EPIK – Domänen von Lehrerprofessionalität

Gestern habe ich einen Folder der österreichischen EPIK-Gruppe in die Hand bekommen. EPIK hat in diesem Fall nicht viel mit Literatur zu tun, sondern steht für „Entwicklung von Professionalität im internationalen Kontext“ und ist eine vom BMBWK eingesetzte Arbeitsgruppe, die Impulse und inhaltliche Bausteine für eine lernende Schule liefert. Diese sind kurz zusammengefasst:

1. Reflexions- und Diskursfähigkeit (Das Teilen von Wissen und Können):
Soziale Kompetenz ermöglich eine Distanz zum eigenen Unterricht. Damit ist Selbstbeobachtung und Reflexion möglich. Mit Diskursfähigkeit ist Kommunikation mit Lernenden, Kolleg/inn/en, Vorgesetzten, Erziehungsberechtigen und der Öffentlichkeit gemeint.

2. Professionsbewusstsein
(Sich als Experte / Expertin wahrnehmen):
Die Lehrperson sollte der Bereich ihrer Professionalität bewusst sein und diesen selbstbewusst, aber dennoch selbstkritisch, nach außen vertreten.

3. Personal Mastery (Die Kraft individueller Könnerschaft):
Die Lehrperson setzt ihr Wissen und ihr Können wirksam und situationsgerecht für sich selbst und andere ein.

4. Kollegialität (Die Produktivität von Kooperation):
Kollegialität ist eine Frage des beruflichen Überlebens. Lehrpersonen schließen sich zu einer Community zusammen, wo praktische und theoretische Fragen des Berufs diskutiert werden. Voraussetzung dafür: Raum, Zeit und Kontinuität.

5. Differenzfähigkeit
(Der Umgang mit großen und kleinen Unterschieden):
Die Vielfalt in Lerngruppen erfordert maßgeschneiderte Lernförderung. Dies erfordert Wissen über die unterschiedlichen Lern-, Kommunikations- und Integrationsfähigkeiten der Lernenden sowie Beobachtungs- und Einfühlungsvermögen.

Dazu meine Visionen für den Unterrichtsalltag in der Berufsschule in den nächsten Jahren (oder Jahrzehnten):

1. Reflexions- und Diskursfähigkeit:

Selbstreflexion ist zwar nett, aber wenn wir davon ausgehen, dass Lehrer grundsätzlich immer Recht (und Nachmittag frei) haben, ist Selbstreflexion für uns mit zunehmenden Berufsjahren nicht ganz leicht. Zumindest lasse ich das für mich gelten.

Deshalb: Reflexion ist nur sinnvoll, wenn eine kompetente Person des Vertrauens dem Unterricht beiwohnt und anschließend mit der Lehrperson den Unterricht evaluiert. Dieser Unterricht wird gefilmt. Dies sollte zur Institution im Lehrberuf werden, zB dreimal im Jahr ist dies verpflichtend vorgesehen.Das Filmmaterial ersetzt die aktiven schulpraktischen (und überaus gekünstelten) Übungsstunden an der Berufspädagogischen Akademie.

Vorteile:

  • Lehrpersonen kennen Schüler
  • Schüler kennen Lehrperson Minimierung von Nervosität, im schlimmsten Fall wird einfach neu gefilmt
  • Wegfall der künstlichen Situation „SPÜ“ an fremder Schule mit fremden Schülern
  • kein Organisationsaufwand
  • Zeitersparnis: an der BPA wird nur mehr das Videomaterial und die Vorbereitung besprochen

2. Professionsbewusstsein: Sich als Experte / Expertin wahrnehmen

Expertentum fordert ständige Wissenserweiterung. Unterrichten allein genügt schon lange nicht mehr. Deshalb für die Schulpraxis:

  • verpflichtende fachliche und pädagogische Weiterbildung von x Wochen im Jahr
  • Möglichkeit der Weiterbildung durch minimale Präsenzphasen (am PI) und extensive Heimarbeitsphasen Bücher, Videos), verbunden mit einer Hausarbeit, die bewertet wird und den Seminarerfolg sichert.
  • Ermöglichung der außerschulischen Weiterbildung durch Freistellungen, Karenzierungen
  • Möglichkeit der fachlichen Weiterbildung im Stammberuf als Angestellter (zB Bank) durch Karenzierung und Lohnfortzahlung
  • Kooperation mit der Wirtschaft: zB Spar Seminare auch für Berufsschullehrer
  • Nutzung von Social Software zum überregionalen Erfahrungsaustausch
  • Einführung der AST-Funktion für Lehrer (AST = advanced skills Teacher; erfahrene Lehrer mit mindestens 15 Jahren Unterrichtserfahrung coachen Junglehrer an verschiedenen Schulen; müssen sich vorab einem AST-Verfahren unterziehen; bringt Gehaltszulage; praktiziert derzeit in England)

3. Personal Mastery: Die Kraft individueller Könnerschaft
kann nicht gelernt werden, das kann nur trainiert werden. Deshalb:

  • Rollenspiele zu Unterrichtssituationen am Weiterbildungsinstitut anbieten (Fallbeispiele durchspielen)
  • Weiterbildung in Gruppenpsychologie
  • Videos zum Thema

4. Kollegialität: Die Produktivität von Kooperation

  • Einführung von Pausen zur Förderung der Lehrer-Kommunikation
  • Unterrichts-Vorbereitungs-Pool (elektronisch, ähnlich OBIS, nur österreichweit; Web 2.0 Bewertungssytem der Materialen – ähnlich youtube.com)
  • österreichisches „Teachers-TV“ („Teachers-TV aus England ist die weltweit größte methodisch-didaktische Video-Datenbank mit hunderten Beispielen von „good practice“)
  • Lehrer-Weblogs

5. Differenzfähigkeit: Der Umgang mit großen und kleinen Unterschieden

  • gesetzliche und organisatorische Möglichkeit zum Abweichen vom Lehrplan
  • gesetzliche und organisatorische Möglichkeit zum Abweichen vom Benotungsschema
  • funktioniert kaum mit Frontalunterricht, deshalb: selbstgesteuertes, eigenverantwortliche Lernen „flächendeckend“ einführen
  • Unterrichtsphasen (oder Blöcke) statt Unterrichtsstunden

Ein Gedanke zu “EPIK – Domänen von Lehrerprofessionalität

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