3 Minuten Aufmerksamkeit

„Ein Tag ohne gute Geschichte ist ein verlorener Tag.“ Dieses Zitat, frei nach dem abgetretenen KVG-BESIL (…for Karl Vanity Grasser, Best son-in-law), brachte einige gute Geschichten:

Im gestrigen Standard (21. Februar 2007) gabs einen Artikel über Heinrich Hertz, der heute, am 22. Februar 150. Jahre alt wäre, wäre er so alt geworden, wie seine Theorien. Hertz, der Entdecker der elektromagentischen Wellen, ohne deren es weder Radio noch Handy noch WLAN gäbe, war für seine unorthodoxen Ansätze bekannt.

Marconi

Guglielmo Marconi wollte mit Hilfe dieser Wellen im Jahre 1901 ein Signal von England nach Kanada drahtlos übertragen. Sämtliche Theorien sprachen gegen Marconi. Der Mathematiker und Physiker Poincaré wies nach, dass die Reichweite von Radiowellen 300 Kilometer aufgrund der Erdkrümmung nicht übersteigen könne. Hertz schrieb Marconi, dass er einen Spiegel von der Größe eines Kontinents brauche, um die Entfernung England-Kanada überbrücken zu können. Begründet wurde dies von der gesamten Wissenschaftswelt damit, dass es eine Analogie zwischen Lichtwellen und elektromagnetischen Wellen gibt: Sie verhalten sich gleich.

Marconi wiederum, kannte sich mit Elektromagnetismus nicht wirklich gut aus. Dieses Denkmodell beeinflusste seine Kreativität nicht. 1909 bekam er mit Ferdinand Braun den Physik-Nobelpreis.

Was hat das mit der Schule zu tun, abgesehen vom Kreuzworträtsel-Wissen in den vorherigen Absätzen?

Jugendliche haben den Vorteil, dass sie manchmal nicht wissen, was nicht funktionieren kann. Marconi machte sich mit einer kleinen Glasröhre, zwei Elektroden und ein bisschen Metallstaub auf nach Kanada und schaffte nach 62 (!) Tagen erfolglosen Versuchens das, was all die älteren, erfahrenen, gescheiteren, erprobteren und mehr honorierten Persönlichkeiten für unmöglich hielten.

Aber wozu werden unsere Jugendlichen erzogen? Doch nicht, um wie Marconi zu handeln? Harry Rowohlt sagt, in derselben Standard-Ausgabe, dass er vor Kindern nicht lesen mag: Die durchschnittliche Aufemerksamkeitsspanne sei zwar genauso lange wie bei Erwachsenen, nämlich 3 Minuten, aber die Kinder zeigen deutlicher, wenn die abgelaufen ist. Denn Vorlesen ist nicht die Kunst, sondern Zuhören.

Warum halten es dann unsere Schüler so lange in der Schule aus, wenn sie nur 3 Minuten aufmerksam sein können. Weil die Lehrer so toll unterrichten? Viele, ja, da bin ich sicher. Aber auch, weil sie es gelernt haben, still zu sitzen, nicht zu denken, zu tun, was andere sagen, keine Fehler zu machen, also auch nichts auszuprobieren, das schafft nur Unruhe. Nix mit Marconi.

Wenn ich Berufsschul-Lehrlinge, egal welchen Alters, im Unterricht frage, ob schon mal über Verbesserungen in ihrem Arbeitsalltag nachgedacht haben, ob sie das auch deponiert haben und ob das dann durchgeführt wurde, dann kann ich eine Kurve aufzeichnen. Sie beginnt mit einigen „JA“ und strebt gegen Null.

Der Tag der guten Geschichten: Wenn Sie die Geschichte von den Affen mit den Duschköpfen von Hamel und Prahald noch nicht kennen, unbedingt hier lesen.

to-do:
– Storysammlung für den Unterricht aufbauen
– Joel Benn Izzys Der Geschichtenerzähler oder das Geheimnis des Glücks. wieder mal lesen
– Folke Tegetthoffs Fabula in Niederösterreich im Herbst besuchen (Storytellers)

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