Begeisternder Frontalunterricht

In der Berufsschule geht es oft nicht ohne Frontalunterricht: Wissen muss in der eng begrenzten Zeit rasch vermittelt werden. Und da bin ich der festen Meinung, dass Alltagsgeschichten, umgelegt auf den zu vermittelnden Stoff, ein wesentlicher Faktor sind, Interesse bei den Schülern zu wecken, sie vielleicht zum Lächeln zu bringen oder sogar zu begeistern.

Was meine ich damit? Im Fach kaufmännisches Rechnen (oder auch in Wirtschaftskunde) erzähle ich den Schülern gerne folgendes Erlebnis: Ich wollte für meine einjährige Tochter zu Ostern Spielzeug einkaufen. Ich betrete das Spielzeuggeschäft, die Verkäuferin telefoniert gerade. Anstatt mich zu grüßen, dreht sie sich um, zeigt mir also ihren Rücken. Ich bin allein im Geschäft, stöbere herum. Versehentlich fällt mir irgendsoeine Schepper-Rassel auf den Boden. Das stört die Verkäuferin nicht, sie telefoniert weiter. Ich erfahre, dass ihr Freund und sie gestern beim Heimfahren von der Disco einen Unfall gehabt haben, das aber nichts passiert sei, nur der Kotflügel sei ein wenig angekratzt. Aber der Franz repariert das heute, sie hatte aber dann trotzdem noch Stunden danach weiche Knie usw. und so fort. Ich entschließe mich mangels Beratung heute nichts zu kaufen und verlasse das Geschäft. Beim Rausgehen dreht mir die Verkäuferin wieder den Rücken zu. Zuhause stöbere ich im Internet und sehe, dass dasselbe Spielzeug in einigen Shops bis zu 40 % günstiger zu haben ist.

Dann rechnen wir gemeinsam hoch: Dieses Mal habe ich für Ostern in dem Geschäft kein Spielzeug gekauft. Meine Kleine bekommt zu Ostern, zum Geburtstag und zu Weihnachten was geschenkt. Wir schätzen die aufgelaufene Geldsumme bis zum Ende des Spielzeugalters, zB bis 14 Jahre. Dann errechnen wir den Verdienstentgang für das Geschäft, wenn wir annehmen, dass ich in Zukunft nur noch über Internet einkaufen werde. Das Endergebnis dieser Rechnung ist: Was kosten 5 Minuten Unachtsamkeit gegenüber Kunden?

Das Non-Plus-Ultra für Lehrer ist natürlich, wenn Sie Schüler begeistern können. Einige Gedanken dazu schreibt Martin Oetting in seinem Weblog-Eintrag „Wie hält man begeisternde Vorträge„.

Tipp: Ich führe ein Geschichten-Tagebuch. Darin halte ich in Stichworten Alltagsgeschichten fest, die für den Unterricht verwendbar sind. Wenn ich im Netz oder in Büchern nette Stories finde, dann kopiere ich sie mir für dieses Tagebuch. Amerikanische Bücher sind hier eine wahre Fundgrube, Marketing Bücher ebenfalls.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s