tauschens:

Ich tausche so viel es geht mit Kollegen. Ich nutze so viel es geht das Internet. Ich verstehe Lehrer nicht, die mit Unterrichtseinheiten anderer nichts anfangen können, an diesen „herumbasteln“ müssen (… meist ist es ja nur ein Grafik verschieben und eine Schriftart ändern…). Um zu teilen, ist es notwendig, mit Winword, Powerpoint, E-Mail, Google, USB-Sticks, DVDs, CDRoms usw. umgehen zu können. Unterrichtsvorbereitungen in Form von Papier-Kopien sind Schrott.

3.) Sport:
Ich laufe 3 – 5 Mal die Woche mindestens eine Stunde an der frischen Luft (NICHT AM LAUFBAND!!), zweimal im Jahr einen Marathon, dazwischen kleinere Läufe. Das Gehirn wird mit Sauerstoff versorgt, ist somit produktiver, ich bin gelassener, ärgere mich weniger. Wenn möglich, baue ich Einheiten in Freistunden ein. Der Tag ist somit zweigeteilt. Ich gehe als neuer Mensch in die zweite Hälfte. Durch die Marathons steigt der Selbstwert extrem. In kritischen Situationen im Unterricht und im Internat (zB Situationen in denen Gewalt, Tabletten, Krankheiten usw. eine Rolle spielen) hilft mir das. Ich habe 35 Jahren keinerlei Sport betrieben, nun weiß ich, wie wichtig das ist!

4.) Don´t do anything, that isn´t play (Zitat von Marshall Rosenberg). Was mir Spass macht, macht auch den Schülern Spass. Wenn ich mich im Unterricht langweile, dann langweilt sich der Schüler schon lange! Unterricht ist ein Spiel: Wie bringe ich den Stoff, damit der Schüler sich diesen merkt, ohne daheim lange zu lernen?

5.) Mentoren:
Habe ich leider keine im Umkreis. Mir helfen aber die Bücher und Videos von Vera Birkenbihl, Alfie Kohn (nur in Englisch erhältlich), Daniel Goleman, Manfred Spitzer, Paul Watzlawick usw.

6.) Offener Unterricht:
Oft muss aufgrund Zeitdruck und Lehrplan der Frontalunterricht sein, okay. Aber Schüler arbeiten gerne alleine. Ich plane bewusst eine Stunde pro Tag dafür ein, um meine Stimme und Ressourcen zu schonen. In dieser Einheit ist das Unterrichten anders. Abwechslung.

7.) Positive Grundstimmung:
Ich denke positiv. Wie schaffe ich das? Ich nehme keine Probleme mit nach Hause, ich nehme aber auch keine Probleme mit in die Schule. Einige Lehrer bleiben nach Unterricht noch länger in der Schule, um mit Schülern ihre privaten Probleme zu besprechen. Ich bewundere das, kann das aber nicht und will das auch nicht. Ich bin Lehrer, um zu unterrichten und nicht zu therapieren. Es ist schön, wenn es Kollegen gibt, die das machen.

8.) Gedanken:
Ich mache mir keine Gedanken, was andere über mich denken. Das geht mich nichts an. Punkt.

Eines habe ich schon mal gepostet: Ich will überhaupt nicht wissen, wie oft die zB die Unterrichtsstunde zum Thema „Incoterms im Kaufvertrag“ in den deutschsprachigen Ländern Europas schon vorbereitet wurde. Wie oft an jeder Schule? Irre, völlig irre. Die spinnen, die Römer.

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